Trau, schau, wem?

Farwestern Photo by Gregg M. Erickson; Lizenz: CC BY-SA 3.0 via Wikimedia
Farwestern Photo by Gregg M. Erickson; Lizenz: CC BY-SA 3.0 via Wikimedia

#752 Das EU-Parlament hat die Einführung von eCall in jedem Neuwagen ab 2018 beschlossen. Wenn es zu einem Unfall kommt, informiert das Auto selbsttätig die Rettungsleitstelle.

Man kann es auch manuell auslösen und eine Telefonverbindung herstellen. Das ist deswegen ganz gut, weil man sich bequem am Frühstückstisch gar nicht vorstellen kann, wie nervös Menschen in einer echten Streßsituation werden, sich nicht einmal mehr an die 112 erinnern und so weiter. Also, alles in allem eine gute Sache.

Da sind aber auch ein paar Kritikpunkte. Unter anderem wird befürchtet, daß über das eCall-System Bewegungsprofile angelegt werden können: Dadurch, daß sich dieses System an Mobilfunkzellen anmeldet, könnte theoretisch ein Überwachungsstaat hergehen und von jedem Bürger einen Plan anlegen, wann er sich wie bewegt. Nein, sagen die anderen: Das kann er nicht. Nicht nur, weil unser Staat so etwas nicht tut. Nicht nur, weil das einzige Resultat ein (noch) kaum zu bewältigender Datenwust wäre. Sondern schlicht und ergreifend deswegen, weil eCall ein schlafendes System ist: Erst dann, wenn es zum Umfall gekommen ist oder jemand es aktiv auslöst, meldet es sich in der Mobilfunkzelle an; es können also gar keine Daten gesammelt und mißbräuchlich benutzt werden. Wunderbar.

Aber da war doch die Vorratsdatenspeicherung, auch VDS genannt? Kurz rekapituliert: Da werden Daten in der Telefongesellschaft über einen kurzen Zeitraum hinweg behalten, die dem Staat dann und nur durch richterlichen Beschluß zur Verfügung gestellt werden, wenn wegen einer schwerwiegende Straftat ermittelt wird. Es handelt sich auch um ein System, bei dem der Staat die Daten erst dann erhält, wenn er ihrer richtigerweise bedarf.

Während also eCall schlafend arbeitet, ist die VDS aus Sicht des Staates ebenso schlafend: Die Daten stehen nur im Ernstfall zur Verfügung, ansonsten werden sie gelöscht. Niemand kann daraus ein Profil erstellen – selbst dann nicht, wenn er es wollte.

Und darum also wurde solch ein Bohei gemacht? Nun ja. Wenn die Politik der CSU am Ende Zustimmung von den anderen erhält, dann ist das nichts Schlechtes.

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