Der Bart ist ab

Bart

#673 Pegida hat seinen „prominentesten“ Kopf verloren; aber darum soll es hier nicht gehen. Es geht auch nicht, insofern ist der Titel dieses Artikels etwas reißerisch, um Pegida-Chef Bachmann oder darum, wie die Nürnberger Nachrichten falsch behaupten, daß er wegen des seiner Behauptung nach von „Er ist wieder da“ initiierten Facebook-Bildes zurückgetreten sein. Das Selbstporträt ist geschmacklos, und selbst ein Achtjähriger kapiert, daß man einen angeblichen Witz nicht bei jeder sich bietenden oder eben nicht bietenden Gelegenheit machen sollte und stellt kein Bild von sich in Facebook, wie er auf dem Töpfchen sitzt. Soviel Hirn darf sein, will man der menschlichen Gattung nicht dereinst das Etikett „ausgestorben vor Peinlichkeit“ anhängen.

Zurückgetreten ist Bachmann doch wohl wegen etwas anderem. Von ihm tauchten frühere Wortbeiträge auf. In denen verwendet er das Vokabular des Unmenschen. Deswegen ist er zurückgetreten. Und wieder nicht, weil das nicht hinnehmbar sei – nein, weit gefehlt. Der wahre Grund ist, daß man auf diese Weise die Heuchelei erkennt. Wir vermuten nicht mehr nur, wir wissen, daß da nur so getan wurde, als befürworte man die Einwanderung der gut sich Integrierenden und verurteile die der anderen. Das war ja die Lesart, die Pegida selbst von sich haben wollte. Und eben die ist nicht wahr.

Mit einem, der das haßerfüllte Vokabular benutzt oder eben nur deswegen aus Tarngründen nicht benutzt, um sich Akzeptanz zu verschaffen, redet man nicht. Der stellt sich außerhalb – weil er, und dieses Wort taucht in der Debatte merkwürdig selten auf, ein Chauvinist ist: er hält sich und „seine“ Gruppe für überlegen. Und eben dies zeigt den Fehler, ist das Falsche.

Natürlich kann ein jeder von der eigenen Gruppe überzeugt sein. Die Linkshänder halten sich für toll, die Motorradfahrer auch, die Müsli-Freunde oder die Liegeradfahrer. Sollen sie. Jeder von uns tut das, in unterschiedlichem Ausmaß der Hingabe – wunderbar. Soll ein jeder weiter tun. Aber hier liegt etwas anderes vor: diese Leute finden alle, die nicht so sind wie sie, minderwertig.

Man kann zur Einwanderung viele Positionen vertreten. Man kann kritisieren, was man mag. Wie man etwa bei Azubis ganz normal und richtig von „Ausbildungsreife“ spricht und fragt, ob sie sie hinreichend haben oder nicht, so kann man auch bei Zuwanderung fragen, ob einer die notwendigen Voraussetzungen mitbringt oder nicht. So, wie Auszubildende es hinnehmen und hinnehmen müssen, daß die ausbildenden Betriebe sich Gedanken um ihre Ausbildungsfähigkeit machen und das öffentlich diskutieren, so ist es vice versa auch bei anderen Themen. In einer pluralistischen Gesellschaft muß jede Gruppe damit leben, in ihrem Anspruch hinterfragt zu werden.

Was aber Bachmann zum Rücktritt zwang, und was Pegida den verdienten Rest geben wird, ist die Tatsache, daß das Lügen, das „so tun, als ob“ sichtbar geworden ist. Viele, die auf Pegida-Demonstrationen mitliefen, erkennen nun, wem sie da hinterher liefen: Einem haßerfüllten Eiferer, der nicht in der Sache argumentieren will, sondern Zuwanderer „Dreckspack“, „Viehzeug“ und „Gelumpe“ nennt, hat nicht nur in der öffentlichen Diskussion nichts mehr zu suchen; er zeigt damit, daß sein angeblicher Wille zur Diskussion nur vorgetäuscht war. Wir erleben hier übrigens exakt jenes Tricksen und Täuschen, das Bachmann den „etablierten Parteien“ so gerne vorwirft.

Er ist als Schwätzer entlarvt, aber eben auch als gefährlicher Brandstifter. Diese Meinung ist eine solche, die man nicht vertreten kann, ohne jede Akzeptanz als Diskussionsteilnehmer zu verlieren.

Das heißt nicht, daß man nicht über vieles diskutieren kann. Aber nicht mit jedem.

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