Erstsprache vs. Zweitsprache

Leitantrag

#638 Morgen beginnt in Nürnberg der CSU-Parteitag. Manche mögen ihn nicht sonderlich spannend finden, weil erst nächstes Mal wieder gewählt werden wird. Dieser hier steht im Zeichen vieler Anträge – auch einander widersprechende sind darunter; für Diskussionen ist also gesorgt. Neben den über 400 Seiten im Antragshandbuch gibt es auch noch einige wenige Leitanträge.

Einer ist der „Leitantrag Bildung – Migration – Integration“. Er ist fünf Seiten lang. Mittendrin findet sich das Sätzlein: „Wer dauerhaft hier leben will, soll motiviert werden, im täglichen Leben deutsch zu sprechen“.

Und über diese banale Selbstverständlichkeit gab es einen solchen Bohei? Eine Woche lang wurde so ziemlich jeder, die für diesen Antrag war, übern Hauptmarkt gejagt. Und nochmal frage ich: Warum eigentlich?

Niemand ist ein Traumtänzer, der glaubt, nun würden, schwuppdiwupp, alle mit Sprache zusammenhängenden Probleme gelöst. Aber wenn Politik nur das täte, was Instantlösungen herbeiführt (oder so tut), wäre sie ein stupider Ablauf von Schaufensteraktivismus.

Es ist vielleicht ein Satz, der gar nicht so viele Zuwanderer erreicht und etwas bei ihnen bewirkt, als vielmehr für die eigene Partei einen gesellschaftlichen Anspruch formuliert. Manche haben hinter diesem Satz eine Kritik an der zuweilen praktizierten Zweitsprache verstanden. Wieso – das ist ihr Geheimnis. In diesem Antrag geht es um die Erstsprache: die soll beherrscht werden.

Es gibt Nischen in dieser Gesellschaft, in denen Deutsch eben nicht die Erstsprache ist. Die CSU formuliert den Anspruch, daß alle, die dauerhaft hier leben, deutsch sprechen. Was wäre denn die Alternative? Keine.

Es steckt übrigens auch eine Aufforderung drin, die vielleicht zunächst gar nicht so auffällt. Wer dazu aufruft, dass auch in Familien auch deutsch gesprochen wird, der ruft gleichzeitig dazu auf, dass in Familien überhaupt miteinander gesprochen wird. Auch dieser Gedanke steckt im Leitantrag.

Er ist nun als Folge des medialen Unwetters sanft umformuliert worden. „Wer dauerhaft hier leben will, soll motiviert werden, im täglichen Leben deutsch zu sprechen“. Das ist so etwas von selbstverständlich.

Advertisements