Der Kongreß tanzt

Fürst v. Metternich - © Pulic Domain
Fürst v. Metternich – © Pulic Domain

#687 Zum 50. Mal lud die CSU zu ihrem Ball, und viele, viele kamen. Der Ball war – wieder einmal – ausverkauft, und wer mehr darüber lesen und sehen will, wird auf meine Bilderstrecke in Facebook oder ersatzweise auf die Tagespresse verwiesen.

Hier geht es um etwas anderes. Zum Wiener Kongreß kamen viele europäische Staaten, aber auch nichtstaatliche Organisationen zusammen, um das Chaos, das Napoleon hinterlassen hatte, zu ordnen. Es ist aus heutiger Sicht ziemlich egal, daß der Kongreß auch Dinge wollte, die er nicht schaffte, oder daß manche seiner Regelungen nur 15 Jahre hielten. Entscheidend ist etwas ganz anderes.

Manche der Beschlüsse, die der Wiener Kongreß faßte, gelten bis heute. Er war weitblickend, weil er nicht auf zehn Tage oder die Dauer von Powerpoint-Präsentationen beschränkt wart, sondern sich eben so viel Zeit nahm, wie er brauchte.

Natürlich stimmt auch der alte Satz, daß der Kongreß tanzt. Niemand kann nur verhandeln, jeder muß auch einmal ein kultivierter Mensch sein. Gerade weil der Kongreß so lange dauerte, waren Bälle wichtig. Da nämlich zeigt man, daß man sich in der Sache ordentlich streiten kann, aber dem Streitgegner beim Ball die Tür aufhält, ihm zuprostet, höflich den Tanzpartner abtritt. Das sind Qualitäten, die eben deswegen dazugehören, weil man in der Sache nicht einer Meinung ist.

Politischer Streit droht in unseren Zeiten, wieder in die Sphäre des Persönlichen hineinzureichen. Wenn ein tunesischer Tennisspieler absichtlich verliert, um keinesfalls später auf einen Israeli zu treffen, faßt man sich schon an den Kopf. Wer erlebt hat, wie Ukrainer und Russen (und andere) auf einer Diskussionsveranstaltung beinahe aufeinander losgehen, der weiß, wovon die Rede ist.

Wir sollten wieder erkennen, daß politischer Streit in der Sache (!) etwas unvermeidliches, aber auch etwas wichtiges ist- den man auch, siehe diesen Blog, mit Lust führen kann. Ein persönlicher Streit hingegen ist vor allem eines: unnötig.

Um die großen Probleme, die auf uns lasten, einer Lösung zuzuführen, wäre wohl ein Kongreß eine gute Sache – der sich Zeit nimmt, der Annäherungen zuläßt und nicht dauernd von irgendeinem Gesichtsverlust faselt. So gut es im Freistaat Bayern läuft – die Große Koalition ist zwar das, was auch wir von der CSU wollten – aber nicht das, wofür wir im Wahlkampf angetreten sind. In der EU und der Euro-Zone stimmt es nicht, und die UN sind völlig zur Kraft des Destruktivismus verkommen, sie sind schon lange nicht mehr die Freiden schaffende Ordnungsmacht der Welt. Ein konzeptarmer Präsident der USA verbessert die Schieflage bei den großen Fragen nicht.

Aber deswegen ist es eben wichtig, daß man als Mensch auf gute Weise miteinander umgeht, daß man das Gemeinsame sucht statt das Trennende zu betonen. Insofern ist der Ball der Union ein ganz kleiner, aber ein ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung: Wer miteinander tanzt, geht anständig miteinander um.

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