Kurs halten

Ergebnisse der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft am 15.02.2015
Ergebnisse der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft am 15.02.2015

#693 Es gibt Wahlabende, die für einen CSUler angenehmer sind. Bei der Wahl zum bayerischen Landtag etwa werden alle vier Direktmandate von CSU-Bewerbern geholt. Oder beim Bundestag: Da hat Nürnberg zwar nur zwei Direktmandate, aber die werden ebenfalls geschlossen von der CSU geholt. Bei der Wahl zur Hamburger Bügrerschaft aber haben sage und schreibe gerade einmal 15,9 % die CDU gewählt. Das sitzt.

Nun ist die CDU nicht die CSU. Und das erklärt vieles.

Freilich, die CSU hat es in Großstädten schwerer als in anderen Gebieten – die übrigens keineswegs nur ländlich sein müssen, aber in den Metropolen haben wir es insbesondere in den stark verdichteten Gebieten durchaus schwer. Das soll man auch nicht leugnen, weil das Offensichtliche bestreiten zu wollen kein Nachweis von intelligentem Leben ist.

Es hat manche Versuche gegeben, die CSU in den Großstädten für den vor allem hier anzutreffenden Wähler attraktiver zu machen. Diese Versuche haben nicht das erhoffte Ergebnis erbracht, weil die Wähler dann doch gleich jene Parteien gewählt haben, die sie als sich anbiedernder verhalten haben.

Der Schlüssel, das zeigt sich auch angesichts der krachenden Niederlage der Hamburger CDU, liegt im Identitätsverlust – der vermieden werden muß – und in der Senkung der Schranken – die vorangebracht werden muß.

Es ist ein wenig wie im Schulsystem. Laßt sie alle mit ihrer Gesamtschule auf dem Rücken der Kinder herum experimentieren; wir wissen, daß das dreigliedrige Schulsystem Gymnasium-Realschule-Mittelschule die besten Ergebnisse bringt. Deswegen halten wir daran fest (Identitätswahrung). Zugleich wissen wir, daß die Durchlässigkeit zwischen den drei Gliedern eine hohe sein muß, wenn wir nicht Potentiale verschwenden wollen (Schranken senken).

Und genau das macht die CSU. Und sie macht es vielleicht stringenter als die CDU: Wir haben unsere Identität, die wir uns nicht nehmen lassen. Wir sind aber zugleich stets bereit, weltoffen und selbstbewußt andere mitmachen zu lassen.

In dieser Woche wird bei zwei Gelegenheiten das klar gezeigt und erneuert werden: beim politischen Aschermittwoch in Passau, wo Edmund Stoiber der Hauptredner sein wird. Und beim traditionellen Fischessen der Nürnberger CSU, wo Generalsekretär Andreas Scheuer sprechen wird. Vielleicht sind die Hamburger CDUler klug genug, einen Besucher zu beiden Veranstaltungen zu schicken, damit er daheim berichten kann: Die CDU ist nicht wie die SPD mit langweiligeren Frisuren, sondern eine eigenständige, konservative Partei mit einem Programm, das – GroKo hin oder her – vieles sein darf, aber nicht sozialdemokratisch.

Für die CSU ist das erfreulicherweise kein Thema. Aber wir haben in Bayern eine SPD auf diesem niedrigen Niveau, und deswegen wissen wir ein bißchen, wie sich das anfühlt. Um solche schlimmen Niederlagen zu vermeiden, darf die CSU nur eines nicht tun: um dem einen oder anderen Laufkunden zu gefallen, die riesige Stammkundschaft verprellen. Wie man es nicht machen soll, sieht man an der Elbe. Wie man es macht, sieht man an Isar, Donau, Pegnitz.

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