Um das mal klar zu sagen

Das Bild hat zwar mit dem Artikel nichts zu tun. aber es ist hübsch. © Freud
Das Bild hat zwar mit dem Artikel nichts zu tun. aber es ist hübsch. © Freud

#648 Neulich gab es eines dieser Mißverständnisse, die mich zweifeln machen. Da wurde vermutet, daß in diesem Blog das verbale Florett gegen alle geführt wird, die nicht dieselbe Meinung vertreten wie die CSU. Das ist natürlich nicht wahr.

Der Verfasser dieser Zeilen hält Pluralismus, Vielstimmigkeit und freundlichen Streit in der Sache für die Voraussetzungen einer guten Meinungsbildung. Es müssen verschiedene Meinungen existieren, es muß Vielstimmigkeit herrschen, man muß miteinander streiten. Nur so kommt das Gemeinwesen voran.

Man sollte aber doch zweierlei voneinander scheiden: Es gibt freilich auch solche Meinungen, über die man nicht zu diskutieren braucht. Nehmen wir, nur als absurdes Beispiel, dies: „Die Erde ist eine Scheibe“.

Jemanden, der das verkündet, brauche ich nicht ernstzunehmen – genauer: ihn sollte ich schon ernstnehmen, aber diese Aussage nicht. Und, mindestens ebenso wichtig: alles, was er mit diesem „Argument“ begründet, ist ebenso wenig ernstzunehmen.

Neben den nicht ernstzunehmenden Positionen gibt es die ernstzunehmenden. Die ärgern einen manchmal mehr als die absurden.

Denen, die in der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zuhause sind, wird hier stets mit Respekt, allenfalls freundlichem Spott geantwortet. Aber denen, und es sind viele, die außerhalb derselben stehen, wird auch deutlich gemacht, daß es Aussagen gibt, die als nicht besonders unterhaltsam empfunden werden.

Es gibt aber auch noch ein anderes Kriterium, das neben diesem her verläuft: Es gibt die Notwendigkeit einer gewissen Stringenz der vertretenen Position. Manches ist so absurd und widerspricht sich selbst, daß ernsthaft darauf zu antworten schwer fällt. Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: Man kann Hackfleisch im Sonderangebot im Supermarkt für 1,99 € kaufen. Man kann sich beklagen, wenn Hackfleisch in der Pfanne viel Wasser verliert. Was man aber als denkender Mensch nicht machen sollte, ist beides zusammen.

Der Verfasser dieser Zeilen spielt auch in Wikipedia mit und kennt die dortigen internen Abläufe ein wenig. Neulich hat sich ein Alt-68er, Lehrer, grün-SED, dort selbst einen eigenen Artikel geschrieben. Es müssen zwar die sogenannten „Relevanzkriterien“ erfüllt sein, damit einer einen Artikel bekommt, aber das ist ihm in seiner Präpotenz egal – er ist in der Wikipedia beliebt, man läßt ihn. Nun schreibt der über sich selbst, daß er damals gegen den Sechs-Tage-Krieg demonstriert hat und sich über den sorgsamen Umgang mit einem alten jüdischen Friedhof kümmert. Der muß sich dann schon fragen lassen, ob seine Fürsorge eher den toten Juden gilt als den Lebenden – man dürfte noch wissen, daß es im Sechs-Tage-Krieg wieder einmal um Israels Existenz ging.

Was zu vielen Menschen möglich ist, ist, ein Feind Israels zu sein. Sich aber gleichzeitig als Freund darzustellen, ist: mies. Und man bedenke, daß es dieses Verhalten noch bei vielen anderen Fragestellungen gibt. Der eine will die Energiewende ohne Kosten, der andere einen deutschen Sitz im UN-Sicherheitsrat ohne mehr Beteiligung, der nächste den Wohlstand und Frieden der EU ohne EU, wieder einer viel mehr Sozialausgaben ohne Einschränkung der Freiheit – nun, man sollte schon wissen, wovon man redet, wenn man redet.

Eine der Krankheiten dieser Zeit ist, daß viele um so lauter reden, je weniger sie wissen. Kennzeichen: Schauspieler, die sich als Freizeitpolitiker aufführen. Keine Ahnung, aber viel Meinung zu haben, ist ein Merkmal des Internetzeitalters. Sie können zwar die Schlagzeilen in bild.de lesen, aber das alleine befähigt nicht zur Teilnahme an ernsthaften Diskussionen. Man darf auch mal gepflegt schweigen, wenn man keine Ahnung hat.

Um wieder den Bogen zu diesem Blog hier zu schließen: Es wird hier nicht jedes Thema angesprochen. Aber bei den Themen, um die es hier geht, kam der Vorwurf der Ahnungslosigkeit eher selten. Daß man mir vorwirft, eher mit dem Säbel als mit dem Florett zu fechten, muß ich hinnehmen. Jedenfalls weiß man, woran man hier ist.

Das war jetzt vielleicht nicht sehr weihnachtlich, aber nötig.

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