Nie wieder Opfer

© US Air Force
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#737 Ostern naht, und da haben sich manche – allerdings recht wenige – mal wieder den Ostermärschen hingegeben als alljährlicher Prozession derer, die aus den Katastrophen auch des 20. Jahrhunderts nicht viel gelernt haben

Sie haben „Nie weder Krieg“ zu ihrer Parole gemacht. Diese Parole ist falsch. Wer sie ausruft, begünstigt den Aggressor. Wenn die Botschaft lautet „Egal, was du tust – ich werde mich nicht wehren“, dann wird die Gier und die Bereitschaft zum Unrecht auf der anderen Seite enorm angestachelt werden.

Warum gibt es Israel noch? Die Frage ist wegen des „noch“ provozierend gestellt, aber die Antwort lautet: weil es sich wehren kann. Wehren gegen die Angriffe der Hamas, des Iran und so weiter. Wenn aber der Iran einmal Atombomben haben wird, dann wird es keine Abwehr mehr geben, und wer da glaubt, daß der Iran ausgerechnet uns Deutsche nicht bedrohen wird, ist beneidenswert in seiner Einfalt.

Warum gibt es die Ukraine kaum noch? Weil sie von Menschen, die dem Mörder, Kriegshetzer und Landräuber Putin gehorchen, im Stich gelassen wurde. Sie kann sich nicht wehren, wenn russische Soldaten einmarschieren.

Der Westen ist die freie Welt. Wir sind das deswegen, weil bei uns frei um den richtigen Weg gestritten werden kann und niemand das Recht hat, einem mit einer anderen Meinung den Mund zu verbieten, den Hals abzuschneiden oder sein Land zu besetzen. Wir sind auch deswegen die freie Welt, weil bei uns das Recht eine Gewalt ist, die der Gewalt das Recht streitig macht.

Niemand wird von uns mit Waffen bedroht, der uns nicht angreift. Aber wer uns angreift, der muß wissen, daß wir ihm antworten werden. Und natürlich hat der freie, rechtssichere, aber eben auch nicht wehrlose Westen kein Gelübde abgelegt, daß wir uns nur mit Fahrtenmessern verteidigen werden: wir verteidigen uns auf angemessen Art und Weise. Das können auch Drohnen sein. Schöner ist es aber, wenn wir uns nicht verteidigen müssen.

Die Parole „Nie wieder Krieg“ ist einfältig. Sie suggeriert, daß, wenn wir selbst keine Waffen benutzen, das auch kein anderer tun wird – und genau diese Annahme ist falsch. Es verkennt, das es das Böse selbst, aber auch weniger abstrakte Dinge wie etwa Landraubwillen oder Unterdrückungwsillen realiter gibt.

Es wird auch übrigens nicht funktionieren, daß nur ein „Weltpolizist“ – die USA – alles aufräumen soll, was Diktatoren und für das friedliche Zusammenleben der Staaten unzuträgliche Personen wie Putin, Erdogan oder Assad anrichten und wir uns mal eben gepflegt heraushalten und mit törichten Parolen für die Unterhaltung sorgen. Erst neulich drohte Rußland dem harmlosen und kleinen Dänemark mit einem Angriff mit Atombomben, wenn es nicht kusche. Schon vergessen? Das ist die Welt, in der wir leben, und in der wir uns behaupten müssen.

Wir können uns weiter raushalten – aber dann sollten wir vielleicht weniger den Schulmeister geben, der anderen dauernd erklärt, was sie falsch machen. Oder wir helfen mit, die Welt in einen Ort zu verwandeln, in dem Recht und Freiheit etwas gelten und Unrecht und Zwang zurückgedrängt werden. Das aber gelingt nicht mit der bloßen Kraft der Worte. Um uns zu behaupten, müssen wir uns auch zur Wehr setzen können. Mit den geeigneten Mitteln.

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