Ja, wo sind wir denn?

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#694 Den Herrn auf dem Bild kennen Sie nicht? Macht nichts. Das ist Jens Böhrnsen. Wenn da immer noch nichts klingelt, müssen Sie sich wirklich nicht genieren: Bremen hatte wohl noch nie einen Bürgermeister, der außerhalb der Stadtmusikantenstadt weniger bekannt war als er. Eigentlich hat man überhaupt noch nichts von ihm gehört.

Er regiert dort mittels einer rot-grünen Mehrheit. Bremen wird nicht gerade erfolgreich regiert. Die Schulden sind pro Kopf 24mal so hoch wie in Bayern. Die Arbeitslosigkeit in Bremen ist dreimal so hoch wie in Bayern. Dafür kann man in Bremen das Abitur mit den Leistungskursen Sport und Kochen ablegen. Fehlt noch „Name tanzen“ und „Gefühle malen“, aber das kommt bestimmt bald.

Dieser Herr Böhrnsen also beliebt, den bayerischen Ministerpräsidenten anzupöbeln.  Unter anderem nennt er ihn „kleinkariert“.

Nun ist das mit dem Karo so eine Sache. Die klassische Mode kennt große Karos (zum Beispiel bei einem Tweed-Sakko) und kleine Karos (etwa bei einem Hemd). Herr Böhrnsen meint damit etwas Heftigeres als ein für seinen Geschmack zu kleines Karo, sondern etwas weitaus Unanständigeres.

Der Verfasser dieser Zeilen ist einerseits ein überzeugter CSUler. Andererseits ist er stets bereit, vorhandene Meinungen zu überprüfen. Vielleicht hat Herr Böhrnsen recht – ist vielleicht der bayerische Ministerpräsident kleinkariert in Sachen Energiewende?

Herr Böhrnsen sagt: „Was Bayern plant, würde dem Industriestandort Deutschland schaden“. Ach. Was versteht bitte der Bürgermeister ausgerechnet von Bremen von Industrie? Hat man dort welche? Herr Böhrnsen scheint nicht dazu berufen, sich öffentlich über den Industriestandort Deutschland aufzuregen.

Die Energiewende braucht vieles, aber ein Kommentar von Herrn Böhrnsen hilft da nicht wirklich weiter. Wir wollen die Gleichstromtrassen verhindern. Das paßt Herrn Böhrnsen nicht. Während es uns in Bayern um ein gutes, sicheres, bezahlbares Gelingen der Energiewende geht, hat Herr Böhrnsen die nahe seines „Bundeslandes“ installierten Windkraftwerke im Sinn, die wir gefälligst bezahlen sollen. Und weil wir nicht so begierig darauf sind, etwas zu bezahlen, was wir so nie bestellt haben, nennt er den bayerischen Ministerpräsident „kleinkariert“. Wäre das gutwillig, dann könnte man ja noch den Vergleich bemühen, daß ein Blinder hier versucht, die Farbe Weiß zu erklären. Aber eigentlich besteht kein Anlaß, Herrn Böhrnsens Lamentiererei als „gutwillig“ zu werten.

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