Schön blöd

nutella b (QU)

#778 Wenn nicht François Hollande derzeit Präsident Frankreichs wäre, dann vielleicht Ségolène Royal. Die Dame, früher einmal Lebensgefährtin des mit seinem Privatleben öfter mal die Öffentlichkeit irritierenden Hollande (man erinnere sich an Valérie Trierweiler), war 2007 – also vor Hollande – Präsidentschaftskandidatin der sozialistischen Partei und ist derzeit französische Umweltministerin.

Wer das jetzt etwas merkwürdig findet: Es ist aber so. Die Ex-Freundin und Ex-Präsidentschaftskandidatin ist Umweltministerin (und war seine harte Gegnerin bei der Kür zum Präsidentschaftskandidaten).

Nun ist es so, daß manche dazu neigen, sich selbst wichtig zu nehmen. Manche nehmen sich sogar sehr wichtig. Frau Royal bewirbt sich schon mal um den Vorsitz der Sozialistischen Partei und klagt vor Gericht, wenn sie verliert. Sie nennt schon auch mal ihr eigenes Wahlprogramm „unglaubwürdig“. Kurz und gut: Man könnte durchaus den Eindruck haben, sie sei eine der wichtigtuerischsten Nullnummern der französischen Republik.

Nun aber hat sie, intern unsortiert und unwissend, gehörig einen draufgelegt. In Nutella stecke, ließ sie das staunende Publikum wissen, das böse Palmöl und deswegen rief sie ihre Landsleute dazu auf, Nutella zu boykottieren.

Nun stimmt es, daß in Nutella Palmöl steckt, und es stimmt auch, daß auf der Welt viel Regenwald gerodet wird, um auf der freigewordenen Fläche die Ölpalme anzubauen.

Dumm nur, daß Royal folgendes nicht wußte, wohl weil es nicht in ihr etwas schiefes, dogmatisches Weltbild paßte:

Ferrero, der italienische Hersteller von Nutella, ist eines der wenigen Unternehmen weltweit, das für jeden Quadratmeter Ölpalmen-Anbaugebiet eine entsprechende Wiederaufforstung von Regenwald bezahlt. Also: Gerade das Palmöl für Nutella wird also nicht durch Raubbau an Regenwald gewonnen.

Aber die französische Regierung, in der Ségolène Royal Mitglied ist, betreibt den Staatskonzern Total. Und eben Total baut derzeit eine Raffinerie, in der Biosprit aus Palmöl gewonnen wird. Und zwar ohne daß eine Verpflichtung zur Wiederaufforstung von dafür gerodetem Regenwald eingegangen wurde.

Naiv wie ich bin, dachte ich, daß in Europa die Zeit der „Ich! Ich! Ich!“-Ahnungslosigkeit für Politiker zu Ende gegangen sei. Offensichtlich ist dem nicht so.

Frau Royal hat von dem, was sie da sagt, keine Ahnung und das auch noch öffentlich. Nun rudert sie zurück, bittet „1000 Mal“ um Entschuldigung. Einmal wäre schon genug. Noch besser freilich wäre es, wenn derart unbeleckte Zeitgenossen wie sie sich einfach aus der Politik verabschieden würden.

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