Wenn ein Reflex das Denken ersetzt

NN

#761 In den Nürnberger Nachrichten wird heute auf Seite 2 ex cathedra als unumstößliche Wahrheit verkündet, was doch noch gar nicht gesichertes Wissen ist: Alexander Dobrindts Pläne für private Autobahnen seien falsch, unsinnig, teuer. Der Staat baue billiger als private Unternehmer. Ach.

Es ist grundsätzlich zu bezweifeln, daß der Staat Dinge billiger hin bekommt als Private. Siehe „DDR“ und andere Menschenexperimente. Und in den NN wird auch nicht gefragt, ob das ein guter Weg sei, sondern es wird verkündet, daß das ein schlechter Weg sei. Daraus wird dann die „Feststellung“ hergeleitet, daß die Große Koalition ein Schaden sei (gemeint ist wohl: ein Schadenverursacher, nicht der Schaden selbst, aber über solche Feinheiten der deutschen Sprache wollen wir großzügig hinweg sehen).

Vor allem aber: die vertretene Meinung ist inkonsistent. Bei der (im Kommentar gleichfalls abgelehnten) Maut sollen sich alle an den Kosten beteiligen, also auch die Fahrer von nicht in Deutschland versteuerten Autos. Bei den privat zu bauenden Autobahnen sollen nur die Nutzer die Kosten tragen; es ist also ein anderer (und trotzdem durchaus fairer) Ansatz. Beide aber sind nicht recht. Der Kommentator der NN vertritt also die Meinung, daß der Staat billiger baut als Private, daß die Maut schlecht sei, weil alle Nutzer bezahlen und private Autobahnen schlecht seien, weil nur die Nutzer bezahlen (und nicht die Allgemeinheit durch ihre Steuern).

Ja, wie denn nun, lieber Herr Escher? Entweder – oder. Aber beides kann man schlecht miteinander vereinen, will mir scheinen – außer: der eigentliche Punkt ist kein sachlicher. Wenn der eigentliche Punkt derjenige ist, daß Politik der CSU angegriffen werden soll, dann spielt die Stimmigkeit der Argumente, die Stringenz, freilich keine besondere Rolle mehr. Darauf kommt es dann nicht mehr an.

Dann kommt es nur noch auf die Botschaft an. Und die braucht keinen Grund mehr. Aber dann soll sie doch bitte auch nicht so tun, als ob es einen gäbe.

Niemand – niemand, lieber Herr Escher – macht eine dermaßen erfolgreiche Politik wie die CSU. Da kommt eine versagende Ministerpräsidentin Kraft nicht mit, die Nordrhein-Westfalen immer tiefer ins Schuldenchaos führt. Da kommt ein westdeutscher Einheitssozialist namens Bodo nicht mit, der in Thüringen Stasi-Kader seiner besonderen Fürsorge teilhaftig werden läßt. Da kommt kein Grüner Kretschmann mit, der entgegen seiner Wahlversprechen keine neuen Lehrer einstellt, sondern sogar viele entläßt.

Das alles findet man toll, knorke, töfte; nur ich Doldi habe mal wieder nicht die Schönheit einer solchen Politik kapiert. Rätselhaft.

Die CSU hat aus Bayern etwas gemacht, was noch vor 50 Jahren kaum vorstellbar war. Gerade macht die Staatsregierung aus Nürnberg eine echte Universitätsstadt. Da lese ich aber keinen Kommentar, der der SPD vorwirft, das jahrzehntelang verschlafen zu haben. Aber ich bin schon wieder auf einem Irrweg: ich versuche, all dem mit Arguemnten beizukommen. Aber Argumente sind hier nicht gefragt. Hier geht es, wie so oft, um Stimmungen. „Wir haben zwar keine Argumente, aber wir fühlen, daß wir Recht haben!“, scheint die Losung zu sein.

Na, dann fühlt euch mal gut. Wir machen derweil, was richtig ist.

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