Das Leben ist unterhaltsam

Finanz- und Heimatminister Dr. Markus Söder im Gespräch mit Ehrenbürger Dr. Oscar Schneider © Freud
Finanz- und Heimatminister Dr. Markus Söder im Gespräch mit Ehrenbürger Dr. Oscar Schneider © Freud

#630 Es gibt solche Tage, an denen man kaum ein Thema findet, das hier im Blog verwendet werden kann. Es gibt wiederum solche Tage, an denen so viel los ist, dass ständig die Länge des Artikels zu beachten ist. Heute ist ein solcher Tag.

„Keine Aufmerksamkeitsdelle fällt auf, kein glasiger Blick schweift kurz mal zur wunderschönen Lorenzkirche hinüber. Jetzt blättert sich die Runde gerade durch rote, braune und grüne Papierschichten. Inzwischen sein das Routine, sagt Markus Söder danach. Dass er den einzigen Fehler in den Unterlagen gefunden hat, freut ihn bübisch. Er reckt, spaßeshalber, die Faust. Routiniert ja, abgestumpft nein, so seiht er sich. Immer noch wolle er das Land ’schöner, gerechter, glücklicher‘ machen. Gut gebrüllt, Löwe.“

So schreiben die Nürnberger Nachrichten über Markus Söder. Ach, leider nein, leider nur geträumt. So einen anbiedernden, merkwürdig schwülen Schmu schreiben die NN nicht über Markus Söder – den schreiben sie aber in der Tat über, na wen wohl, Maly, Ulrich, Doktor, Oberbürgermeister, haltenzugnaden. Sie glauben das nicht? Glauben Sie’s nur. Die NN hat hier ihr Meisterstück in Unterwerfung und Groupie-Anhimmeln geschaffen; herzlichen Glückwunsch!

Am Donnerstag gab Finanz- und Heimatminister Söder im Bayerischen Landtag eine Regierungserklärung ab. Die war schon gut anzuhören. Aber als CSUler will ich nicht verheimlichen, dass mir die Rede danach auffiel. Es sprach Annette Karl, und wer den Namen nicht kennt, möge zur Kenntnis nehmen, dass es sich dabei um eine Politikerin der SPD, die Erstaunliches zu sagen hat.

Nun muss man kein CSUler sein, um die Politik der Staatsregierung anzuerkennen. Man kann dennoch akzeptieren, dass Bayern mehr tut fürs schnelle Internet auf dem Land als jedes andere Bundesland. Man kann sehen, dass Bayern mehr tut für schwächere Regionen, für Dezentralität, für die Dörfer. Freilich, wenn man in der Opposition ist, dann fordert man höher, schneller, weiter – das ist völlig normal, und ich schimpfe ganz bestimmt nicht auf die Opposition, wenn sie dies tut. Wenn von 2 Milliarden in Deutschland fürs schnelle Internet drei Viertel alleine in Bayern ausgegeben werden und das Internet denn, hätte es eine Farbe, weiß-blau wäre, dann kann die Opposition natürlich fragen „Und warum nicht vier Fünftel?“, aber damit machte sie sich zugegebenermassen ein wenig lächerlich. Also stellt sich die Frau Karl munter an die Rostra im Bayerischen Landtag, holt tief Luft, und redet einen Quark zusammen, dass sie eigentlich dreimaliges Eckestehen verdient hätte.

Kultusminister Ludwig „Louis“ Spaenle hat neulich eine Veranstaltung in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg mit dem Bemerken eröffnet, dass Rituale im Leben der Menschen eine richtige und wichtige Bedeutung haben, dass sie Mark- und Merksteine im Leben der Menschen sind. Das stimmt. Aber wenn man Frau Karl hört, dann ist das ein trauriges, ein leeres Ritual, das sie da vorexerziert, denn ein Handeln ist nicht dann automatische schlecht, wenn es von der CSU stammt. Ein Vorbildfunktion gegenüber allen anderen deutschen Ländern zu haben, ist etwas hart erarbeitetes, wozu man als Opposition auch mal eines tun darf, wenn man es schon nicht anerkennen kann: konstruktive Kritik zu üben oder mal gepflegt zu schweigen.

Zu etwas anderem. Der Nürnberger Flughafen erhält nun doch den Beinamen „Albrecht Dürer“. Er ist der bekannteste Sohn der Stadt. Manche lokalen Politiker fielen vor Lachen fast unter den Tisch, als sie von der Idee hörten. Aber vielleicht – ich weiß es nicht – haben Markus Söder und Wirtschaftsreferent Michael Fraas ein Lehrbuch „Marketing für Anfänger“ verschickt, unter besonderer Hervorhebung des Kapitels „Markenbildung – Branding“. Michael Hupe, der neue Flughafenchef, meldet steigende Umsatzzahlen, gibt neue Verbindungen und Fluggesellschaften bekannt – es geht wieder aufwärts. Da sollte man auch wieder frisch drüber nachdenken, ob es wirklich eine gute Idee ist, den Flughafen nur über eine Kreisstraße vierter Ordnung anzubinden….

Angeblich fränkische Bratwürste. Wer's glaubt... © Freud
Angeblich fränkische Bratwürste. Wer’s glaubt… © Freud

Was Sie hier sehen, ist angeblich ein Paar fränkische Bratwürste. Das ist Unfug. Die kosten 3,50 €. Weil es sind ja keine drei Nürnberger, sondern ein Paar Fränkische. Angeblich. Und den Senf darf man sich an diesem Stand nicht etwa aus einer großer Quetsche auf die Bratwürste träufeln (Meerrettich hat ja kein Stand), sondern man muss einen Löffel und einen großen, offenen Eimer benutzen wie schon 10.000 vor einem, was aecht hygienisch ist. Es ist schon unglaublich, wer in Nürnberg alles die Erlaubnis zum Bratwurstverhunzen bekommt.

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