Die NZZ, eine preußische Nacht und die Sprache

NZZ

#639 Die NZZ ist einer der angesehensten Zeitungen der Erde. Sie schreibt nicht hysterisch, sondern nachdenklich. Sie muß nicht sofort reagieren, wenn irgend etwas auf der Welt passiert – sie hat Zeit.

Im preußischen Militär war es früher üblich – und ist es heute noch in der Bundeswehr -, daß man bei Konflikten miteinander erst einmal eine Nacht überschlafen muß, bevor man beispielsweise zum Vorgesetzten wetzen darf, um sich zu beschweren. Was arg ist, ist auch am nächsten Tag noch arg – aber manche Dinge erledigen sich anderntags von selbst. Sie sind einfach nicht mehr aufregend genug, um sich noch über sie zu ereifern, und man hat hoffentlich den Hysterie-Modus abgestellt.

So ein Fall liegt beim „Sprachantrag“ der CSU für den morgen beginnenden Parteitag vor. “Wer dauerhaft hier leben will, soll motiviert werden, im täglichen Leben deutsch zu sprechen”. Und?

Die NZZ hat’s mal wieder richtig gemacht: Sie beteiligte sich nicht an der überhitzten Aufregung, die von der einen oder anderen Redaktion Besitz ergriff, um sie zwar ordentlich schimpfen zu machen, ihnen aber doch etwas die klare Sicht verstellte. Niemand wollte jemals mit diesem Antrag eine – erst recht nicht zu sanktionierende – Vorschrift machen. Niemand wollte denen, die auch Deutsch sprechen, die Lust an der Zweitsprache nehmen.

Es wurde versucht, den Leitantrag mit einem dumpfen Mief aus der Spießerwerkstatt der Deutschtümelei zu verbinden. Das ist nicht gelungen.

Dieser Antrag stellt die gelingende Integration in den Vordergrund und formuliert eine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit. Und die NZZ nimmt ihn durchaus ernst.

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