Auf die Nürnberger Nachrichten ist Verlaß

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#736 Es ist gut, wenn man sich auf etwas verlassen kann. Auf den Scherz zum ersten April in den Nürnberger Nachrichten, beispielsweise. Er ist im Lokalteil versteckt; so viel sei verraten.

Verläßlichkeit ist deswegen etwas an sich Gutes, weil der Mensch nach Orientierungspunkten in diesem doch zuweilen recht orientierungslosen Durcheinander sucht. Eben so, wie wir Menschen nach einem klar gegliedertem Ablauf streben, wünschen wir uns das auch in der Zeitung. Insbesondere die Kommentare auf S. 2 machen uns immer wieder perplex, lassen uns mal schmunzeln, mal erstaunen sie.

Wenn jemand – ganz egal, über welches Thema man spricht – immer zu seinem Lieblingsthema abzubiegen weiß, dann ist das eine erstaunliche Angelegenheit. Man redet über Katzenfutter – und landet prompt bei einer Kritik an Teebeuteln. Das ist unlogisch, finden Sie? Nun, dann sollten Sie den Kommentar „Drohnen sind ein Irrweg“ auf S. 2 der heutigen NN vielleicht besser nicht lesen.

Es geht um Drohnen und um die dort aufgeworfene Frage, ob „die US-Drohnen irgendeines der Konfliktfelder befrieden“ konnten. Wenn es um die Frage der Anschaffung von Drohnen durch die Bundeswehr geht, ist diese Frage nicht und zwar gar nicht relevant.

Zum einen ist diese Frage falsch gestellt. Man könnte auch statt „Drohnen“ von „Panzern“ oder „Bombern“ sprechen – womit klar wird: hier wird durch die Fragestellung einer Waffe etwas aufgebürdet, was sie weder leisten soll noch leisten will noch leisten kann. Eine Waffe kann nicht „befrieden“; das kann nur die Politik dahinter. Die Frage, ob eine Waffe befrieden kann, ist so sinnvoll gestellt wie die Frage, ob ein Anzug gut schmeckt.

Es ist ein merkwürdiger Anklang vermeintlicher „Ritterlichkeit“ dahinter zu sehen, wenn eine Waffe nur angeschafft werden darf, wenn eigene Soldaten bei ihrem Einsatz sterben können. So nach dem Motto: „Ich töte zwar deine Soldaten, riskieren aber dabei den Tod meiner Soldaten, also ist das fair“.

Das ist natürlich eine abzulehnende Haltung. Es ist die Aufgabe einer jeden Regierung, Opfer unter der eigenen Bevölkerung zu vermeiden. Es ist merkwürdig, wenn man etwa von der Bundesregierung fordert, sie dürfe Terroristen in Afghanistan nur dann angreifen, wenn sie das Leben von Soldaten riskiert.

Wenn man fordert, daß Waffen eine politische Lösung sein sollen, verkennt man das Wesen von Waffen völlig. Sie sind nicht gut und nicht schlecht, sie sind nicht „politisch“, wie sie auch nicht „ayurvedisch“ sind: Sie sollen einen definierten Zweck erfüllen. Die Frage, ob ein Zweck gut oder hinnehmbar oder schlecht oder verwerflich ist, mißt sich an anderer Stelle. Ob man aber beim Einsatz einer Waffe das Leben eigener Soldaten riskiert oder nicht, ist dafür gewiß kein Maßstab.

Warum dabei auch wieder gerade die USA als Beispiel hergenommen werden, ist zunächst rätselhaft und fragwürdig. Setzt Rußland keine Drohnen ein, etwa wenn es die Krim besetzt oder die Ukraine? Warum werden die einen Drohnen thematisiert, die anderen aber nicht? Ist etwa Drohne nicht gleich Drohne?

Wenn es auf den politischen Willen dahinter ankommt, dann hat sich die Argumentation des NN-Kommentars selbst konterkariert, weil sie versucht, die Drohne selbst zu kritisieren. Entweder – oder, möchte man meinen.

Der entscheidende Punkt aber ist, daß Drohnen im Besitz der freien Welt (ja, so etwas gibt es) etwas anderes sind als Drohnen in der Hand von Terroristen, kriegführenden (angriffskriegführenden) Staatschefs (ja, die gibt es), kriminellen Regimen, Terroristen. Diesen Unterschied zu sehen, ist wichtig. Es ist eben nicht dasselbe, wenn zwei das Gleiche tun.

Natürlich braucht die Bundeswehr Drohnen. Zum einen, weil es verantwortungslos und das Leben der eigenen Soldaten verachtend wäre, aufgrund einer deplazierten Pseudo-Ritterlichkeit nur dann militärisch einschreiten zu dürfen, wenn man sie, die eigenen Soldaten, riskieren würde. Zum anderen, weil sie Eingriffe erlauben – und diese auch mit einer bisher ungekannten Präzision ausführen –, die bisher nicht möglich waren.

Es ist übrigens auch falsch, von einer Waffe zu fordern, daß sie keine Kollateralschäden bewirken kann. Das kann jede Waffe, und grundsätzlich gilt: die modernen Waffen bewirken weniger Kollateralschäden als alte. Natürlich kann man sich jetzt so positionieren, daß man deswegen überhaupt keine Waffen einsetzen wollte, und das wäre gewiß auch wünschenswert. Möglich ist das aber nicht, weil die Welt nicht „wünschenswert“, sondern real ist. Einem Aggressor kann man nicht mit hübschen Worten kommen, sondern nur damit, daß man ihm die Waffe aus der Hand schlägt. Dabei tut man gut daran, wenn man das Leben der eigenen Soldaten nicht gefährdet. Also her mit den Drohnen – für die Bundeswehr, für die NATO: sie erfüllen notwendige Zwecke – nicht nur durch ihren Einsatz, sondern teilweise schon alleine durch ihre Existenz – und sie kosten im Einsatz weniger Leben als andere Waffensysteme.

Eine Welt, in der wir auf Waffen verzichten könnten, wäre möglicherweise wünschenswert. Aber mit der Realität hat das nichts, rein gar nichts zu tun.

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