Wie geht’s?

„Knie-roentgen-r-seite“ von Epic aus der deutschsprachigen Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Knie-roentgen-r-seite.jpg#mediaviewer/File:Knie-roentgen-r-seite.jpg
„Knie-roentgen-r-seite“ von Epic aus der deutschsprachigen Wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Knie-roentgen-r-seite.jpg#mediaviewer/File:Knie-roentgen-r-seite.jpg

#668 Die Frage stelle ich derzeit, mit einem hintergründigen Lächeln, einem Freund, der ein künstliches Kniegelenk bekommen hat. Was solcherart von der Mühsal der erneuten Gehenlernens und den damit verbundenen Schmerzen ablenken soll, kaschiert tatsächlich eines dieser Dinge, die gut sind und an die wir uns sogleich gewöhnt haben.

Wer auf fünf Zimmern wohnt, gewöhnt sich sofort dran – und wer aus den üppigen Platzverhältnissen in eine 1½-Zimmer-Wohnung umzieht, leidet recht lange unter den beengteren Verhältnissen. Wer ein neues Knie bekommt, schimpft über die damit verbundene Qual – aber an den medizinischen Fortschritt, der damit verbunden ist, denkt man nicht so sehr.

Wer also den Fortschritt erlebt, wer den Wohlstand genießt, der merkt dies nicht auf gleich deutliche Art und Weise, wie er Einschnitte erlebt.

So geht es wohl auch dem stets grantelnden Nürnberger. Einerseits von Natur aus Optimist – jeden Tag stürzen sich Tausende voller Hoffnung, daß es diesmal ohne Stau abgehen würde, in das Abenteuer Frankenschnellweg -, ist der Nürnberger doch auch stets einer, der dem Frieden mißtraut, der nicht zu schimpfen für die höchste Form des Lobes hält. Aber manchmal – nun, manchmal kann man wirklich nur den Kopf schütteln.

In ganz Deutschland werden 2 Milliarden Euro für’s „schnelle Internet“ ausgegeben; davon allein in Bayern 1,75 Milliarden. Die Schlüsselzuweisungen für Nürnberg werden auf 173 Millionen Euro erhöht. Bayern ist so leistungsstark, daß wir mit 5 Milliarden etwa die Hälfte des gesamtdeutschen Länderfinanzausgleichs bezahlen (auch wenn uns das nicht paßt: wir tun’s ja). Wir kriegen dies, wir haben jenes. Und doch schreiben Menschen Dinge wie „Die CSU beschreitet weiter den Weg der Selbstabwicklung“. Man muß schon fragen, was in den Köpfen solcher Zeitgenossen vor sich geht. Freilich, man kann, wenn man will, andere Vorstellungen davon haben, wie die Staatseinnahmen verwendet werden sollen. Dann macht man einen Vorschlag, und wir diskutieren darüber. Aber zu behaupten, die CSU wickle sich selbst ab, ist … lustig.

Wir müssen aber Acht geben, daß nicht der eigene Erfolg zur Selbstverständlichkeit wird, die man prompt in einen Vorwurf verwandelt, wenn sie einmal ausbleibt. Wir mögen uns zwar an die Erfolge bayerischer Politik à la CSU gewöhnen; für quasi naturgegeben sollten wir sie aber nicht halten. Sie sind stets schwer errungen, und das sollten wir ebenso wenig vergessen wie andere Erfolge: es ist nicht selbstverständlich, daß es sie gibt. Um zur titelgebenden Frage zurückzukommen: Es ist keineswegs selbstverständlich, daß es uns so gut geht, wie es uns geht. Das hat keineswegs nur, aber eben doch auch ein bißchen mit der Politik zu tun, die von der CSU gemacht wird. Das sollte man nicht ganz vergessen.

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