Wer? Wann?

Ilse Aigner und Markus Söder © Freud
Ilse Aigner und Markus Söder
© Freud

#667 Die bayerische Staatskanzlei ist architektonisch – nun, bleiben wir höflich und nennen sie ein Produkt der 1980er Jahre. Davor und danach hätte man nicht so gebaut, aber damals galt das irgendwie als angesagt, und wir leben eben nun damit.

Aber die architektonische Qualität des Bauwerks ist die eine Seite; wer darinnen sitzt, eine ganz andere Frage. Die Bayern sind mit dem gegenwärtigen Hausherrn zufrieden: Horst Seehofer macht seine Sache gut und richtig; daran zweifeln nicht viele. Aber jeder geht dereinst in den Ruhestand, und das trifft auch auf ihn zu. Nun stellen sich also die Bürger im Freistaat die Frage, wer wohl sein Nachfolger werden wird. Freilich, die CSU wird ihn bestimmen – aber halt: sie wird den Kandidaten festlegen. Das entscheidende Wort spricht der Wähler.

Die Wahrheit liegt in der Urne: Der Souverän entscheidet. Wen also wird man einerseits aus Sicht der CSU auswählen, wen wird der Wähler wählen? Allzu viele Namen sind es nicht, die da genannt werden, und eigentlich sind es nur zwei: Ilse Aigner und Markus Söder.

Auf dem Bild sieht man beide gut gelaunt auf dem Nürnberger Volksfest. Es irrt sich, wer da meint, daß sie wegen dieser Frage übereinander herziehen würden. Es geht darum, daß es Bayern gut geht und nicht darum, ob einer ein Karriereziel abhaken kann. Wer ist aufgrund seiner Erfahrungen, wer ist aufgrund seiner Eigenschaften besser für Bayern?

Wen will man in der Staatskanzlei sehen, wenn dereinst schlechte Nachrichten kommen? Da ist daran zu erinnern, wie Markus Söder als Finanzminister beim Hochwasser zu den Bürgermeistern der voll Wasser stehenden Städte gefahren ist, und das Geld für eine erste Hilfe wurde nicht nebulös angekündigt – es war schon auf dem Konto der Gemeinden, als er vor Ort aus dem Hubschrauber stieg. Das ist übrigens etwas, was Horst Seehofer publik machte – ein Zeichen dafür, daß er wohl doch schon lange auf Markus Söder als seinen Nachfolger setzt.

Wen will man in der Staatskanzlei sehen, wenn es gilt, der Bundesregierung die bayerischen Interessen zu verdeutlichen? Schon heute ist es Markus Söder, der in der tagesschau oder im heutejournal den Menschen klarmacht, was Bayern fordert und wofür es steht.

Ja zu sagen, ist eine einfache Sache. Nein zu sagen, eine ganz andere. Wen will ich in der Staatskanzlei wissen, wenn auch einmal Nein zu sagen ist? Nein zum Länderfinanzausgleich in seiner jetzigen Form, beispielsweise.

Ich fühle mich gut aufgehoben, wenn ich den Markus Söder dort weiß. Und das geht vielen Bayern so: die Zustimmung zu ihm wächst, auch und sogar bei denen, die normalerweise nicht CSU wählen, wie vorgestern eine Umfrage des Bayerischen Rundfunks zeigte.

Wir wissen auch, daß er für Nürnberg viel tut. Er geht bis an die Schmerzgrenze der anderen. Wöhrder See. Kaiserburg. Memorium Nürnberger Prozesse. Wir kriegen einen Neubau fürs Landgericht, wir kriegen den Frankenschnellweg mit 395 Millionen vom Freistaat „bezuschußt“, während der Bauherr Nürnberg nur 55 Millionen bezahlt. Wir kriegen einen Konzertsaal. Wir kriegen die Stadt-Umland-Bahn. Die U-Bahn wird weiter gebaut.

Nun sagt niemand, daß das alles der Markus Söder ganz allein gemacht hätte. Sein Anteil daran, daß all dies klappt, mag mal kleiner und mal größer gewesen sein. Aber: man kann all diese Projekte, die gut für Nürnberg sind, nicht ohne ihn denken. Mal war er sogar Spirutus Rector wie bei der Kaiserburg, die zu renovieren die Nürnberger Verwaltung einfach vergaß, mal war er beim Wirklichkeit werden lassen des aufbauenden Willens behilflich. Aber so oder so: unter seiner Ägide wurde viel für Nürnberg getan, und es wird dieser Stadt Nachteil nicht sein, wenn er Ministerpräsident werden wird.

Auch aus ureigenem Interesse kann man gerade als Nürnberger nur wollen, daß er es wird. Bleibt nur noch eines zu fragen @Horst: Wenn die Nachfolge sich zur Entscheidung anbietet, dann ist zu fragen: Wann?

Nächste Woche kommen die bayerischen Landtagsabgeordneten der CSU zur Klausur in Wildbad Kreuth zusammen. Es war schon oft ein Ort wichtiger Entscheidungen.

Oberes Bild: „Bayerische Staatskanzlei pano“ von Richard Bartz - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bayerische_Staatskanzlei_pano.jpg#mediaviewer/File:Bayerische_Staatskanzlei_pano.jpg
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