Horst Seehofer triumphans

Horst Seehofer – © Freud
Horst Seehofer – © Freud

#725 Er durchlebt derzeit die schönste Phase seines Amtes: Horst Seehofer. Von den Wahlergebnissen der Landtags-, Bezirkstags- und Bundestagswahlen ganz nach vorne gehoben, bringt er nun, gestützt auf die große Mehrheit der CSU die Partei, deren Vorsitzender er ist, in die Form, die er ihr geben will.

Der Freistaat, dessen Ministerpräsident er ist, ist in einem so trefflichen Zustand wie nie zuvor in seiner langen Geschichte. Horst Seehofer hat gerade dem Wort „Freistaat“ zu neuer Geltung verholfen – bedeutet „Freistaat“ doch nichts anderes als „Republik“. Durch den Einsatz für gleiche Lebensverhältnisse allüberall in Bayern setzt er sich seine vermutlich nachhaltigste, wie man heute wohl sagt, Spur.

Doch es paßt nicht nur inhaltlich; es paßt auch formal. Auch wenn mancher an Peter Gauweiler etwas Witziges findet, weswegen er zum engsten Kreis gehören soll: Es ist gut und lobenswert, wenn einer als Mond in zuverlässigen Bahnen um die Partei kreist und ihr so das eine oder andere Mal einen wichtigen Impuls gibt. Etwas ganz anderes aber ist es, wenn einer quasi als Meteorit gelegentlich auftaucht, Verwirrung stiftet und wieder abzieht. So ein Moment etwa war beim politischen Aschermittwoch in Passau 2014 gegeben: Die CSU bereitete sich, wie die Bundesregierung auch, auf schwierige Zeiten mit Rußland vor. Und Gauweiler, der erstmals in Passau sprach, hielt eine Rede, die ihn als „Putin-Versteher“ zeigte. Bei diesen Passagen klatschten nur wenige im Saal. Und als er dann im Europawahlkampf merkwürdige Register zog und nicht unwesentlich zum mäßigen Erfolg der CSU beitrug – Mittelfranken verlor Martin Kastler als MdEP, und das ist in der Tat ein Verlust gewesen –, hat er sich als CSU-Vize desavouiert. Ähnliches, wenn auch anders gelagert, bei Peter Ramsauer. Freilich ist es wahr, daß bei den Verhandlungen zur Schaffung der Großen Koalition in Berlin für die CSU aufgrund der Mächteverhältnisse, also der Wahlergebnisse, nicht alles so lief wie gewünscht. In einem großen Bündnis ist eben der kleine Teil klein. Das ist zwar eine Binse, aber trotzdem wahr. In dieser Lage wurde Peter Ramsauer nicht erneut Bundesverkehrsminister. Seither hört man eher dann von ihm, wenn er von der Seite ins Geschehen grätscht. Ich glaube aber, daß Demokratie auch Ämter immer nur auf Zeit vergibt, und daß niemand das Recht hat, ein Amt als ihm zustehend zu begreifen. Viele, ganz viele Menschen wären für ein solches Amt geeignet – und haben es aus irgendeinem Grunde nicht. Die sind auch nicht alle übellaunig bis hin zur Illoyalität. Indem Peter Ramsauer wiederholt nicht eine andere Meinung vertritt – das darf jeder –, sondern indem er das so tat, daß er sich nicht gut benahm, hat er seinen Status als stellvertretender CSU-Vorsitzender selbst beschädigt. Schade, aber wahr. Beide kamen nicht nach Bamberg, und das muß kein Fehler gewesen sein.

Horst Seehofer ordnet die Dinge, und es sieht gut aus. Er spricht nicht vom Nachfolger in seinen Ämtern – das ist nicht nötig, weil man die Antwort kennt, und das schöne ist, daß die Antwort von Horst Seehofer, von der Basis, von den Funktionären dieselbe ist. Markus Söder hat eine solche Performance als Minister gezeigt, daß es absurd wäre, ihm weniger als die Nachfolge zuzutrauen. Hinzu kommt noch, daß er die letzten Reste des seinerzeit erlernten Generalsekretärsverhaltens lange abgelegt hat. Söder ist längst Staatsmann geworden: er denkt gründlich nach, bevor er spricht (das ist auch in der Politik keineswegs selbstverständlich); er weiß um seine Verantwortung. Er macht Politik für das Ganze (und nicht für einzelne oder Gruppen) und erweist sich solcherart als reif für die ganze Verantwortung. Also, die Frage der Nachkommenschaft ist beantwortet.

Was bleibt, ist die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt. Nun wird darüber viel spekuliert. Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen, bemerkte einst Karl Valentin. Der Verfasser dieses Blogs lag erst neulich mit einer Prognose gründlich daneben, als er annahm, daß nach dem „sprecht auch deutsch“-Leitantrag vom CSU-Parteitag im Dezember 2014 Taten folgen würden – und das war bisher nicht der Fall, was ihn eine mit „Durchlaucht“ anzusprechende Flasche Wein kostete. Und sie auch noch einem ganz bestimmten Wettpartner gegenüber verloren zu haben, schmerzt besonders; aber dazu an anderer Stelle mehr.

Man muß aber kein Weltmeister in Sachen Prognosen sein, um folgendes zu vorauszusehen: im Winter wird Horst Seehofer das Resümee seiner Arbeit ziehen und vom Parteitag mit einem großartigen Wahlergebnis seinen berechtigten Dank erhalten. Und irgendwann, vielleicht zur Kandidatenaufstellung für den Bundestagswahlkampf 2017, wird er seinen Platz räumen für den, der dann das Steuer übernehmen wird.

Das wird (mindestens) ein Jahr der Geduld für Markus Söder werden, und wer ihn nur ein wenig kennt, der weiß, das er sich nicht angestellt hat, als sie verteilt wurde. Wer ihn aber kennt, der weiß auch: Markus Söder hat Geduld nicht mitbekommen, aber erlernt. Er kann warten. Und weil er die Wartezeit nicht mit Däumchendrehen und herzallerliebstem Nichtstun verbringt, sondern mit erfolgsorientierter Arbeit für den Freistaat Bayern verbindet, ist das ein Umstand, der allen nützt: Horst Seehofer wird von Markus Söder unterstützt wie er von keinem seiner Minister wohl je unterstützt worden ist, und diese Phase der Erprobung wird Söder einst nützen, wenn er die Verantwortung trägt.

Wohl dem Land der Bayern, das diese Sorgen hat.

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