50 Jahre

IMG_6022 (1)

#758 Die deutsch-israelischen Beziehungen sind 50 Jahre alt. Es begann schwierig. Der erste deutsche Botschafter Deutschlands in Israel war ein einarmiger Wehrmachtsgeneral und Ritterkreuzträger; Sensibilität sieht anders aus. Aber er hat seine Aufgabe gut bewältigt und eine gute Figur gemacht.

Als er sein Amt antrat, war das Kriegsende und mit ihm die Vernichtung der Juden gerade einmal zwanzig Jahre her. Der Krieg war noch nicht so weit zurück. Da gab es überall noch die Kriegsversehrten in ihre dreirädrigen Liegerollstühlen, die mittels einer Stange angetrieben wurden. Das waren Menschen, deren Beine irgendwo in der Erde lagen – und es waren auch  Menschen darunter, die Blut an ihren Händen hatten. Da gab es überall noch das Wissen um die verschwundenen, ermordeten Nachbarn. In dieser Phase den einzig richtigen Schritt zu machen, nämlich Beziehungen aufzunehmen, ehrt Konrad Adenauer und David Ben Gurion bis heute.

Damit brachten sie wenig in Ordnung, aber viel auf den Weg. Gewiß, für die Bundesrepublik Deutschland war dieser Schritt wichtig, um in den Kreis der Staatenfamilie zurückzukehren. Für Israel, von Feinden umgeben, die sich der DDR zuwandten, war dieser Schritt ebenfalls wichtig. Er trug übrigens vielleicht dazu bei, daß der 1948 mit durchaus auch sozialistischen Ideen gegründete Staat Israel im Lauf der Jahre seinem Sozialismus Adieu sagte und mehr und mehr zu einem auch wirtschaftlich freien Land wurde. Man sieht das an den Kibbuzim: standen sie einst für den Versuch eines Soziualismus‘ eigener Prägung, sind sie heute erstens selten und zweitens als Wirtschaftsunternehmen (und nicht à la LPG) erfolgreich geworden.

Die Fregatte Karlsruhe trifft heute in Haifa ein; Bundesverteidigungministerin Ursula von der Leyen wird Deutschland zum Jubiläum in Israel vertreten. Der israelische Präsident Rivlin macht einen Staatsbesuch in Berlin und wird morgen gemeinsam mit Bundespräsident Gauck die Geschichte der 50 Jahre, die 1965 niemand bei Verstand für möglich gehalten hätte, würdigen.

Die Geschichte zwischen Deutschland und Israel ist nicht ungetrübt und sie ist natürlich belastet, aber sie ist vor diesem Hintergrund eine Geschichte des Erfolgs, wie sie zu ihrem Beginn nicht vorstellbar war. Gerde deswegen ist es um so wichtiger, das zu sehen, was alles erreicht worden ist. Wir sind Handelspartner, politische Partner in Freiheit, Rechtsstaat, Demokratie, Religionsfreiheit. Deutsche machen Urlaub in Israel, ob als Tauchtouristen in Eilat oder auf der Spur nach den Orten der Bibel. Und seit einigen Jahren gibt es dabei sogar trinkbaren israelischen Wein. Das hätte angesichts des süßen Zeugs, das es 1965 als einziges aus Israel zu haben gab, auch niemand geglaubt. Nicht nur der Wein ist besser geworden.

Advertisements