Fränkisches Dreierlei

Der Frankenrechen
Der Frankenrechen

#741 Nachdem die Tatort-La-Ola-Wella durch die Lande schwappte (und auch den Verfasser dieser Zeilen ein wenig mit sich riß), haben sich drei Themen der Dinge harrend aufgestaut, und die wollen nun behandelt werden.

1.: FJS nach Walhalla?

Der Kommentar heute in der Nürnberger Zeitung nimmt eine etwas unentschiedene Haltung ein. Vor allem erklärt er die Frage für letztlich unerheblich, da Walhalla aus der Zeit gefallen sei. Ich bin da nicht so sicher. Es mag schon sein, daß in unseren Tagen Einrichtungen wie die Walhalla auf viele nur noch abgestanden und verstaubt wirken. Andererseits liebt unsere Zeit Etiketten, neudeutsch „labels“. Für die heranwachsende Generation, die zu großen Teilen nicht einmal mehr ahnen dürfte, wer FJS war, ist das Label „der steht fei in Walhalla“ vielleicht wichtig. Auch dann, wenn die Gegenfrage sein mag „was isn des?“.

Auch wichtig ist die Erkenntnis, daß in Walhalla nicht (Säulen-) Heilige aufgenommen werden, sondern Menschen mit besonderen Verdiensten. Das bringen manche durcheinander. Der Nürnberger Flughafen, beispielsweise, sollte nicht in „Albrecht Dürer“ umbenannt werden, weil Dürer ein nicht so toller Ehemann gewesen sei. Das ist eine so unglaublich bigotte, anmaßende, selbstgerechte Sichtweise, daß man darüber nur in Entsetzen verfallen kann. Und andererseits, wieder auf FJS bezogen: Daß er Bayern in die Moderne gebracht hat, bestreiten wohl nicht einmal seine Kritiker.

Peinlicherweise war ich, als Markus Söder das Thema aufbracht, FJS in Walhalla aufzunehmen, der Meinung, daß er längst dort wäre. Es ist nichts als eine Selbstverständlichkeit, die Söder hier fordert, und natürlich hat er recht.

2. Jamuk

In Syrien gibt es ein palästinensisches Flüchtlingslager namens Jamuk. Dort tötet der IS ungestört vor sich hin. Jene, die sich angeblich um Leid und Sterben der Palästinenser kümmern, schweigen. Sie sind nicht zu hören, zu sehen. Warum? Weil der Gegner diesmal nicht Israel heißt?

Übrigens ist auch sonst der Gegner nicht Israel, sondern die Verbrecher von der Hamas u.a., die ihr Volk in Geiselhaft nehmen. Deswegen leben ja 20 % Araber in Israel. Und das gerne. Aber um beim Thema zu bleiben: Wo ist die sonst so laut beschriene „in-ter-nat-io-na-le So-li-da-ri-tät“? Wo sind die Demonstrationen? Wo sind denn unsere „Friedensfreunde“ jetzt?

3. Tatort

Um das Thema kommt man ja nicht herum, also: Der Tatort war gut. Er hat es vermieden, was nicht selbstverständlich ist, ins Peinliche abzurutschen. Zwar drohte die Gefahr, aber es passierte nicht. Er hat in Ruhe eine Geschichte erzählt. Und das ist keineswegs so selbstverständlich, wie es klingt. „In Ruhe“: das ist meist nicht der Fall.Meist ist das hektisch, unübersichtlich, trieft vor Betroffenheit oder heuchelt „innere Handlung“, die meist durch um so mehr äußere Banalitäten von sich reden macht. Das alles fiel weg, und das ist gut.

Natürlich gab es Merkwürdigkeiten. Irgendwie hat der Regisseur über die symbolhafte Bedeutung von „Autos im Tunnel“ als Visualisierung von Geschlechtsverkehr zu intensiv nachgedacht; jedenfalls besteht Nürnberg keineswegs nur aus Tunneln. Die junge Dame an der Pforte des Polizeipräsidiums hesselt nicht, sondern fränkelt. Und man kann vor dem Rathaus nicht auf der Straße parken. Aber abgesehen von solchen Nicklichkeiten habe ich bei der Darstellung der Stadt nur eines wirklich vermißt: Es wurde kein Ort als Bezugspunkt gezeigt, es wurde kein Lokal, kein Café, kein Rückzugsort gezeigt. Und das war eine Lücke. Ansonsten ist der Tatort gut gelungen gewesen, unaufgeregt, mit ein bißchen viel Erlangen, aber sonst solide gemacht.

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