Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode

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#690 Überall draußen regt sich Leben und Streben, und angesichts der Tulpen im Supermarkt könnte man glauben, daß zwar nicht der Mai, aber doch immerhin der April gekommen sei – der 1. April, um genau zu sein.

Allein: Ein Blick in den Kalender vernichtet diese sanfte Hoffnung, daß man schon weiter im Jahr sei. Aber hallo, aber halt – da kann etwas nicht stimmen. Was gestern in der Zeitung stand, das kann nur dann stimmen, wenn der 1. April ist. In jedem anderen Fall wäre das … ein Treppenwitz.

Zu lesen war: „Die SPD will durchsetzen, daß Energiy Drinks künftig nicht länger an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden dürfen.“ Begründet wird das mit der Gefahr durch das böse Koffein – etwa anderthalb Espresso pro Dose.

Das ist eine schöne Gelegenheit, die Redewendungen „mit dem Klammerbeutel gepudert“ und „auf der Brotsuppe daher geschwommen kommen“ wieder einmal zu gebrauchen.

Die Vorstellung, daß man sich dem Willen der SPD nach beim Bestellen eines doppelten Espresso im Café auszuweisen habe, ist noch einigermaßen unterhaltsam in ihrer Doofheit.

Das dahinter liegende Mißtrauen den Menschen gegenüber ist nicht mehr so lustig. Welche Anmaßung steckt dahinter, wenn die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD im Deutschen Bundestag, Elvira Drobinski-Weiß, der Saarbrücker Zeitung erklärt, daß es Aufgabe der Politik sei, Minderjährige vor vermeidbaren Gefahren zu schützen? Ach.

Natürlich können die es auch mit den Energy Drinks übertreiben. Aber sie können es auch mit Gummibärchen übertreiben. Oder mit nicht sachgerechter Kleidung. Oder sie können aus Unachtsamkeit Diesel ins Moped tanken. Oder die Treppe zur U-Bahn aus Versehen zu schnell hinunterlaufen und stürzen. Oder SPD wählen – wenn es nach ihr geht, denn die SPD hat das Wahlrecht mit 16 gefordert.

Wie kann man einerseits Jugendliche für so doof halten, daß man sie keine Limo mehr kaufen lassen will, und andererseits für mündig genug, um zu wählen?

Das kann man nicht. Es ist auch ein ganz und gar lächerlicher Versuch, sich aufzuplustern. Etwas ganz anderes wird augenscheinlich: der Verbraucherschutz muß sich in ganz gutem Zustand betreffen, wenn die SPD-Verbraucherschutzbeauftragte Zeit und Muße hat, auf derlei Ideen zu kommen.

Diese Sottise eines Schwarzen nimmt man in der SPD vielleicht nicht gerne auf. Es ist aber doch nicht auszuschließen, daß ein SPDler bei Verstand und Klarheit in seiner Partei vermeldet, daß derlei Bevormundung nur bei einem kleinen Teil der Bevölkerung, nämlich dem Oberlehrer, gut ankäme. Der Rest schüttelt sich.

Wer glaubt, daß der Freud sich das ausgedacht haben muß, weil es einfach zu absurd ist, der lese den ganzen Unsinn hier nach.

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