Schilda?

Fortschrittsverhinderung à la Nürnberg? – © Freud
Fortschrittsverhinderung à la Nürnberg? – © Freud

#777 Lang ist’s her, da stand Nürnberg geradezu als Begriff der Moderne. Es war die Metropole nördlich der Alpen, und besipielsweise die Berliner hätten sich gscheit gfreut, wenn ihre Stadt auch nur annähernd so hip gewesen wäre wie Nürnberg. Lang, lang ist’s her.

Heute ist Nürnberg manchmal etwas dröge. Bei aller Liebe: So aufregend wie der Beipackzettel eines Moorbades, so sexy wie ein Weckla vom Vortag. Während einige Menschen sich immer wieder dafür einsetzen, daß Nürnberg wieder modern wird, setzen sich leider manchmal die anderen durch. So  beispielsweise beim Thema Parkschein.

Parken ist in Nürnberg eh ein besonder Ding und geht mit Glück einher; dafür sorgt schon der Verkehrsplaner (ha, ha) Jülich. Wenn man dann wunderbarerweise einen Parkplatz hat, dann braucht der Mensche immer öfter einen sogenannten Parkschein. Der kostet Geld, und zwar Kleingeld. Das hat man nicht immer zur Hand, vor allem nicht so viel, wie man manchmal braucht. Deswegen kann man jetzt mit einer SMS die Parkgebühr entrichten.

Damit erspart man der Stadt Kosten. Wenn man bedenkt, was nicht nur der Münzapparat am Parkscheinautomaten kostet, und der Drucker und das sonstige interne Equipment – wenn man darüber hinaus bedenkt, daß der Parkscheinautomat regelmäßig geleert werden muß, daß irgend ein Mensch oder Computer das Kleingeld rollen und zur Bank tragen muß: hey, da ist es doch eine echte Erleichterung und Kostenersparnis für die Stadt, wenn sie all das nicht machen muß: der parkwillige Bürger kümmert sich selbst um all das.

Aber da hat er nicht mit der Nürnberger Verwaltung gerechnet! Um dem Bürger die moderne Welt zu vergällen, erhebt die Stadt Nürnberg eine besondere Gebühr. Billiger parkt der, der den Parkscheinautomat mit Bargeld füttert (was viele Folgekosten auslöst). Teurer parkt der, der modern, bargeldlos, folgekostenlos parkt.

Das ist zwar absurd, aber es wird Nürnbergs Versuch, Schilda würdig nachzufolgen, gerecht. Der Autofahrer macht für die Stadt die Arbeit, und wird dafür – wumms! – noch bestraft. Es ist faktisch ein Trottel, wer nicht bar bezahlt.

Das wäre doch mal ein Zusatz für den Antrag der CSU gegen diesen sinnlosen Aufpreis: Wie viel mehr kosten die Parkscheinautomaten, die mit Münzapparat, Drucker etc. ausgerüstet sind, im Verhältnis zu simplen Schildern wie dem oben abgebildeten? Und wie viel gibt die Stadt jährlich für die Münzentleerung, kaputte Automaten, Service an den Automaten aus? Und ist dann wirklich auch nur näherungsweise zu rechtfertigen, daß für’s SMS-Parkticket eine Sondergebühr erhoben wird?

Schön, daß die CSU-Stadtratsfraktion den Antrag gestellt hat, die Aufpreise für das Handy-Parkticket abzuschaffen. Da muß man dran bleiben.

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