Nürnberg in der Pflicht?

„Nürnberg Quelle Großversandhaus 001“ von Janericloebe - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:N%C3%BCrnberg_Quelle_Gro%C3%9Fversandhaus_001.JPG#/media/File:N%C3%BCrnberg_Quelle_Gro%C3%9Fversandhaus_001.JPG
„Nürnberg Quelle Großversandhaus 001“ von Janericloebe – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:N%C3%BCrnberg_Quelle_Gro%C3%9Fversandhaus_001.JPG#/media/File:N%C3%BCrnberg_Quelle_Gro%C3%9Fversandhaus_001.JPG

#716 Recht zu behalten sei, so wird gesagt, eine Form des Sex im Alter. Diese schöne Behauptung dahingestellt, wird festgehalten, daß unter anderem in dieser Plattform mehrfach, vielfach, dauerhaft vor genau jenem Szenario gewarnt worden ist, das nunmehr eintrat und das wieder und wieder mit den Worten beschrieben wurde, daß das Quelle-Gelände der Stadt noch auf die Füße fallen werde.

Und nun ist es soweit. Nachdem viele hofften und hofften, daß aus einer kindischen Crowdfunding-Geschichte à la Grimms Märchen die wackeren, aber mittellosen Zwischennutzer die zweitgrößte Immobilie Deutschlands kaufen könnten – alleine die vorgeschriebene Hausfeuerwehr kostet mehr, als gestemmt werden kann -, wurde nunmehr die Zwangsversteigerung einberufen.

Jetzt hoffen manche, wieder hoffen sie, daß doch Sonae Sierra das Ding würde ersteigern wollen. Sonae Sierra – das ist jenes portugiesische Unternehmen, das schon jahrelange eine Kaufoption hat, aber nicht gekauft hat. Warum soll Sonae Sierra jetzt über den Umweg der Zwangsversteigerung kaufen?

Die einen vermuten, weil das wegen der gesetzlichen 7/10- bzw. 5/10-Regelung billiger sei, als wenn sie ihre Kaufoption wahrgemacht hätten. Das ist nicht sehr plausibel, weil das (hoffentlich) bereits bei den Verhandlungen vor ein, zwei Jahren hätte bedacht werden müssen.

Die anderen vermuten, daß Sonae Sierra das Objekt deswegen über den Umweg der Zwangsversteigerung kaufen will, weil man so die Zwischennutzer durch ein dann eintretendes Sonderkündigungsrecht loswerden könne. Ach. Und wieso hat die gleiche Sonae Sierra dann Zwischennutzer aufgenommen? Diese Vermutung ist nicht sehr konsistent und daher nicht überzeugend.

Es ist exakt so gekommen, wie von uns, der CSU, befürchtet, vorhergesagt, prophezeit: auf der Nordseite der Fürther Straße, auf AEG, wächst die Universität und blüht das Leben. Auf der Südseite hat niemand eine Ahnung, wie es weitergehen soll, verkommt und verfällt dieses Haus, von dem so viele sagten, sie wollen es denkmalmäßig erhalten. Und nun?

Ein schönes Filetstück, wie man wohl als Klischee, aber wahrhaftig sagt, ist aus dem Quelle-Areal schon raus verkauft worden. Das, was da zur Versteigerung gelangt, ist nicht mehr das, was „auf Quelle“ mal war.

Und so und so ähnlich wird es weitergehen. Das ist für Nürnberg, das ist für Gostenhof und Muggenhof eine Qual. Diese gehört beendet. Nürnberg ist in der Pflicht.

Die Stadt muß, wenn es keinen anderen Weg gibt, das Objekt ersteigern. Dann und nur dann kann sie das machen, was seinerzeit am Schlachthof gemacht wurde: projektieren, parzellieren, bebauen lassen, en detail verkaufen und so ein der Stadt und dem Stadtteil nutzendes Projekt schaffen.

Wie das gemeint ist? Sehr einfach. Die Stadt kauft. Dann macht sie einen Plan: hier normale Wohnungen, dort Sozialwohnungen, hier Einzelhandel, dort dieses und jenes, hier eine Grünanlage – sie erstellt einen Plan für das gesamte, riesige Objekt. Dann rechnet man es durch und zerteilt es in einzelne Tranchen, und diese verkauft man dann an bauverpflichtete Unternehmer. Am Ende hat die Stadt genau gar kein Geld ausgegeben und ein fertiges Projekt erhalten. Wie eben damals am Schlachthof.

Das Geld ist kein Problem, denn es wird nur vorübergehend gebraucht. Der Plan ist kein Problem, weil man sich angesichts der drohenden Verrottung längst von der Idee des Erhalts des ganzen Objekts in seinem denkmalgeschützten Zustand verabschiedet hat.

Das Filetstück ist weg; damit muß man leben. Aber ansonsten würde man solcherart aus der Quelle noch das Beste machen können.

Ausreden gelten nicht mehr; sie haben allzu lange die Weststadt in vielerlei Hinsicht gefährdet: Nürnberg muß das kaufen, Nürnberg muß das machen. Herr Oberbürgermeister, übernehmen Sie!

Diese Nachricht wird sich nicht selbst zerstören. 🙂

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