Die Realität ist hart

„Alexis Tsipras Syriza“ von FrangiscoDer - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alexis_Tsipras_Syriza.JPG#mediaviewer/File:Alexis_Tsipras_Syriza.JPG
„Alexis Tsipras Syriza“ von FrangiscoDer – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alexis_Tsipras_Syriza.JPG#mediaviewer/File:Alexis_Tsipras_Syriza.JPG

#677 Eigentlich sollte man mit Alexis Tsipras Mitleid haben: dieser Mann ist dazu verdammt, öffentlich zu scheitern.

Er wird sein irrwitziges Versprechen, jedem Griechen 1.000 € zu schenken, nicht wahr machen können. Er wird die Sozialleistungen in Griechenland nicht in schwindelerregende Höhen treiben können, denn er kann es aus der griechischen Wirtschaftsleistung nicht bezahlen. Zwar haben die Griechen – etwa 10,8 Millionen, verglichen mit 12,6 Millionen Bayern – eine im Vergleich zum Primus Bayern recht ansehnliche Wirtschaftsleistung  (Bruttoinlandsprodukt Griechenland: 300 Mrd. €; Bayern: 500 Mrd. €) und liegen jedenfalls mit Niedersachsen gleichauf. Jedenfalls, wenn man diesen griechischen Zahlen traut.

Aber wenn das alles so erfreulich wäre, dann müßte man doch nicht diesen Linksextremisten, der zusammen mit irgendwelchen Rechtsextremisten paktiert, an die Macht wählen. Wir ahnen dumpf, daß es so mit Griechenland nicht weitergeht. Sparer wissen, daß die gegenwärtige Niedrigzinspolitik der EZB Schuldnern nützt – aber von jenen, die Vermögen haben, bezahlt werden muß. Nun möge bitte niemand sagen, daß das doch nur eine faire Umverteilung sei. Erstens ist sehr wohl zu fragen, bis wohin eine Umverteilung fair sei. Und zweitens sind viel mehr „Sparer“, als es auf den ersten Blick scheint. So ist beispielsweise jeder, der irgendwann eine Rente bekommt, ein Sparer: Auch wenn das Rentenvermögen nicht angespart, sondern über den Generationenvertrag direkt ausbezahlt wird, spielt das Zinsniveau hierbei eine große Rolle.

Wenn die neuen Machthaber in Athen glauben, daß die Deutschen auf jeden Fall am Ende zahlen werden – so wurde es gesagt -, dann täuschen sie sich. Wir bieten unsere Solidarität an, aber nicht, um vom Ertrinkenden auch noch mit in den Abgrund gezogen zu werden. Wir bieten unsere Hilfe an, um gerade noch rechtzeitig schwimmen zu lernen. Wenn man uns jetzt mit dem Charme von Schwiegermutters Liebling ins Gesicht schaut und verkündet, daß man nicht schwimmen lernen will – ja, nun, man darf auch irgendwann die Konsequenzen seines Handelns erleben.

Wir erleben mehreres durch Alexis Tsipras. Zum einen, daß es für Linksextreme ganz leicht möglich ist, mit Rechtsextremen zu paktieren. Mit Demokraten können sie nicht so leicht. Zum zweiten träumen sie sich irgendwelche Lösungen zusammen, die zu funktionieren scheinen – bis sie mit der bösen Realität konfrontiert werden. Dann erkennt man: das ist gar nicht so, das hat man nur geträumt, hier ist der Wunsch der Vater des Gedankens.

Das alte Griechenland hat seinen im Ausland lebenden Bürgern einen Flug in die Heimat subventioniert – angeblich, damit man wählen kann. Das ist natürlich nur zum Bruchteil wahr. Erstens wäre es selbst vom eifrigsten Staatsbürger etwas viel verlangt, wenn er nur wählen geht und dann wieder zurück fliegt; natürlich hat er das mit einem Besuch bei der Familie, bei Freunden verbunden. Menschlich ist das normal; wirtschaftspolitisch aber ist das Wahnsinn. Nun dachten vielleicht manche Griechen, daß das natürlich am Ende von der EU bezahlte Fliegen wieder eingeführt werden würde, aber jetzt beklagt man, daß das nicht so ist.

Hallo? Die tatsächliche Wirtschaftsleistung Griechenlands wieder anzukurbeln, ist eine Herkulesaufgabe. Und kaum sind die ersten Erfolge zu erahnen, schon soll mal wieder von der EU eine riesige Subvention in Form von Heimflügen für 20 € bezahlt werden. Man weiß gar nicht, wann man mit dem Kopfschütteln aufhören muß, um gesundheitliche Beeinträchtigungen zu vermeiden.

Tsipras wird scheitern. Entweder wird er sein Scheitern eingestehen, dann werden sein Wähler böse auf ihn und Griechenland kehrt womöglich zu einer Mehrheit der Verantwortungsbewußten zurück. Oder – wahrscheinlicher – er tut das nicht, Griechenland muß den Euro-Raum verlassen, seine Wirtschaft geht in den Orkus und zurück bleiben Millionen dann hoffnungsloser Griechen, die für den Irrwitz eines Populisten bitter bezahlen müssen.

Nicht beneidenswert.

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