Der Lufthaken und das Volksbad

Das ADFC-"Denk"produkt
Das ADFC-„Denk“produkt

#628 Kennen Sie den Lufthaken®? Das geht so: Sagt der Meister zum Lehrling, er solle den Lufthaken® aus der benachbarten Werkhalle holen. Was denn das besondere an diesem Haken sei, begehrt der Lehrling zu wissen. Das sei doch offensichtlich, sagt der Meister: er bleibe überall in der Luft hängen und sei deshalb ein tolles Werkzeug. Beeindruckt von den angeblichen Fortschritten macht sich der Lehrling auf den Weg, um den Auftrag auszuführen. Der Meister amüsiert sich unterdessen über die Blödheit des Lehrlings, derlei Unsinn zu glauben – was um so unterhaltsamer wird, desto länger es dauert, und ein erneutes Schenkelklatschen ist schon mittags gesichert, wenn man sich in der Kantine laut prustend darüber unterhalten kann, wie der Lehrling mit ahnungsloser Schüchternheit irgendeinen Gesellen um die Aushändigung des Lufthakens® bat…

Wer glaubt, dass derlei Unsinn nur im Witz vorkommt, der irrt. Es hat neulich der ADFC doch allen Ernstes – und noch ist Cannabis nicht legalisiert worden, bitte sehr! – gefordert, dass die Nürnberger Ampelmasten mit Griffen versehen werden. Wie schon mehrfach festgestellt, steckt hinter dieser Forderung auch der Glaube, dass die Radfahrer zu dumm oder faul wären, den Fuß auf den Boden zu stellen. Ich möchte mich aber nicht von einem vertreten lassen (diesen Anspruch erhebt der Mini-Verein ADFC), der mich für blöd hält. Es ist auch irgendwie nicht ganz zu Ende gedacht, denn es kann sich ja immer nur einer am Griff festhalten; zuweilen aber wartet mehr als ein Radler. Und was soll der machen? Ausserdem kann ich meine Sehnsucht zügeln, in den NN zu lesen, dass sich zwei Radler am Griff um den ersten Zugriff prügelten, der eine zum Arzt musste und der andere vor Gericht.Hinzu kommt, dass es doch viele Radler gibt, die nicht so gerne in diverse orale oder nasale Hinterlassenschaften missgünstiger Fußgänger greifen, die das dort vielleicht deponieren werden. Oder anderer Radfahrer, was weiß ich. Diese dumme Idee ist vom Tisch, wie zu hoffen ist. Merke: Es ist erlaubt nachdenken, bevor man etwas sagt.

Nicht vom Tisch ist die Wiederinbetriebnahme des Volksbads. Und es ist, ganz im Sinne gemeinsamen Wirkens, eine an sich gute Sache, dass Bürgermeister Vogel sich dieses Themas angenommen hat. Aber ach, er macht’s unserem Stadtrat schwer. Er sollte doch als Bürgermeister (= Teil der Stadtverwaltung) mit dem die Entscheidung am Ende treffenden Stadtrat zusammenarbeiten. Gar nicht gut ist, wenn der Vogel, Christian, Bürgermeister, seine Zwischenergebnisse den Stadträten via Tageszeitung mitteilt. Sie sind das Parlament – sie entscheiden. Das sollte er, der zugleich Stadtrat ist, eigentlich ohne Nachhilfe beachten.

Aber es ist auch irgendwie verständlich, dass Vogel sich so verhält. Über dieses Umweg versucht er, sich die CSU-Meinung zum Volksbad zu eigen zu machen: Er kann es zwar als in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat nicht gut finden, wenn sie von der CSU stammt wird, aber wenn es in einem Gutachten steht, dann schon… So sind sie halt, die Rituale. Aber es gibt einige grundlegende Aspekte, die man beachten muss. Dass der Stadtrat nicht als nachrangige Veranstaltung behandelt werden darf, gehört dazu. Das sollte Vogel, der doch bis zur Wahl der erste SPD-Stadtrat war, noch nicht ganz vergessen haben.

Man beachte: Dieser Kommentar tadelt nicht das Bemühen ums Volksbad als solches, sondern nur die Art und Weise. Beim Volksbad wünsche man, ob nun Schwarzer oder Roter, dem Vogel das Gelingen des Bemühens, und das wird um so eher von Erfolg gekrönt sei, wie er den Stadtrat mitnimmt statt ausschließt.

Wir haben in Nürnberg – links an der Fürther Straße – schon ein von der SPD zu verantwortendes Brachgelände zu liegen, nämlich die Quelle. Wie’s richtig geht, zeigt die Staatsregierung rechts der Fürther Straße mit dem Areal auf AEG. Da ist nicht nur im Aufholen des Abstands zur CSU dem Vogel ein Erfolg auf dem Volksbad zu wünschen, ganz im Sinne der rathäuslichen Kooperation, sondern vor allem dies: Das Volksbad ist wichtig. Eine Wiederinbetriebnahme als Bad ist dringend geboten!

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