Und Quelle?

Quelle – © Freud
Quelle – © Freud

#755 Moderne Zeiten haben ungezählte Vorteile und ein paar Nachteile. Zu den Nachteilen gehört die Hatz nach der neuesten Nachricht und die damit verbundene, zuweilen unangemessen niedrige Nachhaltigkeit der vielleicht über den Moment hinaus wichtigen letzten Nachricht.

Am Donnerstag haben die beiden Staatsminister Söder und Herrmann auf AEG – zusammen mit Uni-Präsident, Uni-Kanzlerin und dem Berichterstatter des Bayerischen Landtags für die FAU, Michael Brückner MdL – die enorme Entwicklung „auf AEG“ innerhalb der Uni erläutert. Es wird ein zentraler Standort der Technikwissenschaften der FAU werden, es werden Tausende von Studenten hier leben, hier studieren, hier jobben. Sie brauchen Wohnungen, sie werden ein eigenständiger Faktor im Wirtschaftsleben des Nürnberger Westens sein. Eine bessere Entwicklung für den Westen war gar nicht möglich. Daran sollte man auch über den Tag hinaus denken: das wird uns hier im Westen für Jahre, für Jahrzehnte wesentlich prägen.

Aber das betrifft mit der Uni ein Projekt, für das die Staatsregierung (oder: die CSU) die Verantwortung trägt. Da ist aber schräg gegenüber von AEG ein anderes Areal: Quelle.

Die Quelle ist das Sorgenkind im Westen. Jede komische Sekte hat sich inzwischen dort als „Zwischennutzer“ einquartiert. Der Nutzen für den Stadtwesten ist, ähem, überschaubar. Der Sachverhalt sei in einem Satz nochmal rekapituliert: Die CSU wollte ursprünglich dort die Uni ansiedeln, aber das alte Quelle-Leichtbau-Gebäude erzittert jedes Mal, wenn die U-Bahn vorbeifährt, also in einem Neubau – aber die SPD verhinderte nach einigem Lavieren den Abriß und steht nun mit einem nicht nutzbaren Riesenklotz da und weiß nicht weiter; so ging die Staatsregierung auf die gegenüberliegende Straßenseite auf AEG, quartierte dort einen Nucleus der Uni ein, erwirbt jetzt das Gebäude und macht aus der Uni auf AEG einen stadtentwicklungstechnischen Akt der Extraklasse.

Nur: was soll auf Quelle geschehen? Es gibt Stimmen, die sich für einen Erhalt des Objekts einsetzen. Nun kann das machmal sehr wohl richtig sein. Ein anderes Beispiel wird derzeit in Nürnberg diskutiert. Aber ein Erhalt um des Erhalts willen, ohne besondere Nutzung – etwa als Lernort –, kommt nicht wirklich in Frage. Gewiß, das an der Fürther Straße liegende Gebäude ist architektonisch relevant. Für die dahinter liegenden Gebäude gilt das übrigens nicht; da hat der damalige Bauherr Schickedanz als „homo oeconomicus“ weitaus billiger gebaut und vor allem sein eigenes Hauptgebäude ziemlich billig kopiert. Aber egal, tempi passati, vergangene Zeiten. Wichtig ist, daß wir über einen Erhalt der hinteren Gebäude überhaupt nicht zu reden brauchen: die können weg.

Wir reden über das vordere Gebäude und die Frage, ob sein architektonischer Wert ausreicht, um es zu erhalten. Und hier ist die Antwort letztlich auch einfach: Wenn es eine (mit der Stadtentwicklung übereinstimmende) Nutzung gibt, bei der das Gebäude weiter genutzt werden kann, dann ja – wenn nicht, dann nein. Und es gibt keine.

Seit Jahren sucht man jetzt nach einer Idee für den Riesenklotz, und man findet keine. Zwischendurch verkauft man das Teilgrundstück mit der höchsten Wohnqualität (ausgerechnet nach Fürth).

Die Zwischennutzer blamieren sich unterdessen mit größenwahnsinnigen Tagträumen wie einem Kauf des Objekts nach einem Internet-Fundraising. Getreu dem Motto: „Ich habe zwar keine Ahnung, aber das Internet kriegt das schon irgendwie hin“. Anstelle der faktisch für Kauf und notwendige Sanierungsmaßnahmen nötigen 50.000.000 € sollen nur ein paar hundert Euro auf dem (sogar von einem an diesen Treppenwitz der Lokalgeschichte glaubenden NN-Journalisten) Fund-Raising-Konto eingegangen sein.

Aber so ist das eben, wenn die Realität auf Wunschträume trifft: Erstere obsiegt, letzteres gehört eben zum Prozeß des Erwachsenwerdens. Nur ernstnehmen sollte man das nicht.

Es bleibt aber immer noch die Frage: Was tun mit dem Klotz auf der Südseite der Fürther Straße? Im Wahlkampf ließe es sich prima nutzen: auf der Nordseite brummt „auf AEG“ vor Leben, Zukunft und Chancen – und ist Stein gewordenes Symbol für die erfolgreiche Politik der CSU.

Und auf der Südseite: Da steht die Quelle. Verfallend, heruntergekommen, schäbig werdend, für die Stadt eine Last statt einer Lust, nutzungslos, sinnlos und bald durch nötige Sicherungsmaßnahmen unglaublich teuer dafür, daß man dort nichts kann als gelegentlich Leichen ausstellen. Die Nutzung der Quelle für ägyptische Leichen(-kopien) und (echte) Leichen aus der Neuzeit ist bezeichnend: Auch das Gebäude ist mittlerweile nicht viel mehr als eine Leiche.

Da ändern die „Kreativen“© auf dem Quelle-Areal auch nichts. Zum einen ist ein „Kreativer“© nicht per se ein besserer Mensch als andere. Zum anderen: Das bringt nichts, dem Westen nichts, Nürnberg nichts, dem Gebäude nichts. Es ist eine wichtigtuerische Idee ohne Bezug zur Realität, die „Kreativen“© dort irgendetwas machen zu lassen, was nicht trägt.

Es bleibt also die Frage, was dort zu tun ist, und sie ist an die SPD zu richten. Die SPD hat sich der Chance, die sich aufgrund vieler besonders glücklicher Umstände ergab, in den Weg gestellt. Sie meinte, sie kann es besser. Wo wir damit gelandet sind, kann jeder sich besehen. Wo wir mit der CSU gelandet sind, kann man gegenüber auf AEG betrachten.

Und so bleibt für die Quelle nur eins zu tun: die aus der Wahlkampfhitze entstandene Verweigerungshaltung der SPD muß ein Ende finden; das Quelle-Areal ist gemeinsam mit der CSU zu entwickeln und einem hoffentlich noch erreichbaren guten Ende zuzuführen.

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