Wie es weitergeht

Ministerpräsident Dr. Markus Söder? © Freud
Ministerpräsident Dr. Markus Söder?
© Freud

#665 Es geschieht zuweilen etwas, was man kaum bemerkt und was doch von großer Bedeutung ist. Weichenstellungen, beispielsweise, sind ein solcher Vorgang: Man bekommt kaum mit, wenn dieser scheinbar kleine Vorgang vollzogen wird, aber doch hat er gewaltige Auswirkungen auf das, was sein wird.

Horst Seehofer wird, wie man weiß, nicht mehr fürs Amt des Ministerpräsidenten kandidieren, und da stellt sich nun also die Frage: wer wird’s?

Jeder weiß, daß da Namen genannt werden, und neben verschiedenen Namen, die da vorübergehend ins Spiel gebracht werden, aber nicht wirklich eine Chance haben, sind es zwei, zwischen denen wahrscheinlich entschieden wird: Markus Söder und Ilse Aigner.

Wieso, fragt jetzt vielleicht einer, wird diese Frage auf diese Art, also: innerparteilich, entschieden? Und darauf muß man ehrlich antworten: Sie wird nicht wirklich entschieden, sondern nur vorbereitet. Entscheiden wird der Wähler.

Die Frage ist ja nicht so sehr, wer an welchen Schreibtisch wechselt. Die Frage ist, wer die bayerische Volkspartei schlechthin vor dem Wähler repräsentieren wird. Wer kann – auch über Parteigrenzen hinaus – Wähler überzeugen?

Bayern durchlebt aufgrund seiner Stärke gute Zeiten. Aber den Verfasser dieser Zeilen beschäftigt dabei die Frage, wen er in der Staatskanzlei sehen möchte, wenn einmal Probleme kommen. Schönwetter zu überstehen – das ist leichter, als bei schlechtem Wetter Kurs zu halten. Und da, so denke ich, kann es viel Zweifel nicht geben, wer Ministerpräsident werden soll: Markus Söder.

In Zeiten voller Kassen weist er Begehrlichkeiten zurück, damit gerade jetzt alte Schulden getilgt werden können. Obwohl von allüberall dies und jenes gefordert wird, hält er daran fest, daß Bayern 2030 schuldenfrei sein wird. Das ist die Art von Weitsicht, die einen ruhig schlafen läßt.

In einer Umfrage des Bayerischen Rundfunks liegt Markus Söder weit, weit vorne im Ansehen nicht nur der CSUler, sondern der bayerischen Wähler – also auch derer, die an sich einer anderen Partei zugewandt sind. Hieran erlebt man die Auswirkung einer einfachen Tatsache: Seine Arbeit als erfolgreich anzuerkennen – das ist allgemein der Fall.

Jedermann weiß, daß Oberbayern innerhalb der CSU ein großes Gewicht hat. Aber auch innerhalb der CSU-Anhängerschaft wollen bereits jetzt 46 % Markus Söder als Ministerpräsidenten sehen; nur ein Viertel spricht sich noch für Ilse Aigner aus – bei abnehmender Tendenz.

Etwas ganz einfaches ist wohl die Ursache dafür: Markus Söder liefert Ergebnisse, die jedermann anerkennt. Und Ilse Aigner bemüht sich, aber die Ergebnisse sind eben nicht in gleicher Weise gut. Man kann sagen: Sie reüssiert nicht.

Dabei ist es nicht einmal so wichtig, daß Markus Söder die höheren Zustimmungswerte aus der CSU und aus der Bevölkerung hat. Es ist entscheidend, daß er diese höhere Zustimmung auch mit zunehmender Tendenz bekommt.

Überhaupt, und diese Frage darf man auch stellen: Wer wollte denn auf ihn verzichten? Auch wenn die CSU viele gute Köpfe hat – das wäre dann doch etwas zu gewagt.

Das sind die Gedanken, die den einen oder anderen beschäftigten, als Markus Söder auf dem Neujahrsempfang der CSU im Nürnberger Westen die Gäste begrüßte. Sah man ihn hier vielleicht zum letzten Mal, wird er als Ministerpräsident künftig in der Staatskanzlei und sonst nirgends mehr den Neujahrsempfang ausrichten?

Wer so fragt, dem sei gesagt: wer soeben aus New York kommend zum Bürgerverein im Kleingarten fährt, wer den Münchner Filmpreis sausen läßt, um zu einer zwar kleinen, aber den Menschen vor Ort wichtigen Veranstaltung zu gehen, der wird auch als Ministerpräsident seine Sache richtig machen: Der hebt ab, wenn er im Flieger sitzt; ansonsten bleibt er auf dem Boden. Auch deswegen hat er diese Zustimmung.

Was bleibt? Die Genugtuung, daß die Weichenstellung die richtige ist.

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