Jetzt ist es raus

Bürgermeister Christian Vogel. © Freud
Bürgermeister Christian Vogel. © Freud

#650 Christian Vogel will Oberbürgermeister werden. Es ist ein kleiner Absatz, so ganz beiläufig eingestreut, in den heutigen Nürnberger Nachrichten, der diese Geschichte erzählt: „…Vogel, dem viele Beobachter nachsagen, dass er 2020 – sollte Maly dann in den Polit-Ruhestand treten – Ambitionen auf die OB-Kandidatur hege…“

Da in den NN selten etwas steht, was die SPD überrascht, dürfte auch dies seitens der Genossen abgesegnet sein. Übrigens – wer diesen Blog liest, darf sich zu den Gutinformierten zählen: Schließlich wurde die kommende OB-Kandidatur Vogels hier schon vor Monaten angesprochen. Ein politischer Recke ist vielleicht in der falschen Partei, aber nicht so gerne 2. Bürgermeister: viel grüßen, viel eröffnen, viel den OB vertreten, keinen Fehler machen – das ist in etwa die Aufgabenbeschreibung.

Jedenfalls zum Teil. Der Bürgermeister („zweiter“) ist auch für die Bäder zuständig. Da macht und tut er, als ob es kein Morgen gäbe, und stellt sich selbst ins Scheinwerferlicht und möchte den Stadtrat gerne im Dunkeln stehen lassen. Ja, nun ja, Herr Vogel – das geht dann halbwegs gut, wenn man dann auch das Volksbad wirklich flott kriegt, also naß. Da aber am Ende der Stadtrat wird entscheiden müssen, sollte man da nicht besser mit ihm daran arbeiten?

Der Bürgermeister ist auch neben den 100. Geburtstagen, die häufiger sind als früher, für SÖR zuständig, „Service öffentlicher Raum“. Der Verfasser dieser Zeilen will nicht verhehlen, daß er diese Woche ein positives Erlebnis mit SÖR hatte. Es war auch schon anders, aber bitte: wenn jemand diese Woche, der meinen Weg kreuzte, ein anerkennendes Lob für seine Arbeit verdient hat, dann dieser Mitarbeiter von SÖR, der sich redlich ganz kurz vor der Bescherung um etwas gekümmert hat.

Nein, Herr Vogel, bitte freuen Sie sich nicht zu früh; die Enttäuschung wäre zu groß. Gelobt wird nämlich der SÖR-Mitarbeiter. Und an deren Fleiß und Tüchtigkeit hat man eigentlich nie gezweifelt.

Da bliebe noch der Winterdienst. Allen sind noch die Bilder in Erinnerung, wie SÖR mächtig protzte und die Sandberge ablichten ließ, auf daß beim ersten Schneefall vor einem Jahr aller Verkehr zusammenbrach und die Nürnberger sich von den Fürthern auslachen lassen mußten. Das ist schon im Fußball schwer erträglich; im wirklichen Leben (bei denen, die da einen Unterschied machen…) ist es unerträglich. Sie als neuer SÖR-Chef wollen es besser machen.

Aber wieder verfallen Sie in die Risikobereitschaft (um ein stärkeres Wort zu vermeiden), vorher zu verkünden, daß Sie den Winter im Griff haben werden. Gewagt, in der Tat.

Sie machen sich also bereit – wenn, ja wenn Uli Maly nach der dritten Amtszeit als Oberbürgermeister nicht mehr mag. Es ist einerseits ganz gut, wenn sich das früh schon zeigt. Aber bezweifelt dürfte Ihre Bereitschaft eh niemand haben.

Die Frage ist, ob es dem Uli Maly schon genug ist. Achtzehn Jahre wird er bei der nächsten Wahl als Oberbürgermeister hinter sich haben. Sie finden, das ist viel? Nun ja. In Ihrer Partei, zumindest zeitweise, gab es noch einen anderen: Andreas Urschlechter. Der war geschlagene dreißig Jahre lang OB. Wenn Maly ihm nacheifert, müßten Sie sich noch gedulden, um 2032 anzutreten. Es geht zwar nichts über eine solide Planung, aber das ist dann doch ein wenig weit hergeholt.

Irgendwie, lieber Christian Vogel, schaut’s nicht so gut aus.

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