Im Land der Franken

Der Frankenrechen
Der Frankenrechen

#680 Als vor rund 150 Jahren Victor von Scheffel das Frankenlied dichtete, war vieles nicht vorstellbar. Wir aber müssen uns mit den unglaublichsten Zeitläuften abgeben.

Da gibt ein bayerischer Finanzminister dem ländlichen Raum rund um Nürnberg durch schieres Geld, durch Behördenverlagerungen, durch schnelles Internet auf dem Land den größten Schub seit der Flurbereinigung in den 1970ern, und wird von manchen dafür auch noch angegriffen: Es ginge um die Städte, wird dem Markus Söder entgegengehalten. Nun ja – die Wichtigkeit der Städte wird gewiß nicht bezweifelt, aber daß blühende Städte ein florierendes Umland brauchen, ist eine Binse.

Da macht die extremistische und populistische SED unter dem nunmehrigen Nome du guerre „Die Linke“ gemeinsame Sache mit einem Jürgen Elsässer, den von Verschwörungstheorien raunt, aus dem ehemaligen „Kommunistischen Bund“ stammt wie Jürgen Trittin und inzwischen Reden vor NPD-Funktionären und Pegida hält. Uns droht dieser Tanz auf beiden Veranstaltungen des Wahns nun auch in Nürnberg: dafür oder dagegen? Egal, die SED ist dabei: Welcher Extremismus, welcher Populismus, das scheint ihr egal zu sein. Hauptsache, sie arbeitet an der Zerstörung dieses Staats. Durch die neue russische Sicht, oder besser: Putins Sicht, die Bundesrepublik Deutschalnd hätte die DDR 1990 „besetzt“, die schon von der SED aufgenommen wird, sehen wir, wohin diese Reise führt: in den Wahn.

Aber da bleibt noch das Sahnehäubchen: Florian Janik (SPD). Er ist der neue Oberbürgermeister von Erlangen. Statt bei der StUB endlich zu Ergebnissen zu kommen, sagt er: „Ich bräuchte den Tag der Franken nicht“.

Wie bitte? Er schiebt zwar noch kleinlaut nach „denn als OB einer fränkischen Großstadt ist für mich jeder Tag ein Tag der Franken“, aber Sie erlauben schon, Herr Erlanger Haltenzugnaden, daß mir die Kaffeetasse aus den Händen zu gleiten drohte, als ich das las. Bitte wie?

Kurze Exkursion: Im Jahr 1500, am 2. Juli war’s, wurde Franken in seinen damaligen Abmessungen vom Augsburger Reichstag als „Reichskreis I“ definiert. Am 2. Juli war es, um genau zu sein. Dieser „Reichskreis I“ des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation existierte bis 1806 – übrigens, aufgrund einer Laune der Geschichte, einen Monat länger als das HRR selbst, und wurde dann Bayern zugeschlagen. Seit 2006 wird nun am 2. Juli ein „Tag der Franken“ begangen, beantragt von den fränkischen CSU- und SPD(!)-Abgeordneten im Bayerischen Landtag.

Nun gab es in der Tat eine Zeit, in der ein Julius Streicher einen „Frankentag“ abhielt, in dem er haßerfüllte Demagogie unter die Menschen bringen wollte und tatsächlich auch brachte. Aber freilich war das ein Mißbrauch, und es steht die Frage im Raum, ob man nicht Themen aus dem Ruf der braunen Herren befreien sollte, die von ihnen usurpiert wurden. Man muß das tun – will man, in einem anders gelagerten Beispiel, in Bigotterie nicht jenen gleichen, die eine vergewaltigte Frau wegen „unehelichen Beischlafs“ bestrafen wollen: Streicher und seine Leute haben den Tag der Franken mißbraucht. Das sagt etwas über Streicher, aber nicht über den 2. Juli. Den gab’s schon vorher.

Deswegen geht es an diesem Tag natürlich darum, Franken in seiner Vielfalt darzustellen. Alt und Jung, Stadt und Land, alteingesessen und neu zugezogen, Nürnberg und Fürth: Dieser Tag ist ein Tag auch des Brauchtums, aber auch der Moderne, ein Tag der Selbstdarstellung, ein Identifikation stiftender Tag.

Ein Oberbürgermeister, der das nicht braucht, ist eine Fehlbesetzung. Gesichts- und Geschichtslosigkeit haben wir zuhauf; da muß man nicht noch einen obendrauf setzen. Es ist wohl auch eine Frage der politischen Reife.

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