Wer ist Kleisthenes?

Kleisthenes © www.ohiochannel.org
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#683 Er ist nicht so bekannt wie Helene Fischer oder der Gewinner des Dschungel-Camps (wer war das gleich?), aber wir verdanken ihm etwas: Kleisthenes, etwa 570 bis nach 507 v. Chr. in Athen. Er gilt qua Herodot als Urheber der Demokratie.

Auch wenn die damaligen, ersten Gehversuche der attischen Demokratie noch etwas anders aussahen als die heutigen, durch die amerikanische Verfassung von 1776 geprägten Staatsformen: Es ist schon deswegen die beste Staatsform, weil sie die stärksten Selbstheilungskräfte hat, weil sie das ist, was Menschen als „fair“ empfinden. Freilich, auch sie braucht Regeln – damit die Demokratie nicht etwa zur Demokratur verkommt, also zur Willkürherrschaft einer Mehrheit, oder zur Ochlokratie, der Herrschaft des Pöbels.

Demokratie braucht Parteien. Sie wirken bei der Willensbildung mit. Sie mögen nicht der einzige Hort von politischer Willensbildung sein, aber sie sind ein unverzichtbarer. Parteien sind selbst demokratisch aufgebaut: sie müssen sich in freien, gleichen, geheimen Wahlen regelmäßig der Basis stellen und sich erneut einen zeitlich befristeten Auftrag geben lassen.

Heute ist es bei uns im CSU-Ortsverband so weit. Alle zwei Jahre bestimmen die Mitglieder diejenigen, die den Ortsverband im Kreis, im Bezirk, im Land vertreten. Wer da meint, derlei sei eine Pflichtübung ohne inneren Gehalt, der irrt. Genau so wenig, wie es hier Erbhöfe gibt, gibt es einen Anspruch auf das Vertrauen der Basis. Gewählt wird, wer für die Vergangenheit einen Leistungsnachweis erbringt und für die Zukunft eine gute Leistungsperspektive glaubwürdig aufzeigt.

Es ist auch die Stunde der Basis, die jeden prüft, ob er in seinem Amt das gemacht hat, wofür er gewählt worden ist. Und das wiederum sorgt bei den Gewählten dafür, daß sie ihre Arbeit verantwortungsbewußt und im Sinne ihrer „Auftraggeber“ machen.

Manche mögen das für banal halten. Gewiß, es gibt unterhaltsamere Möglichkeiten, einen Abend zu gestalten, als sich etwa eine Mitgliederstatistik zu geben. Aber wenn hinterher einer aufsteht (oder aufgrund eines beispielsweise frisch erneuerten Kniegelenks sitzen bleibt…), der den Auftrag erhalten hat, einen Ortsverband zu leiten, ihm Gehör zu verschaffen und neue Mitglieder zu gewinnen, dann ist das im Kleinen ein Prozeß von erheblicher Bedeutung.

Ob Kleisthenes heute politisch eher bei den Irrlichtern von Syriza stünde oder bei Markus Söder, das wissen wir nicht. Aber daß er den Ablauf in demokratischen Parteien wie der CSU wiedererkennen würde – dessen dürfen wir sicher sein.

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