Wo?

Detail am Opernhaus © Freud
Detail am Opernhaus © Freud

#645 Nürnberg bekommt einen Konzertsaal, weil die CSU ihn gefordert hat. Wir brauchen ihn, denn: erstens muß das Opernhaus dringend saniert werden (und während dieser Sanierung soll er als Interimsspielstätte dienen), zweitens damit Orchester von Rang und Bedeutung nicht mehr wie bisher einen großen Bogen um Nürnberg machen.

Was wir übrigens nicht brauchen, ist eine Vielzweckhalle mit Orchestergraben. Wenn wir so etwas bauen würden, würden weiterhin große Orchester Nürnberg meiden; wir hätten dann eine Art dritter Saal der Meistersingerhalle. Wir brauchen einen Konzertsaal.

So weit, so gut – und wahrscheinlich auch ein mehrheitsfähiger Standpunkt. Aber jetzt geht es erst richtig los mit der Meinungsbildung, und da sei dem heutigen Artikel in den NN und dem Kommentar von Michael Husarek deutlich widersprochen.

Man spricht sich dort für den Standort neben der Meistersingerhalle aus mit dem Argument, daß er schon frei sei. Ach. Das AOK-Gelände am Ring wäre auch schon frei, wenn man frühzeitig gehandelt hätte. Aber auch am Schlachthof soll ein Grundstück frei sein oder an der Stadtgrenze zu Fürth. Warum bringt das niemand ins Gespräch? Weil es egal ist. Wir wollen keine Lösung für ein unbebautes Grundstück, wir wollen einen guten Konzertsaal. Für den ist der Standort ein ganz wesentlicher Aspekt, den man auch noch in hundert Jahren positiv oder negativ bemerkt. Ob das Grundstück „schon frei“ war oder nicht, weiß man schon ein paar Wochen nach Baubeginn nicht mehr.

Städte, die eine intakte Ringstraße haben, profitieren von ihr. Man denke nur an Wien! Sie ist ein Raumordnungs- und Stadtplanungsinstrument allererster Güte. Und freilich würde es ordnend wirken, wenn hundert Meter neben dem Opernhaus ein Konzertsaal entstünde. Nichts gegen die Meistersingerhalle – aber wann haben Sie zuletzt in einer lauen Nacht dort ein Gläschen getrunken? Gar nicht? Ja, vielleicht weil das keine urbane Umgebung ist, sondern eine Mischung aus Grünanlage und Parkplatz? Eben.

Wir sind gefordert, aus dem, was wir haben, mehr zu machen, um es zu ererben von unseren Vätern, um ein altes Wort Goethes zu persiflieren. „Des ham’s goud g’macht“ werden die Nürnberger künftig sagen, wenn wir den Konzertsaal am Frauentorgraben bauen; ob sie das auch da draußen sagen würden?

Der Ring ist in Nürnberg bisher bei weitem nicht so schön und gut, wie er sein könnte. Freilich, nicht alles können wir ändern. Da ist das längs gedrehte Opernhaus – weil seinerzeit das Grundstück für eine ordentliche Querbebauung nicht groß genug war und man es deswegen seitlich zur Straße baute. Das ist diese Art Fehler, die wir nicht wiederholen sollte durch eine am Hier und Jetzt orientierte Standortwahl. Langfristige Erwägungen sollen der Maßstab sein.

Das gilt auch für die Bebauung am Bahnhofsplatz, ein Stück weiter östlich. Heute ist in den NN zu lesen, daß sich Stadtrat Thiel für eine wertvolle Bebauung ausspricht. Leider kann man über’s Internet nicht applaudieren. Fast möchte ich hinterherschicken: Ja, das kann doch gar nicht anders sein!

Der dort fällige Neubau sollte sich am Hochhaus am Plärrer orientieren: Ein architektonisches Großod (Gegenteil von Kleinod). Am Plärrer wird ein Punkt am Ring architektonisch markiert, eine andere Markierung soll am Bahnhof entstehen. Früher war das einmal der Turm am Königstor, aber das ist er heute nicht mehr. Hier sind Qualität und Moderne gefordert.

Man stelle sich vor: Ein saniertes Opernhaus, ein Konzertsaal am Frauentorgraben, ein guter Neubau am Bahnhof – hey, unsere schönes Nürnberg wird sich doch nicht gar herausputzen? Zu schön wäre es!

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