Ein Vorgeschmack

Auf einen Espresso © Freud
Auf einen Espresso © Freud

#675 Vielleicht war es schon immer so, aber wir leben in Zeiten, in denen Begriffe gerne falsch verwendet werden. Das ist zuweilen harmlos, aber zuweilen gefährlich.

So etwa, wenn sich ein prügelnder Mob das Etikett „Demokrat“ umhängt. Man braucht genau gar keine Sympathien für die AfD zu haben, um den Überfall am Freitagabend auf eine geschlossene Veranstaltung in Nürnberg zu verurteilen. Es ist nicht nötig, diese Schlägerbande zu kennen, um eines zu wissen: Demokraten sind das nicht.

So etwa, wenn Linksextremisten eine Demonstration gegen Pegida samt Ablegern organisieren und dann der Jugendorganisation einer normalen Partei das Mitführen eines Plakats „Gegen jede Form des Extremismus“ untersagen.

Das sind keine Ausrutscher, das sind symptomatische Erscheinungen. So sind sie: Nicht besser als andere Extremisten. Und wenn auch in manchen Dingen anders, so doch in anderen Dingen gleich.

Es möge nicht behauptet werden, daß hier auch nur annähernd für Pegida gesprochen werden soll; das Gegenteil ist wahr und nachzulesen. Aber eben so, wie Pegida eine Art Nichtschwimmerbecken für politische Analphabeten ist, so ist der linksextreme Mob ein Verbund „nützlicher Idioten“. Diese Phrase, oft dem Diktator Lenin zugeschrieben, beschreibt solche, die für irgendetwas Propaganda treiben, ohne zu wissen, was und warum sie es tun.

Immer deutlicher wird die Erkenntnis, daß die Antwort auf gestellte Fragen weder bei den intoleranten Heuchlern von Pegida noch bei den intoleranten Schlägern der Gegendemonstranten zu finden sein wird. Dagegen spricht schon die Tatsache, daß der Zweifel, gerade auch der Selbstzweifel, der sicherste Nachweis von Intelligenz ist, und beide Seiten so völlig frei von Zweifel sind, daß man als Betrachter sich nur wünschen kann, daß diese Aufzüge bald Vergangenheit sein mögen, auf daß auch diese Bevölkerungsteile wieder einer anständigen Meinungsfindung – beidseits! – zugänglich sein mögen.

Wir sollten erkennen, welche Bedeutung Parteien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung haben, welchen Wert sie für unsere res publica haben, was sie an Leistung vollbracht haben – während diese simplen Gemüter nur Leistungen an Destruktivismus erbrachten. Im Niederreißen mögen sie gut sein, diese Helden der Verbote und der Gewalt – aber besser für dieses Gemeinwesen als die längst schon enttarnten Heuchler von Pegida sind sie nicht. Beide leisten keinen Beitrag zur Verbesserung, sondern arbeiten an der Zerstörung dieser Gesellschaft.

Pegida gehört der Boden entzogen – aber nicht, indem man sie am Demonstrieren hindert. Der „organisierten Autonomie“ gehört der Boden entzogen, indem man sie an Meinungsdiktatur hindert. Und den linken Schlägern gehört der Boden entzogen, indem man sie am Prügeln hindert. Und dann, wenn sich alle wieder beruhigt haben, setzt man sich mit ihnen hin und erklärt ihnen, wie jedem etwas verstockten Kind, die Welt.

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