Geht man da hin?

„Bobbypfeife“ von Christoph Waghubinger (Lewenstein) - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 at über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bobbypfeife.jpg#mediaviewer/File:Bobbypfeife.jpg
„Bobbypfeife“ von Christoph Waghubinger (Lewenstein) – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 at über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bobbypfeife.jpg#mediaviewer/File:Bobbypfeife.jpg

#695 Die Live-Berichterstattung von den Demonstrationen in der Nürnberger Südstadt bestärkt mich in der Ansicht, daß es richtig war, dort nicht hinzugehen.

Jetzt erfährt man, daß Rainer Biller (Ex-NPD, wegen unsagbarer Sprüche zu den NSU-Morden sogar dort rausgeflogen) als „Berater“ der „Nügida“ auftritt. Besser kann man sich gar nicht ins politische Aus stellen. Die gute Nachricht darin: „Nügida“ ist tot.

Aber auf der anderen Seite ist Geschrei, Gewalt, Aggression. Es gab zwar Demonstrationen aller gegen die braune Brut, aber es waren wenige, weil immer wieder irgendwelche Grüppchen versuchen, derlei für ihre politische Gruppierung – meist ein Mini-Häuflein – zu mißbrauchen.

Es ist aber den Allermeisten völlig egal, was die selbsternannte „Antifa“ will oder irgendwelche anderen, die nicht einmal definieren könnten, was sie da angeblich bekämpfen. Wer so blöd ist, daß er „Nazis“ überall dort wähnt, wo nicht „Links“ draufsteht, ist nicht nur verwirrt. Er verharmlost die, die man mit Recht so nennen kann und muß.

Auch dort kann doch der Ort für einen, der für die freiheitlich-demokratische Grundordnung eintritt, eigentlich nicht sein. Freilich: sie sind verschieden, aber schlimm sind sie doch beide, die gewaltbereite Linke und das braune Gesocks.

Es werden sicher auch Menschen gegen „Nügida“ demonstrieren, die das aus Anstand tun. Aber sie müssen aufpassen, daß sie nicht instrumentalisiert werden von jenen, denen „Nügida“ willkommener Vorwand ist, um für ihren anderen Extremismus zu kämpfen.

Es ist keine gute Zeit, in der es nicht so sehr die Freunde der Demokratie sind, die auf die Straße gehen. Für Demokraten bedeutet dies, den Schulterschluß mit anderen Demokraten zu üben. Mehr als sonst ist jetzt das Gemeinsame zu betonen. Freilich, der Streit um die bessere Lösung soll nicht ausbleiben. Aber man muß den Menschen doch wieder verstärkt begreiflich machen, daß manche den Weg ins Elend gehen werden, unter Absingen vielleicht schön klingender, aber falscher Parolen, während wir – die Vertreter der demokratischen Parteien – für die längste Periode des Friedens, der Freiheit und des Wohlstands stehen, die es je gab. Und für all dies lohnt es sich, den lichtscheuen Gestalten heimzuleuchten.

Demokratie ist mühselig, bedeutet Streß und Schwierigkeiten, kostet Streit und fordert Standhaftigkeit. Aber sie ist das beste, was wir je hatten, und wir geben es nicht mehr her.

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