Versuch und Irrtum? Nicht noch einmal.

Neville Chamberlain (mit Papier in der Hand) – © Public Domain
Neville Chamberlain (mit Papier in der Hand) – © Public Domain

#739 Was Sie hier oben sehen, ist ein Bild des damaligen britischen Premierministers auf einem Flugplatz in London, der ein Papier schwenkt. Dazu ruft er „peace in our time“ („Frieden in unserer Zeit“). Er hat sich schrecklich geirrt: sieben Jahre und 65 Millionen Tote später war jedem klar geworden, daß „Appeasement“, der Name dieser Politik, zwar hübsch klang, aber schlimm war.

Die Idee hinter Appeasement ist einfach: Wenn man es mit einem aggressiven Regime zu tun hat, das sich irgendetwas nehmen will, und man das eh nicht verhindern kann – außer mit Krieg –, dann läßt man das zu. Man macht Verhandlungen, man macht Verträge, und nimmt so aus einer vielleicht gefährlich werdenden Situation den Druck. So befriedet man, meint Appeasement, gefährliche Situationen.

Das meinen auch irgendwelche Ostermarschierer, die für ihr guten Gewissen („Ich bin Pazifist!“) gerne mal ein paar tausend Menschen sterben lassen; was kümmert das sie?

Nachdem Frankreich unter nationalsozialistische Besetzung kam, stand Großbritannien über ein Jahr lang alleine gegen die Nationalsozialisten. Damals war die UdSSR Hitlers Verbündeter, und die Amerikaner hatten keine rechte Lust, sich um den Krieg in Europa zu kümmern.

Es fehlte nicht viel, und wer Ian Kershaws „Wendepunkte“ las, wird zustimmen: wirklich nicht viel, und der Krieg hätte mit einem Sieg der Nationalsozialisten enden können. Es war in der Tat zwischen Mai 1940 und Juni 1941 die britische Regierung unter Winston Churchill, die das verhinderte.

Heute ist da ein amerikanischer Präsident, der sich mit einer ähnlich schändlichen Vereinbarung aus Gesprächen mit dem verkommenen Regime aus Teheran zurück meldet und in ähnlichen Worten verkündet: „peace in our time“. Der Frieden ist so brüchig, wie er es 1938 war.

Die Präsidentschaft Obamas wird als die schwächste – zusammen mit dem Erdnußfarmer Jimmy Carter, der sich irgendwie ins Weiße Haus verirrt hat – der letzten hundert Jahre eingehen. Man kann natürlich, was Obama getan hat, als amerikanischer Präsident solche Positionen räumen, die der Vorgänger zwar noch inne hatte, aber die man für falsch hält. Was man aber nicht gut tun kann, ist, dafür keine neuen Positionen einzunehmen. Wenn der amerikanische Präsident in Kairo in einer vielbeachteten Rede (2009) nach den Anschlägen von 9/11 zur Versöhnung mit den USA (!) aufruft, dann ist das schon … merkwürdig. Wenn dann derselbe amerikanische Präsident von „roten Linien“ redet und dann nichts unternimmt, wenn diese überschritten werden, dann blamiert er die einzige verblieben Weltmacht bis auf die Knochen. Wenn es der amerikanische Präsident nicht schafft, ein zentrales Wahlkampfversprechen namens Guantanamo wahr zu machen, dann wird es peinlich. Er war kaum im Amt, da war er eitel und geltungsbedürftig genug, den Friedensnobelpreis anzunehmen. Obama ist auf der ganzen Linie gescheitert.

Er wird auch in seinem naiven Traum an das Abkommen mit dem zwar als gemäßigt geltenden, aber tatsächlich nur freundlich lächelnden und gleichzeitig ganz und gar nicht gemäßigten iranischen Präsidenten Rohani scheitern. Es bleibt noch zu hoffen, daß dieser Vertrag, der nur eine Pause auf dem Weg zur iranischen Atombombe vorsieht, nicht in Kraft tritt.

Das iranische Regime drangsaliert die eigene Bevölkerung in schlimmstem Maße. Erst kürzlich war an dieser Stelle über 252 Hinrichtungen in nur zehn Wochen zu berichten. Es bedroht andere Staaten und einem kündigt es die Vernichtung an. Da sind natürlich schnell sattsam bekannte Verharmloser zur Stelle, die das als „Übersetzungsfehler“ darstellen wollen, aber bei der nächsten öffentlich gehaltenen Rede wird schnell klar, daß das kein Übersetzungsfehler war.

Wer glaubt, daß man Zeitgenossen wie Ahmadinedschad oder Rohani auch nur ein klein wenig entgegenkommen darf, ohne das eigene Leben zu riskieren, täuscht sich. Auch wenn Geschichte sich nicht wiederholt: Das hat schon Parallelen zu 1938. Der Judenhaß ist derselbe, die Gier nach Vorherrschaft ist dieselbe, die Irrationalität ist dieselbe. Und wer irrational ist, schmeißt auch Atombomben – wenn er sie denn hat. Deswegen darf er sie nie haben. Und dafür muß man etwas tun.

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