Alles nur geträumt?

OBM  Dr. Maly am Rednerpult; am Tisch vlnr: BM Vogel, Baureferent Ulrich, Sozialreferent Prölß, Umweltreferent Pluschke, Personalreferent Köhler – Freud
OBM Dr. Maly am Rednerpult; am Tisch vlnr: BM Vogel, Baureferent Ulrich, Sozialreferent Prölß, Umweltreferent Pluschke, Personalreferent Köhler – © Freud

#731 Der brave Bürger an und für sich geht zur Bürgerversammlung, um für sein Anliegen eine Öffentlichkeit zu bekommen. Er trägt vor, was er will, der Saal reagiert, und die Stadtspitze nimmt das mit, um darauf zu reagieren: ablehnend, appellierend, umsetzend – da gibt es verschiedene Möglichkeiten, weil es verschiedene Ansinnen gibt. Die Menschen bereiten sich auf Ihre Rede vor dem Oberbürgermeister und dem Bürgermeister und den Referenten vor, was den einen besser gelingt, den anderen – denen nach einer Viertelstunde eher sinnloser Bramarbarsiererei immer noch „gerade etwas einfällt“ – weniger. Und die Zeitung berichtet darüber. Oder? Oder.

Die Zeitung schreibt kein Wort. Sie war zwar vertreten, aber sie bringt rein gar nichts. Einen Photographen habe ich nicht gesehen, aber einen Wortbeitrag sollte das schon wert sein, oder? Offensichtlich nicht.

Es ist schon wahr, daß ein Teil der vorgetragenen Wünsche etwas absurd war. Wenn etwa eine Kleingärtnerin und stellvertretende SPD-Ortsvorsitzende sich über Eichen, deren Eicheln und Laub beschwert, so daß man den Eindruck bekommt, sie wolle diese fällen, dann wundert man sich schon.

Oder wenn einer jener Lautsprecher des „QuellKollektivs“, jener Jungmannen, die für quasi keine Miete gemeinsam mit etwas obskuren „Kirchen“ das Quelle-Areal einer sinnvollen Nutzung zuzuführen verhindern, das Wort ergreift und wie der Herr griechische Finanzminister davon redet, daß er uns die Hand reichen will – nun, ich werde heuer nicht 50, um mir diesen unsäglich absurden und hochmütigen Satz vom „Hand reichen“ geben zu lassen. Wenn vor der Tür jemand steht, der mir vorwirft, für die arme Gruppe X nur deswegen nichts übrig zu haben, weil ich ihm nichts spenden will, dann ist das in etwa so gerechtfertigt wie der unsinnige Hände-reichen-Wunsch des Herrn Zwischenmieters.

Es ist typisch für eine unsinnige Mode, daß man ein möglichst großes Ablenkungsmanöver startet, um den anderen nicht merken zu lassen, daß man nur sein Bestes will. Nämlich sein Geld. Er „reicht uns die Hand“. Nun ja. Wie groß ist hier die Distanz zu einem Beitrag in „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“?

Aber neben dem unsinnigen wurde freilich auch Sinnvolles vorgetragen. So wurde eine bessere Anbindung der Kliniken Dr. Erler und der Reha-Einrichtung auf der anderen Straßenseite an das ÖPNV-Netz thematisiert. Der Vorschlag des Bürgervereins und der örtlichen SPD, hierfür die Buslinie 34 umzuleiten, kann freilich nicht die Lösung sein. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Bei diesem Vorschlag würden enorme Gebiete von der ÖPNV-Nutzung abgekoppelt werden, und das kann bei Licht betrachtet niemand wollen.

Also wäre es doch wohl besser, den 36er auf seinem Weg vom Hallertor zum Plärrer (oder umgekehrt) durch die Praterstraße fahren zu lassen und vor der Erlerklinik – nur in eine Richtung – einen Halt einlegen zu lassen. Die Menschen, die „beim Erler“ aufschlagen, sind in der Regel durch eingeschränkte Beweglichkeit gekennzeichnet. Die steile Steigung zum Ring oder die Steigung die Praterstraße hinauf sind für sie oft nicht überwindbar.

Die VAG prüft, ob während der Brückenumbauphase ein Testbetrieb mit einer solchen Haltestelle anberaumt werden kann, damit man dann – bitte ohne Handydatenauswertung – feststellen kann, ob diese Haltestelle nötig ist oder nicht.

All das und noch viel mehr stand nicht in der Zeitung. Warum? Es sollte doch so einen Bürgerversammlung ein Stück lebendiger Demokratie sein, und darüber gehört berichtet.

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