Wenn das Licht ausgeht

© US Navy
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#733 Am Samstagabend wurde das Licht auf der Nürnberger Burg ausgeschaltet. Welch eine Großtat. Man konnte sich ein wenig an die Verdunkelungsmaßnahmen im Zweiten Weltkrieg erinnert fühlen: Damals war öffentliches Licht verboten, weil es feindlichen Flugzeugen angeblich den Weg zeigen würde. Wenn man bedenkt, daß Harris‘ Bomber aus Versehen die Wehrkirche in Kraftshof bombardierten und zur Kenntnis nimmt, daß es in den ersten Jahren des Krieges schon als Erfolg galt, wenn man überhaupt die gewollte Stadt traf, dann kommt man zur Erkenntnis, daß das schon damals sinnlos war. Aber heute?

„Am Samstag um 20.30 Uhr waren die Menschen rund um den Globus aufgerufen, für eine Stunde das Licht auszuschalten, um das Klima zu schützen“. Mit diesen Worten drücken die Nürnberger Nachrichten wie üblich keinen Zweifel aus, wenn es um die „gute“ Sache geht. Und was „gut“ ist, bestimmt irgend so ein Dödel namens Zeitgeist.

Wir wissen (oder glauben zu wissen), daß das Klima sich ändert. Wie stets in den letzten 4,5 Milliarden Jahren. Wir sind in der Warmphase einer Eiszeit. Eine Eiszeit ist dann, wenn an den Polen Eis ist. Und das ist der Fall. Warmphase einer Eiszeit ist etwa dann, wenn in den Tiefebenen keine Gletscher sind. Davon kann sich jeder auf seiner nächsten Fahrt etwa nach Hannover überzeugen. Ansonsten gibt es, entgegen allen Unkenrufen, mehr Eisbären auf der Erde als jemals zuvor (auch dann, wenn man die in den Tiergärten abzieht). Für irgendwelche Panik besteht kein Anlaß – außer, man lebt von Forschungsgeldern, die in diesem Zusammenhang fleißig vergeben werden.

Alle, aber auch wirklich alle Prognosen des Weltklimarats haben sich bisher als völlig falsch erwiesen. Meist trat sogar das genaue Gegenteil ein. Wir haben es hier mit einem echten Phänomen zu tun: Wir geben unglaublich viel Geld für etwas her, was es gar nicht zu geben scheint. Und wer da sagt, analog zu „Des Kaisers neue Kleider“, daß der Kaiser nackt sei, ist ein ganz böser. Uiuiui.

Es wird der Hysteriemodus eingeschaltet, das Denken wird entsprechend ausgeschaltet, und wir suhlen uns in dem wohligen Scheingefühl, etwas Gutes getan zu haben.

Was tut das denn Gutes? Nichts, aber genau nichts. Die Scheinwerfer, mit denen die Burg des Nachts beleuchtet wird, sind schon längst keine Flakscheinwerfer mehr, sondern CE-zertifizierte, TÜV-geprüfte Lamperln mit original Energiesparschild. Sie verbrauchen vermutlich ungefähr so viel Strom wie die Uhr am Handgelenk dessen, der des Nachts dorthin radelt, um sich von der dunklen Burg ein Bild zu machen. Aber natürlich muß dabei aus Sicherheitsgründen die Straßenbeleuchtung an sein, und alle Fahrzeuge korrekt beleuchtet, damit er den Weg auch sicher bewältigt.

Wenn eine symbolische Handlung nur noch eine armselige Karikatur wird, dann sollte man sie unterlassen. In wohl keinem Land der Welt wird dermaßen sorgsam mit Energie umgegangen wie in unserem. Wer ein dunkles Haus ansehen möchte, der wird in der Stadt genügend unbeleuchtete finden können.

Die Kaiserburg ist aus gutem Grund beleuchtet. Übrigens nicht die ganze Nacht hindurch, aber das ist ein anderes Thema.

Wir leben außerdem im Land der Energiewende. Etwa ein Drittel des erzeugten Stroms ist aus Energieträgern gewonnen, die ständig nachgeliefert werden – wie Licht oder Wind. Was soll in Bezug darauf das Lichtausschalten bedeuten?

Man sage auch nicht, daß das ein allgemeiner Appell zu mehr Umweltbewußtsein sein soll; dies ist Unfug. In einem Land, in dem Mülltrennen das beliebteste Hobby bei Alt und Jung ist und sogar solcher Müll getrennt wird, der hinterher wieder zusammengeworfen wird, ist dieses angebliche Argument schon ein wenig schräg.

Wir leben in einem Land der Flagellanten, der Selbstkasteier, derer, die ständig und immer vor allem eines haben: ein schlechtes Gewissen.

Sie können sich nicht freuen, daß wir unsere Sehenswürdigkeiten beleuchten können, nein. Nun ja. Es ist doch etwas Schönes, daß wir nicht mehr wie einst unserer Vor-Vorfahren im Dunkel, im Gestank und überhaupt primitiv leben müssen. Sie aber wollen es unter anmaßender Parolenabsonderung für alle zur Pflicht machen, so zu leben wie sie. Und das ist schon immer das Merkmal der Gutmenschen: sie wollen nicht selbst so leben, wie sie es für richtig halten – sie wollen, daß andere das tun. Der Gutmensch will das vermeintlich Gute von anderen. Daran erkennt man sie, und dann soll man sie lieber nicht ernst nehmen, sondern zum Spielen in den Garten schicken. Aber vorher das Licht einschalten!

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