Und wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen

Ein U-Bahnhof der VAG. © Freud
Ein U-Bahnhof der VAG. © Freud

#743 Da staunt man schon. Hat die VAG nun einen Aufsichtsrat, damit der sich an den (vielleicht) bereitgestellten Brötchen gütlich und ansonsten gefälligst nichts tut? Das scheinen so manche zu glauben.

Oder hat die VAG einen Aufsichtsrat, der eben das tut, was ein Aufsichtsrat tun soll? Der Aufsichtsrat ist ein Kontrollgremium. Er macht nicht die Arbeit des Vorstands, er kontrolliert sie. Und er schreitet ein, wenn nötig.

In Nürnberg grassieren viele wirre Ideen rund um die VAG. Da fordern anmaßende Weltverschlimmbesserer™ von der SED („Die Linke.“), das 1-Euro-Ticket einzuführen und sagen darüber nur etwas über sich selbst aus. Nämlich, daß sie nichts, aber auch wirklich gar nichts verstanden haben. Stichwort „Nahverkehrsabgabe“: Jeder – auch der, der nicht mit Bus & Bahn fährt, muß eine Zwangsabgabe entrichten. Warum? Stichwort: 365 € statt 1 €. Das 1-Euro-Ticket gibt’s nämlich nur im Jahresabo.  Und schließlich ist die VAG mit ihrem Angebot gar nicht wesentlich über dem 1-Euro-Ticket. Aber das hindert die Trolle unserer Zeit nicht, weiter auf der – zugegebenermaßen griffig formulierten – Formel zu bestehen. Wider alle Vernunft, aber was schert das die?

Es droht der 1. Mai, und damit nicht nur eine schöne Folklore á la früher („Samstags gehört Vati mir!“ – ein gendermäßig problematischer Slogan, der wie die meisten anderen längst wahr geworden ist) wieder das allmählich doch etwas ermüdende Schauspiel vom Geltendmachen von Forderungen, die heute im Allgemeinen nicht als intelligent, fair und anständig gelten.

Eine davon ist, wenn das Aufsichtsgremium der VAG eine Tarifreform ablehnt. Das ist nichts als die Wahrnehmung seiner Aufgabe. Witzig ist, jenseits allen tagespolitischen Ärgers, daß der Vorsitzende des Aufsichtsrat zugleich Bürgermeister ist und Vogel, Christian heißt. Und der schimpft jetzt auf seine Kollegen im Aufsichtsrat, daß die aus Sicht der VAG das nicht für toll, knorke und töfte befinden, was er sich als Politiker ausgedacht hat.

Da ist nämlich die Verknüpfung der Fahrpreise mit den Parkgebühren. Die will der Herr Vogel miteinander verkoppeln. Damit das clever klingt, hat man ein Dresdner (!) Beratungsunternehmen mit der Erstellung einer „Beratung“ beauftragt. Das ist ein altbewährtes Mittel, wenn man etwas erreichen will. Ob es ein kluges Mittel ist, sei hier nicht näher untersucht.

Dieser Vorgang zeigt in erstaunlicher Klarheit die Fehler in der Denkweise mancher. Ein Preis ist das, was der Markt schafft, der Angebot und Nachfrage zueinander ausgleicht. Natürlich kann einmal ein Fall vorliegen, in dem aus politischen Gründen der Preis etwas beeinflußt werden soll, damit eine politische Absicht verfolgt werden kann.

Das Entscheidende dabei ist, daß man es nicht übertreibt. Übertrieben haben es damit beispielsweise die Sozialisten in der „DDR“. Dort kamen Zustände heraus, die aberwitzig und irrwitzig zu nennen noch eine Verharmlosung darstellt. Man konnte dort und damals etwa als Bauer Geld verdienen, indem man subventioniertes Brot kaufte, damit die Rinder fütterte und dann die Rinder an die staatliche Handelsorganisation verkaufte. Mit Tierfutter wäre das nicht gegangen – das war ja nicht subventioniert. Schöne, blöde Welt.

Was also hat die VAG-Ticketpreis mit den Parkplätzen zu tun? Nichts. Diese Verbindung wird künstlich geschaffen. Indem man die Parkplätze verknappt und verteuert, ändert man zwar nichts an der Nachfrage nach Parkplätzen, aber am Angebot. Und wenn die Nachfrage nach Parkplätzen scheitert, dann weichen die Menschen ganz sicher zum kleinen Teil aus. Zum größeren Teil aber fahren sie nach Fürth, wo sie nicht als Bittsteller behandelt werden.

„Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen“, soll Marie Antoinette gesagt haben, bevor sie hinweg gefegt wurde. So ähnlich zeigt sich unser Vogel, Christian: „Wenn die frechen Bürger ihre Autos nicht loswerden, dann werden sie schon kuschen und tun, was ich für sie für richtig halte. Ich selber habe ja einen Wagen mit Chauffeur.“ Nun, erstens hat sie das wohl gar nicht gesagt. Und Umwälzungen wie dereinst in Frankreich sind – zweitens – für Nürnberg weniger wahrscheinlich und wohl auch nicht angemessen. Aber in der völligen Verkennung dessen, was die Lebenswirklichkeit einerseits und das politische Wollen andererseits fordern, nimmt es sich nicht viel.

Eine Reduzierung der Parkplätze – die wir von der CSU leider hinterm Bahnhof nicht verhindern konnten – scheint das politische Wollen der SPD, Herrn Vogels und – in freudiger Übereinstimmung – von Pfosten-Jühlich, dem autolosen „Verkehrsplaner“ (!) zu sein. Gut, daß sich noch jemand in Form von CSU-Stadtrat Marcus König diesem Alptraum einer scheinbaren Dorf-Idylle in Bayerns zweitgrößter Stadt verweigert.

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