Es macht nicht alles Spaß, was danach aussieht

Staatsminister Dr. Markus Söder. Und ich. © Richard Bartsch
Staatsminister Dr. Markus Söder. Und ich. © Richard Bartsch

#697 Finanzminister zu sein, hat unbestritten seine schönen Seiten. Da ist der monatliche Gehaltseingang. Und es ist auch nicht zu verachten, daß man auf angenehme Weise transportiert wird. All das ist nicht verkehrt, aber man muß auch sehen, daß man dafür eine Menge tun muß.

Es ist ja nicht nur, daß man mehr Wirtschaftsprüfer zum Aufpasser hat als große Konzerne. Das geht mit der Verantwortung einher, und auch dann, wenn es mal nervt, hat es natürlich seinen Grund. Auch daß man sich stets – und ich meine: stets – in der Kontrolle haben muß, niemals ein Privatmann sein darf – das ist schon nicht schön.

Auch und überhaupt ist das Leben als öffentliche Person keineswegs nur nett. Da gibt es auch mal Tage, an denen man mit dem linken Fuß aufgestanden ist, keine rechte Lust auf irgendeine Veranstaltung hat, und doch stehen wieder erwartungsvolle Gesichter beim Eintreffen um einen herum und erheischen ein Stück Aufmerksamkeit. Aber das war im Vornherein bekannt und ist, zumal in der Demokratie, der Preis für das, was man Macht nennt und was meist doch gar nicht so weit her ist, aber viel mit Verantwortung zu tun hat.

Das Zwischenfazit also lautet: Mal ist es angenehm, mal ist es unangenehm, im Licht der Öffentlichkeit zu stehen – aber man wird dafür entschädigt. Das gehört dazu, möchte man sagen.

Bis man bei Maybrit Illner sitzt. Da stellt sich durchaus die Sinnfrage. Vielleicht war das ja die geheime Casting-Runde für „Einer flog übers Kuckucksnest II“? Wenn man sich anhört, was die beiden einander herzhaft widersprechenden Professoren sagten, könnte man auf die Idee kommen. Und was der schon etwas starrsinnige Oskar Lafontaine mit seinem Hang zur Pöbelei von sich gab, verlohnt der ernsthaften Betrachtung nicht; er benahm sich wie im Abklingbecken.

Wahrhaft erstaunlich aber war Margarita Tsomou. Das war die Deutsch-Griechin, die ungeahnt betroffen gucken, eifrig jeden „die sind halt so“-Satz über die rotzige linksextrem-rechtspopulistische Regierung Griechenlands quittierte, und vor allen Dingen: keinen einzigen geraden Satz aussprechen konnte. Damit ist nicht ein Stolpern über die deutsche Sprache gemeint, sondern ein inhaltliches Chaos, das seinesgleichen sucht. Derlei ward in deutschen Talkshows noch nicht oft gesehen; dagegen waren die Spielregeln von Tutti frutti nachgerade einleuchtend.

Aber wie beim Kuckucksnest, so gab es auch bei Maybrit Illner einen, der versuchte, Ordnung in das Chaos menschlicher Verwirrtheit zu bringen. Freilich, das ist nicht leicht gewesen. Oskar Lafontaine verhielt sich teilweise wie in einer Karnevalsbütt, was um so erstaunlicher ist, als vorgestern Aschermittwoch war. Die beiden Professoren waren so sehr unterschiedlicher Meinung, daß es mich an meine Studienzeit erinnerte, als zwei Professoren nicht nur derselben Fakultät, sondern sogar desselben Instituts sich so sehr miteinander stritten, daß der eine nicht zur Weihnachtsfeier kam, wenn der andere erschien.

Aber das waren allesamt nur quengelnde Lästigkeiten im Verhältnis zu Frau Tsomou. Eine derart dreiste Mischung von Larmoyanz, Aggressivität, Trotz, Realitätsverweigerung und Weinerlichkeit hätte Sigmund Freud gewiß fasziniert. Ihre Unfähigkeit, einen Gedanken – wie töricht er auch sein mag – zu Ende formulieren, war des Staunens wert.

Und dann: Markus Söder. Wie er das ruhig zur Kenntnis nahm, in dieser Runde der einzige zu sein, der nicht nur Karte und Kompaß hat, sondern beides auch zu gebrauchen versteht – das schafft nicht jeder. Er hat bestenfalls mal am Wasserglas genippt; fast jeder andere hätte es geworfen. Es ging gar nicht, was er sich da an unstrukturierter Quengelei anhören durfte.

Er wäre zu loben für die Geradlinigkeit der Argumentation. Er wäre – gerade im Hinblick auf die anderen Teilnehmer – dafür zu loben, daß er zur Sache sprach und nicht auf irrationale Weise (wie die anderen) einen auf unverständigen Rotzlöffel machte. Für all das wäre er zu loben – aber soweit kommt man gar nicht, wenn man ihn angemessen für seine Geduld lobt.

Wie kann man nur so viel Geduld an den Tag legen? Er muß sich doch vorgekommen sein wie der einzig Nüchterne auf einer WG-Party nachts um 0400. Um es mal ganz deutlich zu sagen: Wer so geduldig und sich seiner Position sicher abwartet, der wird auch Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender werden. Denn wichtig ist nicht nur, daß man das kann – und das kann er -, sondern auch, daß man auf seine Stunde wartet. Je länger es dauert, um so mehr wird klar: Er ist der, auf den die Wahl zu fallen hat. Unaufgeregt, sachkundig, ordnend, geduldig, grundsatzfest: er bringt mit, was gebraucht wird. Und so gesehen, war die Sendung doch wieder gut, weil eine erneute Bestätigung. Um Griechenland kann einem unter Tsipras Angst und Bange sein; um Bayern braucht man sich keine Sorgen zu machen.

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