Worum geht es denn?

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#780 Eine der deutschsprachigen Tageszeitungen, die zur ordentlichen Lektüre dazugehören, ist DIE WELT. Normalerweise. Allerdings gönnt sie sich auch den einen oder anderen Ausrutscher, der diesmal schon merkwürdig bis bedenklich ist.

Ihr Politikredakteur Thomas Sebastian Vitzthum ist, trotz seines nürnbergerisch anmutenden Namens, offenbar kein Freund der Bavaria. Er bringt Horst Seehofer mit Worten wie „Realitätsverweigerung“ in Verbindung. Er nennt sie „orientierungslos“. Die CSU verhalte sich griechisch, beliebt er zu schreiben.

Nun ist es eine Sache, jemanden inhaltlich zu kritisieren. Freilich sind wir von der CSU nicht darüber begeistert, daß nun diese Klage eingereicht worden ist, weswegen die Maut verzögert wird. Aber eben auch nur verzögert; nicht: verhindert.

Ähnlich ist es beim Betreuungsgeld, das ein Erfolg ist und eben nicht, wie viele sinnlos behaupten, eine Herdprämie. Beim Erziehungsgeld muß ein Elternteil – meistens die Mutter – daheim bleiben, damit man es bekommt. Beim Betreuungsgeld ist das nicht der Fall; es kann ebensogut für die das Kind erziehende Tante verwendet werden; niemand muß deswegen seinen Arbeitsplatz aufgeben und zuhause bleiben. Es sind die Irrtümer über diese simplen Tatsachen, es sind vielfach die Wissenslücken und der zuzugebende Erfolg der linken Agitation, daß sich immer wieder falsches Wissen, Scheinwissen, in den Köpfen auch von Journalisten wie eine dicke, zähflüssige Pampe ansammelt, das erst einmal wieder beseitigt werden muß, bevor ein freier Denk- und Erkenntnisprozeß möglich wird.

Man werfe übrigens dem Verfasser dieser Zeilen nicht vor, daß er nicht auch mal eine andere Meinung habe als die der CSU. Es ist in diesem Falle aber so, daß er – als Mitglied der CSU – seine allfällige Kritik lieber intern anbringt, weil sie da erstens besser adressiert ist, zweitens mehr bringt und es drittens ein Zeichen von Kollegialität ist.

Aber zurück zu Griechenland. DIE WELT versuchte nun, eine Art der Gleichsetzung zwischen Bayern und Griechenland. Das ging so weit, daß sie die Farben der Flaggen gleich machte – was sie nicht sind (Bayern hat 2/151/211 im RGB-Schema, Griechenland 14/94/174). Aber auch ansonsten ist der Versuch dieser Gleichstellung absurd. Bayern ist etwas größer als Griechenland, jedenfalls die Einwohnerzahl betreffend. In der Fläche ist es etwa halb so groß. Das bayerische Bruttoinlandsprodukt ist mit 522 Milliarden Euro knapp doppelt so hoch wie das griechische (und unseres ist real). Bayern ist eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt; Griechenland ist eine der schwächsten der EU.

In Bayern hat seit Jahrzehnten die CSU die meiste Verantwortung. In Griechenland haben, nachdem über Jahrzehnte hinweg eine verantwortungslose Clique aus verschiedenen Parteien das Land heruntergewirtschaftet haben, jene Hallodris übernommen, die ihre linksextremen Alpträume zusammen in einer Koaltition mit Rassisten und Faschisten umsetzen wollen. Sie tun dies auf so erschreckend dümmlichem Niveau, daß die Direktorin des Internationalen Währungsfonds IWF, Christine Lagarde, dazu anmerkte: „Es geht nur mit Erwachsenen“.

Dabei übrigens muß man eines bedenken: Volkswirtschaftlich hat Griechenland längst zu gehen. Es hat sich in die Eurozone hinein gemogelt und betrogen. Es erfüllt die Kritierien für einen Eurozonen-Beitritt nicht. Dieses Land – oder genauer: dessen Regierungen – haben sich so verhalten, daß ein Verbleib in der Eurozone nicht möglich ist. Volkswirtschaftlich.

Aber es geht nicht an, die Sache nur volkswirtschaftlich zu betrachten. Eine Welt, in der nur das der Fall wäre, wäre keine gute Welt. Es möge sich ein jeder Leser selbst vorstellen, welche Dinge er für notwendig erachtet, die in einer rein ökonomisch strukturierten Welt nicht mehr da sein würden.

Auch Griechenland ist über den ökonomischen Aspekt hinaus wichtig. Es ist in der NATO – und wir haben in der Tat NATO-Partner nötig. Es ist eine Säule des Westens, der freien Welt; das mag zwar an und für sich genommen kein Grund sein, das Land zu stützen, aber herrje: ein wenig romantische Schwärmerei darf schon auch sein. Die Akropolis ist mehr als ein Haufen Steine.

Es gibt volkswirtschaftlich keinen Grund, warum Bremerhaven in der Bundesrepublik Deutschland ist. Oder Gelsenkirchen. Trotzdem redet niemand davon, jemanden hinauszuschmeißen. Und das aus gutem Grund.

Vielleicht sollten wir es mit Griechenland ähnlich sehen: es gehört nun einmal dazu. Aber dann haben wir nicht nur das Zumutbare zu tun, um Griechenland zu halten – dann haben, verdammt noch einmal, auch die Griechen das Ihre zu tun, um zu bleiben. Und das tun diese arroganten, verantwortungslosen Typen à la Tsipras oder Varoufakis eben genau nicht. Die Griechen müssen einsehen, daß sie sich mit dieser Regierung das Schlimmste angetan haben, was in dieser Lage möglich war. Eine unreife Schwätzer sind nicht dafür geeignet, das Land aus seiner schwersten Krise seit dem Bürgerkrieg (1946-1949) zu führen.

Bayern übrigens war, das sollte man angesichts der heutigen Lage nicht vergessen, eine schöne, aber schwache Region. Es war landwirtschaftlich geprägt – aber es war eine einfache, altmodische, wenig produktive Landwirtschaft. Es war gegen Ende des letzten Krieges zu rund einem Viertel mit Displaced Persons, Vertriebenen, Flüchtlingen bevölkert. Und doch hat es sich in nur ein paar Jahrzehnten unter Mitwirkung der CSU zu einem Staat entwickelt, der in beinahe jeder Hinsicht weltweit seinesgleichen sucht. Von niedriger Arbeitslosigkeit und hohe Löhne über Bildung, Kultur, Industrie, soziale Fürsorge, Tourismus, Rechtsstaatlichkeit und vieles andere hin bis zu der Tatsache, daß die Menschen mit dem Umzugswagen abstimmen: Bayern gewinnt Bevölkerung hinzu, während andere Regionen in Deutschland verlieren. So einfach ist das.

Und da mag sich der eine oder andere, der den Unterschied zwischen „vergleichen“ und „gleichsetzen“ anscheinend noch nicht kapiert hat, hinsetzen und staunen.

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