Israel im Dialog (Tag 7)

Massada. Unten sind die Umrisse der römischen Belagerungsstützpunkte zu sehen. – © Freud
Massada. Unten sind die Umrisse der römischen Belagerungsstützpunkte zu sehen. – © Freud

#768 Früh ging es südwärts nach Massada. Wer die Geschichte dort nicht kennt: bitte kurz Wikipedia bemühen. Massada war und ist für das israelische Selbstverständnis „nie mehr Opfer!“ ein wesentlicher Bestandteil.

Bis vor einigen Jahren kamen die israelischen Rekruten hierher, um vereidigt zu werden. Das macht man inzwischen nicht mehr, weil neben vielen einzelnen Details und dem Umstand, daß es eben hier war, wo sie einen Aufstand gegen die Römer machten auch die Tatsache zu sehen ist, daß die auf dem Berg verbleibenden etwa 960 Menschen als die Belagerung durch die Römer mit extra angelegten Lagern, mit Katapulten und einer in die Wüste gebaute Rampe unausweichlich zum Erfolg der Römer führen mußte, sich lieber von ausgelosten Männern aus ihrer Mitte umbringen ließen als ergaben: Selbstmord kann heute kein Vorbild sein. Und deswegen macht man diese Vereidigungen der IDF-Soldaten nicht mehr hier. Aber viele kommen hierher wegen des Symbolwerts von Massada (das auch Weltkulturerbe ist).

Es gilt auch, etwas anderes zu erkennen. Dem Menschen ist es wichtig, nach seinem eigenen Verständnis zu leben. Und das soll er auch tun und tun dürfen. Aber dort, wo einer nicht für sich entscheidet, sondern für andere mitentscheiden will, ihm also seine Art zu leben oktroyieren will, ist das nicht gut. Freilich, es gibt Grenzen dort, wo die Freiheit des einen den anderen bedrängt. Aber eben deshalb gilt: wir sind zu viele, um uns nicht gut benehmen zu müssen. Das verlangt zum einen, daß wir jemanden mit anderer Meinung nicht einfach umbringen und es verlangt zum anderen, daß wir mit dem eigenen Standpunkt vorsichtig sind und wahrnehmen, daß gut gemeint nicht immer gut getan ist. Senderhorizont und Empfängerhorizont müssen wahrlich nicht identisch sein.

Nach Massade ging es über die berühmte Oase von Ein Gedi ans Tote Meer zum Baden. Es ist immer wieder erstaunlich, daß man in diesem Wasser einfach nicht versinken kann – selbst dann nicht, wenn man es will. Heute stehen noch einige kurze Termine und Yad Vashem an, bevor wir nachmittags zurück fliegen.

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