So wird’s gemacht

Markus Söder © Freud
Markus Söder © Freud

#719 Als gestern die Titelmusik von Günther Jauch verklang, war ich noch naiv. Unter anderem glaubte ich, daß Jauch seine Sendung insoweit fair gestalten würde, als er den beiden politischen Protagonisten in etwa die gleich Zeit einräumen würde, zu sagen, was sie zu sagen haben.

Wie herrlich einfältig von mir, das anzunehmen. Jauch war eben nicht fair. Ohne nachgemessen zu haben, hat Jauch den Favoruakis etwa dreimal so lange reden lassen, wie alle Studiogäste zusammen.

Favourakis sonderte leere Worthülsen ab wie auf einem höchstens noch Drittklässler interessierenden Tschacka-Seminar – pardon bei allen Erst- Zweit- und Drittklässlern. Dafür brauchte er richtig lange. „Erlauben Sie mir, das zu sagen…“, „Ich bitte Sie, mir gut zuzuhören,…“ lauteten die unglaublich arroganten, inhaltslosen, anmaßenden und – ja, doch – bei aller Schwadroniererei unwahren Floskeln des Favourakis.

Aber damit nicht genug. Offensichtlich war das Jauch immer noch wenig an einseitig-sinnloser Sendezeit, und deswegen richtete er dann noch einmal an wen eine Frage? Richtig, an Favourakis.

Es ist halt schon schade, wenn man ein Interview im öden Courths-Mahler-Stil führt. Ein wenig Journalismus hätte dabei nicht wirklich geschadet. Ob Jauch dabei Partei ergreift, ist gar nicht so entscheidend. Er hätte durchaus Favourakis‘ Gesülze unterbrechen können – beispielsweise dann, als dieser von der Pflicht von Politikern faselte, Brücken zu bauen. Erstens ist das eine Metapher, und von Ministern darf man durchaus erwarten, daß sie metaphernfrei durch eine Talkshow kommen. Die meisten stolpern eh über ihre unpassenden Sprachbilder. Zweitens aber, und das ist ungleich viel wichtiger: Wieso läßt Jauch ihn das unwidersprochen sagen? Wer ist es denn, der die „Brücken“ einreißt? Wer ist es denn, der jede Solidarität verweigert?

Damit das deutlich gesagt wird: Jauch ließ ihm nicht alles durchgehen. Nur fast alles. Er verriet sich freilich. Einmal, gegen Ende der Sendung, sagte Jauch „Hat Favourakis nicht auch recht, wenn er sagt…“: Das „auch“ ist mehr als verräterisch.

Und mittendrin Markus Söder. Am Mittag sprach er noch auf dem Jahresempfang der CSU in Nürnberg-Nord. Engagiert, nachdenklich, überlegt, sachlich und witzig-ironisch dort, wo es angemessen war. Man muß den Markus Söder nicht außergewöhnlich gut kennen, um eines zu wissen: Um Geduld muß er sich bemühen; sie fällt ihm nicht wie zufällig vor die Füße. Um so mehr war ich erstaunt, mich welcher Geduld er dieses übrigens auch ausgesprochen unhöfliche, langatmige, nichtssagende Schwadronieren hinnahm. Und dann, in den wenigen Sekunden, die Jauch ihm ließ, einige Punkte ansprach – bei weitem nicht alle! -, die nicht nur den Applaus im nicht gerade CSU-lastigen Studio hervorriefen, sondern auch, wie man in den sozialen Medien feststellen konnte, die Meinung größter Teile der deutschen Bevölkerung traf.

Aber es war ja richtig von ihm. Was soll er sich über den miesen Benimm von Favourakis aufregen? Ändern kann er ihn nicht. Was soll er Jauch sagen, wie er eine Sendung jenseits von Bravo machen soll? Das ist nicht Söders Aufgabe, und er tat gut daran, sich ihr auch nicht zu stellen. Aber – ob das auffiel, wird man erst morgen in den Zeitungen nachlesen können: Zu keiner – keiner einzigen – Aussage von Markus Söder wußte Favourakis auch nur den Anschein einer Erwiderung zu bringen. Er schwieg betreten oder faselte von etwas anderem, wonach ihn keiner gefragt hatte.

Nur einmal wurde Jauch journalistisch: Als Favourakis behauptete, die Filmsequenz mit seinem ausgestreckten Mittelfinger sei gefälscht. Das ist zwar wenig glaubhaft – Bilder sind leicht zu fälschen, aber bei Filmen ist das ungleich schwieriger. Aber hier wurde Jauch lebhaft, fühlte sich in seiner Ehre angegriffen und reagierte. Das hätte er auch bei diesem inhaltlichem Wortgedresche tun sollen, und zwar ab dem ersten Statement von Favourakis.

Wer linksextrem ist, mit Rechtsextremen koaliert, die Krieg führen wollen, wer Beleidigungen austeilt, wer demütigende Worthülsen drischt, dem ist nicht eine billige Plattform für seine Show zu liefern.

Favoruakis war schlimm (und schlimmer als gedacht). Söder war gut (und besser als sogar von mir gedacht). Eine Abend, der insofern kaum neue Erkenntnisse brachte, aber bestehende bekräftigte.

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