Wer kann hier keine Großstadt?

© Apple Karten
© Apple Karten

#724 Vor einigen Tagen wurde ein neuer Vorsitzender der Nürnberger SPD gewählt, der etwa so bekannt ist wie der Vater von Kaspar Hauser. Nun also hat derjenige, vielleicht um etwas aufzufallen und seinen Bekanntheitsgrad zu steigern, sich bequemt, in seiner Antrittsrede in eben jenem Amte auf seinem Kooperationspartner im Rathaus, der CSU, herumzuhacken und sie zu, ja, beleidigen. Sie könne keine Großstadt, meinte er. Ach.

Jetzt könnte es ja sein, daß irgend jemand, der neu in der Stadt ist, beispielsweise aus Fürth zugezogen, in der Gefahr schwebt, diese Behauptung zu glauben. Um eben dies zu vermeiden, ist dieser Artikel bestimmt. Dessen Kernaussagen lauten:

  • Die CSU kann Großstadt
  • Wer hat auf Quelle versagt, und zwar vorhersehbar versagt?

Die CSU hat sich früh, sehr früh, für die Ansiedlung der Friedrich-Alexander-Universität und der Technischen Hochschule Georg-Simon-Ohm auf dem Quelle-Areal eingesetzt. Es wurde auch mit den Gremien beider Hochschulen über die Möglichkeiten gesprochen. Nachdem sich herausstellte, daß die bestehenden Gebäude diesen Zweck nicht erfüllen, weil sie bei jeder U-Bahn-Vorbeifahrt erzittern und sich dies unmöglich mit feinen und feinsten Meßinstrumenten der Energietechnik – die dort angesiedelt werden sollte – vereinbaren läßt, forderte die CSU zur Umsetzung der Pläne den Abriß dieser Gebäude. Sie sagte außerdem, daß es keine gute Nutzung für das alte Quelle-Versandzentrum gäbe, dessen schwerster Inhalt der Quelle-Katalog war und das auch für nichts anderes statisch berechnet worden war. Wir hatten vor, das Areal zu entwickeln, zu tranchieren und fertig entwickelt – also mit festen Plänen – unter der Auflage zu verkaufen, daß diese Pläne umgesetzt werden. Das ist zwar nicht das Kerngeschäft der Stadtverwaltung, aber eben im Sinne einer guten, einer erfolgreichen Stadtplanung manchmal nötig. So haben wir es mit schönem Erfolg am alten Schlachthof gemacht (Villa Léon).

Aber da tönte die SPD – nachdem der örtliche Vorsitzende zunächst für den Abriß war –, daß man dieses alte Objekt erhalten solle, schließlich haben es so viele Nürnberger so unglaublich lieb. Nun, ganz so lieb können sie es nicht haben; der Niedergang der Quelle hat auch damit zu tun, daß die Nürnberger dort nicht mehr einkauften. Sie hatten es nicht unbedingt lieb, das Quelle-Areal – sondern sich daran gewöhnt. Das aber ist kein Erhaltungsgrund.

Es wurde irgendein komisches Konzept mit edlem Einzelhandel verkündet, daß ausgerechnet in Muggenhof ganz besonders töfte ist. Der Nürnberger Westen ist ja längst schon viel zu unedel, und wer wäre hier eher berufen, daran etwas zu ändern, als die Edelarbeiterpartei SPD? /Ironie aus.

Und überhaupt. Wer will denn eine Uni gleich hinter den Gurken links? So wäre es nämlich gekommen. Da hat der Freistaat abgewunken. Es ist nicht seine Aufgabe, einem Investor die Menschen auf das Gelände zu schaffen, es ist nicht seine Aufgabe, als Ankermieter viel zu bezahlen, damit der Eigentümer mit seinem Einkaufszentrum viel verdienen kann.

Wir versuchten alles mögliche, um die SPD zu überzeugen, daß sie auf einem Irrweg ist. Aber nein, es war vergebens, die SPD schwadronierte irgend etwas vom großen Glück der Zwischenmieter, von der ach so tollen Zuverlässigkeit des Investors, verweigerte sich jedem guten Zureden und verkaufte schon mal das beste Stück an einen Bauträger. Chapeau, @SPD, so, genau so, macht man eine Immobilie kaputt.

Die CSU kann die Uni nicht in einem Gewaltstreich dorthin setzen. Konsens ist nötig. Der aber war mit der SPD nicht möglich. Also siedelte die CSU die Uni gegenüber auf AEG an. Drei (!) bayerische Staatsminister kamen dorthin, um „Uni auf AEG“ zu verkünden. In der Nürnberger Zeitung war neulich nachzulesen, wie gut das funktioniert. Inzwischen werden Wohnungen gebaut, nimmt der ganze Nürnberger Westen einen Aufschwung wie zuletzt vor 50 Jahren. Bis auf das Quelle-Areal.

Das steht nach wie vor recht dumm in der Landschaft herum. Niemand hat irgendeinen auch nur entfernt mit der Realität in Verbindung zu bringenden Plan, was mit ihm geschehen soll. Die SPD hat’s vergeigt; die CSU zeigt auf der anderen Straßenseite, wie es richtig gemacht wird.

Und da stellt sich also nun dieser neue SPD-Unterbezirksvorsitzende hin und verkündet, daß die CSU keine Großstadt könne. Mal abgesehen vom fragwürdigen Deutsch ist diese Behauptung so glänzend widerlegt, daß eigentlich ein öffentliches Bekenntnis à la „da habe ich den Mund etwas vollgenommen“ fällig wäre.

Advertisements