Nürnberger Zweierlei

ESC / „Transformateur du complexe La Grande“ von Khayman - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Transformateur_du_complexe_La_Grande.jpg#mediaviewer/File:Transformateur_du_complexe_La_Grande.jpg
ESC / „Transformateur du complexe La Grande“ von Khayman – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Transformateur_du_complexe_La_Grande.jpg#mediaviewer/File:Transformateur_du_complexe_La_Grande.jpg

#715 Der kritische Mensch an und für sich mag fragen, was denn in obigem Bild der ESC und ein HGÜ-Trafo miteinander zu tun haben. Antwort á la Realität: Nichts. Antwort á la Radio Eriwan: Kommt darauf an. Antwort á la Freud: Mehr, als man auf den ersten Blick erkennt. Aber der Reihe nach.

1. Der Mensch heißt Kümmert und beschimpft sein Publikum. Er tritt bei einem Wettbewerb an und seine größte Sorge ist, daß er gewinnen könnte. Nachdem er gewonnen hat, lehnt er nicht nur den Preis ab – was er darf, auch wenn kaum einer so … unüberlegt handeln würde, in einem Wettbewerb anzutreten, um nicht zu gewinnen, aber bitte, jeder macht es so gut und klug, wie er es versteht. Das wäre ein Aufreger für Seite 37 in Bravo, und darum soll es hier nicht gehen.

Auch das sinnvolle Verhalten von Menschen soll hier nicht im Vordergrund stehen. Was immer einen dazu bewegen kann, freiwillig an einem Wettbewerb teilzunehmen, den man nicht gewinnen will: nur zu. Andere freuen sich.

Es ist auch eine vielleicht gar feinsinnige Art, Kritik am System des Wettbewerbs anzubringen. So nach dem Motto, daß wir alle Künstler seien.

Was aber nicht geht, und hier ist die Schwelle des Lächelns überschritten, ist die Anmaßung, über den Preis verfügen zu dürfen. Künnert hatte nicht das Recht, nach Ablehnung des Preises über ihn zu verfügen. Ob nun die Zweitplatzierte gekürt werden würde oder eine andere Lösung gefunden werden würde, ging ihn nichts an und hatte er schon gar nicht zu entscheiden.

Er mag irgendwelche Mädchen sexistisch beschimpfen – die werden ihm das, wie zu lesen war, nicht durchgehen lassen. Er mag die Menschen, die sein Verhalten nicht toll finden (ihm nicht „treu“ sind, wie er sagt), beschimpfen – seine Sache. Aber daß sich hier jemand als hochgradig unreif und anmaßend zeigt, das wird man schon noch feststellen müssen.

2. Wie beschreibt man die HGÜ-Bauwilligen, ja: Bauwütigen richtig? So: Schmeiß die Katze wie Du willst, am Ende kommt immer eine angebliche Notwendigkeit zum Bau von HGÜ heraus (Der Autor liebt Katzen und hat Zeit seines Lebens noch keine Katze „geschmissen“; das Sprachbild dient nur angesichts der Tatsache, daß Katzen stets auf ihren Füßen landen, der Verdeutlichung dessen, was hier geschieht). Die ganzen Gründe, die angeblich „pro HGÜ“ ins Feld geführt werden, sind wahlweise entweder nicht unbedingt „pro HGÜ“, sondern werden auch bei „pro Netz-Ertüchtigung“ berücksichtigt. Oder sie sind keine echten Argumente. Was aber bleibt, das sind Scheinargumente.

HGÜ sind eine Nabelschnur für die norddeutschen Windkraftwerke, die wir nicht bestellt haben. HGÜ koppeln uns in Bayern vom internationalen Gesamtstromnetz ab: Wir können gar nicht mehr Strom von Frankreich oder Österreich beziehen, wenn der Strom durch das Nadelöhr HGÜ hindurch muß, das diese Staaten gar nicht haben. Unser normales (Wechselspannungs-) Stromnetz ist flexibel. HGÜ ist so flexibel wie eine Straßenbahn: entweder sie fährt auf den dafür gebauten Gleisen, oder sie fährt nicht.

Warum sollen wir so etwas wollen? Wegen der Versorgungssicherheit? Ach nein. Die wird ja durch HGÜ nicht gesteigert. Gesteigert wird der volatile Anteil an Strom – also derjenige, der auch jeden Moment wegbrechen kann. Grundversorgungssichere Stromlieferanten wie die bayerischen Gaskraftwerke, die modernsten und schadstoffärmsten der Welt, sollten auf diesem Altar geopfert werden. Nicht mit uns: dem AK Energiewende der CSU.

Wer hierzulande eine Eisenbahnstrecke bauen will, sagen wir: Von Köln nach Berlin, der wird vor vielen Fragen stehen. Baut er auf einer neuen Trasse, baut er neben schon vorhandene Bahnstrecken, baut er so oder so. Aber was er nicht machen wird, steht auch fest: Er wird diese Bahn nicht in der russischen Überbreite bauen. Dann können nämlich normale Züge nicht mehr darauf fahren. Und das ist einfach schlecht.

Es mag sein, daß beim normalen Netz gewisse Übertragungsverluste auftreten. Aber diese sind lächerlich gering im Vergleich zu den Verlusten, die wir Bayern mit HGÜ zu erdulden hätten.

Deswegen: Keine HGÜ! In der Ertüchtigung der bestehenden Wechselstromnetze liegt einer der Schlüssel der Energiewende. HGÜ ist auch durch seinen Charakter als „Länderfinanzausgleich II“ grundsätzlich abzulehnen.

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