Lachen. Oder weinen?

Kommt nicht zum "Piraten"-Parteitag: Helene Fischer © Fred Kuhles Lizenz: CC BY-SA 3.0
Kommt nicht zum „Piraten“-Parteitag: Helene Fischer
© Fred Kuhles Lizenz: CC BY-SA 3.0

#632 Ich brauche ganz dringend etwas zu lachen. Der Tag brachte Aufregung und Ärger genug, also muss etwas Leichtes, etwas Seichtes her. Schon lange nichts mehr über die „Piraten“ geschrieben!

Lohnt das noch? Ja, o ja, es lohnt. Beim letzten Mal beschäftigte sich dieser Blog mit einer lächerlichen Kreisvorstandssitzung, zu der immerhin acht Menschen erschienen und die dann auch mit einem ganz umfassenden Bericht der Vorsitzenden nach 59 Minuten beendet war. Unter einer Stunde – das ist flotter als ein Fußballspiel.

Nun war wieder etwas bei den „Piraten“, und zwar der, immerhin, Kreisparteitag. Das ist jetzt mir als CSUler nicht so vertraut, weil wir einen Landesparteitag (in neun Tagen) und einen Bezirksparteitag haben – und darunter nichts. Aber freilich, ich kann das schon verstehen, wenn in einer Partei, in der der Wille der Basis mehr Vertrauen genießt als die Gedanke der Repräsentation, dann nehme ich das als akzeptabel hin und denke mir, dass eben in anderen Parteien andere Sitten herrschen und dass es ja auch langweilig wäre, wenn nicht. Also, auf zum Kreisparteitag der „Piraten“!

Das dachten sich dann immerhin sieben Menschen. Später wurden es acht, gegen Ende gar neun. Jede Kirchengemeinde tät‘ sich schämen, ein jüdischer G’ttesdienst könnte gar nicht stattfinden (es müssen zehn (!) sein). So ein Kreisparteitag der „Piraten“ hat es anscheinend in sich. Es lohnt sich aber nicht, Helene Fischer zum Singen her zu bitten.

Ziemlich zu Beginn beschließen die Sieben, dass Gäste zugelassen sind und Audio-, Video- und Fotoaufnahmen gemacht werden dürfen. Ob davon jemand Gebrauch gemacht hat, ist nicht bekannt. Es ist doch merkwürdig, dass die „Partei“, die so angeberisch „offen“ tat, das extra genehmigt. Bei meiner CSU filmt jeder, wie es ihm passt, und alle akzeptieren das. Sind wir Schwarzen vielleicht viel offener, als man von uns denkt? Und sind es andere nicht?

Erst wurde nach einer Menge Vereinsmeierei, vor der auch die ach so coolen „Piraten“ wohl nicht sicher sind, beratschlagt, ob sie sich eine Satzung geben sollen. Der entsprechende Antrag wurde schließlich zurückgenommen. Das ist praktisch, weil man so eine Abstimmung spart. Nach noch ein wenig Vereinsmeierei schritt man zur Vorstandswahl.

Vorsitzender wollte der Bengl werden. Weil er im Stadtrat sitzt, wäre das auch ganz gut – so kann man den „Partei“sprengel vor Ort managen und zugleich die „Partei“, also alle mitmachenden sieben, im Stadtrat sichtbar werden lassen. Die könnten zwar auch auf der Besuchertribüne Platz nehmen und in der Pause ihre Meinung tanzen, aber was soll’s. Aber obwohl der einzige „Pirat“, den man in Nürnberg nach dem Rauswurf von Patzelt und dem Hinwurf von Kotzian noch einigermaßen kennt, für das Amt des Vorsitzenden antrat, wählten ihn die inzwischen acht „Piraten“ nicht (Bengl bekam 1 Stimme; 7 Stimmen bekam die neue Christina Grandrath. Aha.)

Dann wurde der stellvertretende Parteivorsitzende Kreisvorsitzende gewählt. Na gut, dachte sich wohl der Bengl, wenn schon nicht Vorsitzender, dann wenigstens Stellvertreter!, und trat wieder als Kandidat an. Von laut Protokoll acht abgegebenen Stimmen erhielt ein Kandidat 2, Bengl 5 und ein gewisser Oliver Hofstetter 7 Stimmen. Wie das geht, das weiß ich nicht, aber ich war ja auch nicht der Schriftführer. War’s also wieder nichts für den Bengl. Als Schatzmeister trat er ausnahmsweise mal nicht an, auch nicht als „Generalsekretär“ oder als „politischer Geschäftsführer“. Es ist ja auch einigermaßen lächerlich, wenn sich ein Kreisverband (!), auf dessen Parteitag sich sieben, dann acht Mitglieder verirren, einen „politischen Geschäftsführer“ wählt, aber bitte: jeder blamiert sich, so gut er kann. Jedem, der nicht bei 3 auf’m Baum ist, noch schnell ein Amt hinterhergeworfen! So geht also Demokratie bei denen…

Als Beisitzer trat der Bengl dann wieder zur Wahl an, und endlich, endlich klappte es: Mit sieben Stimmen wurde er gewählt! Ja! Hurra! Ein erleichtertes Seufzen geht durch die Massen. Der Rechtsstaat ist gerettet, die Macht ist in trockenen Tüchern, ein Seufzer der Erleichterung entringt sich der gepeinigten Brust. Endlich geht es aufwärts mit diesem Land!

Am 15.01. feiert dieser Kreisverband den fünften Jahrestag seines Bestehens. Glückauf! Womöglich ist es das letzte Jubiläum. Aber – wer weiß? Es wäre noch schlimmer, wenn dieser lebende Leichnam weiter existierte.

Und für dieses Desaster, für diese Persiflage eines Parteitags brauchte man nun also sage und schreibe knapp drei Stunden. Bitte? Ja, in der Tat.

Falls Sie, lieber Leser, sich fragen, wo denn die politische Arbeit auf diesem „Kreisparteitag“ blieb: Das weiß ich leider auch nicht. Aber wer wird von denen denn schon Inhalte erwarten?

/Ironie aus.

Am 12./13.12.2014 zeigen wir, wie Parteitag geht.

Hier geht’s zum traurigen Protokoll des traurigen „Piraten“-Kreisparteitags
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