„Erkläret mir, Graf Oerindur, …

Michael Frieser MdB, Markus Söder MdL, Sebastian Brehm, Andreas Scheuer MdB - © Freud
Michael Frieser MdB, Markus Söder MdL, Sebastian Brehm, Andreas Scheuer MdB – © Freud

#700 …diesen Zweispalt der Natur“, dichtete um 1800 der mittlerweile weitgehend in Vergessenheit geratene Adolf Müllner. Er hat nicht ahnen können, wie aktuell sein Reim dereinst sein würde.

Die Nürnberger Nachrichten von heute befleißigen sich, nicht nur die Hälfte der Seite 3, sondern auch noch einen Kommentar auf Seite 2 und beide vom stellvertretenden Chefredakteur höchstselbst über Markus Söder zu bringen. Natürlich, beides durchaus auch mit jener Form der verschwurbelten Kritik vermengt, ohne die bei den NN nichts geht, aber eben auch durchsetzt durchaus mit Lob für die geleistete Arbeit, mit Anerkennung dafür, daß Markus Söder ein Politiker ist, wie er gar nicht mehr so häufig ist: er meint es nämlich ernst.

Jenseits aller Dinge des Alltags ist Söder nämlich einer, dem es darum geht, etwas für die Menschen zu bewegen. Der Kritiker mag jetzt einwenden, daß es dem Söder mehr um diese und jene ginge als um ihn. Das mag so sein oder auch nicht; natürlich sieht er sich mehr in der Verantwortung für jene, die ihn gewählt haben. Aber neben alldem ist eine Anerkennung dessen, was er leistet und arbeitet, auch bei jenen ersichtlich, die nicht von Haus aus einer gesteigerten Sympathie für die CSU geziehen werden.

Dieses ist das Momentum, das dem Beobachter zeigt, daß das Amt des Ministerpräsidenten und die Funktion als CSU-Vorsitzenden auf ihn zukommen. Wohlgemerkt: Diese kommen auf ihn zu, nicht umgekehrt. Es ist meistens ziemlich egal, ob jemand meint, er könne das. Entscheidend ist, daß andere das so sehen. Es ist dies ein Detail wie aus der Bühne: Nicht der König spielt den König; die anderen spielen ihn.

Söder ist heuer im achten Jahr Minister. Erst für Bundes- und Europaangelegenheiten, dann für Umwelt und Gesundheit („Leben“), seit bald vier Jahren für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat. Er ist in diesen Ämtern nicht nur nicht gestolpert – er hat jeweils einiges erreicht, was noch heute nachwirkt. Als Finanzminister kommt es nicht eben selten vor, daß er etwas eröffnet oder einweiht, was er in seiner Zeit als Umweltminister angestoßen hat. Ein durchaus interessanter Effekt.

Es ist nun nicht so, daß die anderen, die als Nachfolger genannt wurden, völlig versagt hätten. Es ist vielmehr so, daß kein anderer dieses Format zeigt. Söder hat sich von seiner Generalsekretärphase „resozialisiert“, wie er selbst sagt. Er hat auch etwas erlernt, was arg schwer ist: er ist dort geduldig geworden, wo Ungelduld nichts bringt, gerade im Umgang mit dem politisch Andersdenkenden. Auch das gehört zu einem angehenden Ministerpräsidenten – der eben nicht mehr nur für seine Wähler arbeitet, sondern für den gesamten Freistaat.

Auch der heutige Generalsekretär der CSU, Andreas Scheuer, hat vergangene Woche anläßlich des traditionellen Fischessens der Nürnberger CSU deutlich gemacht, daß er den Markus Söder als kommenden Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden sieht. Aber eigentlich ist das kaum einer Meldung wert, so selbstverständlich ist das. Jedoch wollen auch Selbstverständlichkeiten ausgesprochen sein.

Erstaunlicher ist da doch in der Tat, daß die Nürnberger Nachrichten ihn – zum wiederholten Male! – chefredaktionell als kommenden Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden sehen und ihn, man staune, sogar mit einem etwas verdrucksten Lob versehen.

Als CSUler liest man die NN nicht jeden Tag mit solchem Vergnügen.

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