Kooperation?

© Freud
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#717 Seit der letzten Wahl regieren, wie schon zuvor, in Nürnberg die Sozialdemokraten gemeinsam mit den Christsozialen. Das kann man mögen oder nicht, aber es ist so. Ist es so?

Beim Nelson-Mandela-Platz hinter dem Hauptbahnhof kamen sich beide Seiten in die Wolle und nicht zu einem gemeinsamen Ergebnis. Es fällt in der Tat schwer zu glauben, daß die geplante Grünanlage auch nur entfernte Ähnlichkeit mit den heiter-fröhlichen Bildchen haben wird, die das künftige Leben dort illustrieren sollen. Dort sitzt eine junge Frau im Schneidersitz über einem Buch und unbeschwerte Kinder tollen umher. Wunderbar.

Die Lebenswirklichkeit zeigt einem aber selbst in Bayern keine Grünanlagen an Großstadt-Hauptbahnhöfen, die einen die Lebensqualität so erhöhenden Charakter haben, sondern die Dealer-Standort, Wermutbrüder-Rückzugsort sein und schnell nicht ganz so edel aussehende Optik haben werden wie auf den Hochglanzbildchen von interessierter Seite.

Nun besteht freilich die Möglichkeit, daß hier eine sachlich so nicht eintretende Entwicklung Platz greifen wird. Auch dieser Blog ist, Prognosen und damit die Zukunft betreffend, vor Irrtümern nicht gefeit. Allerdings ist aus den letztem 716 Artikeln kaum ein Irrtum (außer dem über den Ausgang der Kommunalwahl) bekannt, aber bitte, das will für die Zukunft keinen Irrtum ausschließen, und auch dieser Blog wird einmal irren.

Es wäre also zu wünschen, daß die hier und im Stadtrat von der CSU befürchteten Entwicklungen nicht eintreten werden. Es wäre ja auch zu wünschen, daß heute vormittag ein Investor für das Quelle-Areal aus dem Bahnhof kommt, der die Geldkoffer kaum tragen kann und die Quelle unbedingt sein eigen nennen möchte. Alles ist vorstellbar.

Was aber nicht so gut vorstellbar ist, ist eine „Kooperation“ zwischen SPD und CSU, bei der sich die SPD dann, wenn es ihr angenehm ist, zur Seite bedient.

Freilich ist eine Kooperation keine Koalition. Und ebenso wahr ist, daß die SPD-Stadtratsfraktion mehr Mitglieder hat als die der CSU. Das muß man, wie jede Beschreibung der Wirklichkeit, zur Kenntnis nehmen – ob es einem gefällt oder nicht, ist bei der Konstatierung der Wirklichkeit kein relevantes Kriterium.

Aber natürlich besteht eine Kooperation nicht nur aus dem Vertrag, mit dem sie vereinbart wurde, sondern auch aus den Menschen, die sie tragen. Das sind keine abstrakt vor sich hin arbeitenden, gesichtslosen Wesen, sondern reale Menschen, die sich für das, was sie für das Richtige halten, einsetzen und dafür streiten. Das nennt sich Demokratie und ist gut so. Wenn man sich da einmal nicht einigen kann – nun, derlei kommt vor. Dann muß man sich eben ein weiteres Mal hinsetzen und versuchen, zu einer gemeinsam Lösung zu kommen.

Besser ist es, länger für eine Lösung zu brauchen, als zu keiner zu kommen. Besser ist es auch, sie miteinander zu suchen, als sich zur Seite hin zu bedienen, wenn man sie mit dem Kooperationspartner nicht hinbekommt. Eine ungeliebte Kooperation wird nicht lange halten. Wenn die SPD lieber mit den Postkommunisten der SED (Tarnname: „Die Linke.“) oder den Grünen paktieren will – bitte. Wenn die CSU die Kooperation nicht mehr mitmachen kann und will – auch bitte. Dann müßte man das eben zur Kenntnis nehmen und die Schlußfolgerungen ziehen. Wenn aber beide, SPD und CSU, an der Kooperation aus übergeordneten Gründen festhalten, dann sollten sie eine solche Sache gemeinsam beschließen oder auch mal nicht beschließen, aber sie sollte nicht von dem einen Partner mit irgendwelchen anderen, wechselnden Partnern beschlossen werden. Das ist nicht gut.

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