Was macht eigentlich die Quelle?

„Nürnberg Quelle Großversandhaus 001“ von Janericloebe - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:N%C3%BCrnberg_Quelle_Gro%C3%9Fversandhaus_001.JPG#/media/File:N%C3%BCrnberg_Quelle_Gro%C3%9Fversandhaus_001.JPG
„Nürnberg Quelle Großversandhaus 001“ von Janericloebe – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:N%C3%BCrnberg_Quelle_Gro%C3%9Fversandhaus_001.JPG#/media/File:N%C3%BCrnberg_Quelle_Gro%C3%9Fversandhaus_001.JPG

#747 Recht zu haben, ist eine feine Sache. Man selber trägt den Kopf oben und aufrecht, und der andere muß ihn beugen. Es wird dann oft, nicht immer zu Recht, als Nachweis höherer Kompetenz verstanden. Manchmal aber ist dieses Verständnis doch richtig. Und Recht zu haben, Recht zu behalten, Recht zu bekommen, kann manchmal gar nicht genossen werden, weil damit Unschönes verbunden ist.

Das Wort stand schon da, wenn auch als Teekessel: „Genossen“. Ja, Genossen, was ist denn nun mit der Quelle? Klare Ansage: Ihr habt’s verbockt. Seid nun endlich Teil der Lösung und nicht länger Teil des Problems! Nürnberg kann keinen zweiten Milchhof gebrauchen.

Es sei kurz rekapituliert: Der Quelle-Versand ging 2009 insolvent. Übrig blieb das Versandzentrum an der Fürther Straße: Die nach dem Flughafen Berlin-Tempelhof zweitgrößte Immobilie in Deutschland. Und eben so, wie die Sozialdemokraten in Berlin am Neubau eines Flughafens scheitern, so scheitern die Sozialdemokraten in Nürnberg am Quelle-Gebäude.

Zur Geschichte gehört, daß die CSU dort die Uni ansiedeln wollte, Wohnen sowohl einfacherer als auch gehobener Natur. Dazu mußte das Quelle-Versandzentrum weg, denn dessen Statik war vielleicht für den Quelle-Katalog ausgerichtete, aber nicht für vibrationsfreie Stabilität, wenn ein paar Meter vor dem Gebäude nur die U-Bahn vorbei fuhr: Dann erzitterte es jedes Mal, und in ein solches Gebäude kann man keine universitären Einrichtungen mit z.B. feinsten Meßinstrumenten bringen.

Da aber schrie die SPD auf: „Nein, auf keinen Fall! Wir wollen das knorke Quelle-Gebäude behalten!“ Wir redeten mit Engelszungen auf sie ein. Der Verfasser dieses Blogs ist ja nun wirklich nicht überall für seine zärtliche Argumentationsweise berühmt, aber hier hat sogar er, unter dem erschwerenden Umstand, daß gerade Wahlkampf herrschte, mit geradezu sibyllischem Zartgefühl auf die Sozen eingeredet, was sage ich: eingeflüstert. Man durfte nicht zulassen, daß das Thema zum Wahlkampfthema wurde, weil dann die Gefahr drohte, daß ein in der Sache sinnloser Scheingegensatz aufgebaut wurde-

Das erste Opfer dieser Gemengelage wurde SPD-Stadtrat Michael Ziegler. Er war erst ganz klar für den Abriß des für nichts mehr zu verwendenden Gebäudes. Aber im Nachgang zu einer SPD-Besprechung schwenkte er um und forderte mannhaft den Erhalt des Objekts. Nun ja.

Wenn das Objekt aber erhalten werden würde, warnte die CSU, dann kommt da keine Uni hin. Das sei baulich nicht möglich.

Macht nichts, sagte die SPD, der töfte Projektentwickler namens Sonae Sierra wird schon etwas finden. Also Auftritt Sonae Sierra. Die kommen mit dem tollen Vorschlag, dort ein gehobenes Einkaufszentrum zu entwickeln. Das hat die Weststadt gerade gebraucht. Ein paar Meter vom Admira-Einkaufszentrum entfernt und dieses recht sicher kaputt machend. Und die Nürnberger Innenstadt würde eine solche Entwicklung auch so dringend brauchen wie einen Kropf.

Sonae Sierra ging aber noch weiter. Man wollte doch eine Uni haben – wohl, damit der Freistaat dort Unmengen von Geld hineinpumpt, das Menschen anlockt, dort beheimatet, und so gleichzeitig die Kunden für das Sonae-Sierra-Einkaufszentrum heran schafft. Eine tolle Idee. „Zur Vorlesung über quantenphysikalische Effekte bei der Gleichstromübertragung bitte hinter den Gurken gleich links!“, hätte die Ansage wohl gelautet. Und wir haben weiterhin gewarnt.

Aber das hält doch eine SPD nicht davon ab, weiterzumachen! Es folgten weitere, traurige Akte:

Das feinste Grundstück wurde nach Fürth verkauft. Das ist nicht so bedeutungslos, wie manche glauben; denn nun ist das verbleibende Grundstück vor allem eine Last; die Lust wurde nach Fürth gegeben. Unglaublich.

Dazu dann das Sahnehäubchen: Die Zwischennutzer zogen ein. Angeblich irgendwelche „Kreativen“, aber die sind – beispielsweise religiös-spiritistische Kleingruppen – so „kreativ“ wie ein Sofa. Nun aber sitzen sie in dem Gebäude drin und verunmöglichen jeden Lösungsansatz. Sie laufen rum und „reichen jedem die Hand“, wie der griechische Finanzminister in einer seiner abstoßenden Worthülsen salbadert und es der Vertreter der „Zwischennutzer“ gerne nachplappert.

Zwischendurch wollten sie mal per Crowdfunding die Pi mal Daumen 50 Millionen Euro auftreiben, um selbst das Objekt zu kaufen und zu entwickeln, aber das wurde natürlich nur im Traumland etwas. In der Wirklichkeit wurde die Damen und Herren Zwischennutzer und die armen Tropfe, die an das Märchen glaubten, unsanft aus ihren Träumen gerissen: Da existiert so etwas wie eine Wirklichkeit, und die läßt solches Wahnfiebern nicht wahr werden.

Hinter vorgehaltener Hand sagt der eine oder andere SPDler durchaus einmal so einen Satz, mit dem er das völlige Scheitern zugibt und eine gemeinsame Lösungssuche anbietet. Damit ist natürlich gemeint, daß wir CSUler, wahrscheinlich mithilfe des Freistaats, den feststeckenden Karren freimachen sollen. Ach, das würden wir natürlich auch. Das Land, die Stadt ist immer wichtiger als parteipolitischer Erfolg.

Solange aber die SPD offiziell ihre Positionen „das Gebäude muß erhalten werden“ und „wir trauen uns nicht an die ‚Zwischennutzer‘ heran“ abrückt, solange geht nichts voran. Nicht, weil wir nicht wollen. Sondern weil das genau die Haltung ist, mit der die Quelle ins völlige Abseits geschoben wurde.

Bisher bewegt die SPD sich nicht. Der Komplex vergammelt. Muß er erst einstürzen, bis man dort sieht, daß man etwas machen muß?

Dieser Blog heißt „gestalten statt verwalten“. Ach, wie ist der Titel wahr.

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