Ein Dutzend Bratwürste und die CSU, bitte

Yasmin Fahimi, Generalsekretärin der SPD. © SPD
Yasmin Fahimi, Generalsekretärin der SPD. © SPD

#649 Wie nett. Die SPD hat eine Generalsekretärin, Yasmin Fahimi mit Namen. Und die also schlägt vor, daß wir künftig wochenlang wählen sollen und dies nicht nur im Wahllokal, sondern allüberall, beispielsweise im Supermarkt oder beim Metzger.

Was richtig ist, das ist die Diagnose: die Wahlbeteiligung ist niedrig, und das ist nicht gut. Was falsch ist, ist die Therapie.

Das offenbart auch, daß Fahimi womöglich die Bedeutung von Wahlen nicht verstanden hat. Sie sind kein gelegentliches Grunzen des Bürgers angesichts dieser oder jener Sache, die ihn aufregt oder ihm gefällt. Wahlen sind eben keine Art dauerhafte Umfrage, sondern ein tatsächlich hoheitlicher Akt des Souveräns, also des Bürgers. Sie haben nichts zu tun mit einer Teleabstimmung bei „Wetten, daß…?“.

Oft liest man etwas, was einem im ersten Moment eine Reaktion entlockt – die, wenn man über den Sachverhalt in Ruhe nachdenkt, nicht mehr in den Sinn käme. Vielleicht stimmt das auch gar nicht, und man hat eine Einflüsterung von interessierter Seite bekommen. Und vielleicht kann man sich über ein Detail aufregen, mag aber den Kurs der Gesamtpartei dennoch – all dies schmeißt Fahimi über Bord, als wäre es nur der Müll der Demokratie.

Dabei ist es wesentlich. Rituale gehören zum Menschsein dazu, sie zwingen uns ein Procedere auf. Wir heiraten nicht zwischen Vor- und Hauptspeise, wir schreiben das Abitur nicht zwischen zwei Leveln des neuesten Videospiels, und wir wählen nicht so nebenbei im Supermarkt. Diese Idee der Yasmin Fahimi möge ganz schnell wieder dorthin entschwinden, woher sie kam: in eine Rumpelkammer.

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