Israel im Dialog (Tag 8)

In Yad Vashem. – © Freud
In Yad Vashem. – © Freud

#769 Früh ging es zur Klagemauer. Bisher war jeder für sich hier; nun alle zusammen. Auch der Tempelberg wurde besucht mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee. Danach fuhren wir nach Yad Vashem. Das ist nicht gut zu beschreiben.

Beim Festakt zum 50. Jahrestag der deutsch-israelischen Beziehungen war Gertrude Steinl anwesend. Sie wurde 1979 mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Im Garten von Yad Vashem steht ein Baum mit ihrem Namen darunter. In der Gruppe 15 steht er; aber welcher genau es war, konnte ich nicht mehr herausfinden – wir mußten weiter.

Es gab ein letztes Mal das, was sie hier „Salate“ nennen und was so viel mehr ist als nur das. Humus, Trina, ein Salat, der sich mir unter dem Namen „Laber nich“ eingeprägt hat, rote Bete, Rote Rüben, eingelegte Zitronen, Auberginen – wunderbar. Und es ist schon bemerkenswert, wenn frisch aus Zitronen gemachte Limonade weniger kostet als eine Dose.

Bei diesem Essen ergab sich ein Gespräch, das jedenfalls für mich genau das war, was ich von dieser Reise erwartet und erhofft hatte. Wir wissen voneinander, daß wir guten Willens sind, miteinander gut auszukommen; das ist gar keine Frage. Aber Wille alleine genügt eben nicht; vor allem wirkt er nicht auf jene, die sich mit dem guten Willen noch schwer tun. Aber nach einer Woche waren Zwischentöne, Rücksichtnahmen, Feinheiten hörbar – und zwar bei allen drei Gruppen –, die gut und wichtig sind und die hoffentlich erhalten bleiben werden.

Diese Reise war einerseits kein touristisches Unternehmen. Andererseits wird sie sich nicht in die Reihe all der gut gemeinten, aber meist eher wirkungslosen Projekte einordnen lassen, die zuviel wollen und deswegen nicht gelingen können.

Wir haben nur versucht, dem Dialog zwischen drei Gruppen einen Rahmen zu geben. Wir wollen miteinander reden. Deswegen muß man nicht alles beim anderen toll finden, aber eben darum geht es: Dann ist Toleranz gefragt. Wenn einer sowieso alles toll findet oder einem alles egal ist, dann ist das keine Toleranz. Tolerant ist der, dem etwas nicht gefällt und der es schafft, eine Haltung einzunehmen, die da sagt: „Der darf das. Der hat ebenso wie ich das Recht, sein Leben ohne Bevormundung zu führen.“

Und eben dies wollen wir mit dieser Reise ein klein wenig auf den Weg gebracht haben. Schön wäre es, wenn es bald wieder eine solche Reise gäbe.

Veröffentlicht nach der Rückkehr auf der Fahrt vom Flughafen München – Franz-Josef Strauß nach Nürnberg.

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