13.000 – Oha. Und das Klo ist beheizt.

Ein mobiles Klo. Unbeheizt - noch. © CC-BY-SA 3.0 Holge Grbuer at de.wikipedia
Ein mobiles Klo. Unbeheizt – noch.
© CC-BY-SA 3.0 Holge Grbuer at de.wikipedia

#627 13.000 Baustelle gibt es heuer in Nürnberg. Nun wird nicht etwa 250mal pro Woche ein Frankenschnellweg gebaut, sondern nur einer in 40 Jahren. Was also geschieht auf den anderen 12.999 Baustellen?

Zunächst einmal: nicht so besonders viel. Bei der großen Zahl von 13.000 sind auch Minimalbaustellen dabei, die man quasi kaum bemerkt, und schon sind sie wieder weg. Aber nicht immer läuft alles so gut, wie es könnte.

Der Verfasser dieser Zeilen war neulich – während der Fürther Michaelis-Kirchweih, um genau zu sein – mit dem Auto unterwegs, und zwar nach Erlangen. Das liegt, für die Ortsfremden, recht in der Nähe, und also führte die Fahrt die Fürther Straße hinaus, um dann kurz vor dem schönen Bad Fürth nach rechts auf den dort schon länger fertiggestellten Frankenschnellweg auszuweichen, um erstens Fürther Stadtgebiet, wie es sich für einen Nürnberger gehört, zu meiden und um zweitens nach Erlangen zu kommen.

Aber ach, da war die Rechnung ohne den Wirt, also: ohne die Baustelle gemacht, die seinerzeit dort prunkte und unter anderem die Folge hatte, dass die Autos standen. Und zwar die ganze Einfahrt hinauf, bis in die Fürther Straße hinein. Kein Problem, denkt sich das fröhliche Stadtkind (also ich) und fährt auf der Fürther Straße nun eben doch in die terra incognita, also nach Fürth.

Bedrohlich starren einen die Fensterhöhlen an; seit dem 7.12.1835 (Adler!) kommt es zwar öfter vor, dass ein Nürnberger nach Fürth fährt, aber ungewöhnlich ist und bleibt es doch.

Wahrscheinlich wegen dieser Aufregung rund um meine – dank Schengen nicht näher überprüfte – Einreise nach Fürth merkte ich nicht, dass sie dort die kirchweihigste Kirchweih außerhalb von Nürnberg feiern. Wie die Fürther nun mal so sind, haben sie sich einen rechten Scherz ausgedacht: sie haben, der Kirchweih wegen, das Rechtsabbiegen verboten. Glauben Sie nicht? Glauben Sie’s: von der ganzen Fürther Straße, die in Fürth den erstaunlichen Namen „Nürnberger Straße“ führt, konnte man nicht nach rechts – über die Dörfer in Richtung Erlangen – abbiegen. Also ging’s wieder zurück, über die übervolle Fürther Straße, übers übervolle Fuchsloch, und weil ich eben als in Mittelfranken seit 1969 akkreditierter Mensch ein überaus heftiger Optimist bin, fuhr ich über die Schnieglinger Straße weiter nach Fürth, um wumms wieder im Stau zu stehen – auf dem Frankenschnellweg, den sie in diesem Abschnitt zum zehnten Mal sanierten, während er am Schlachthofgelände in Nürnberg erst jetzt (!) auf Drängen der CSU endlich fertiggestellt wird.

Und während ich die Erinnerung an diese Schreckensfahrt – eine Stunde hat’s bis Erlangen gedauert! – Revue passieren lasse, lese ich, dass nun die Dixie-Klos an Baustellen auf 18 °C geheizt werden müssen. Ach. Wir müssen Sorgen haben. Aber wie wird sich das auswirken? Wird der normale Bauarbeiter an und für sich nun in Zukunft im Winter auf dem Klo Schutz vor der fränkischen Eiseskälte suchen – und darob die Arbeit vernachlässigen? Oder wird sein Lebensgefühl ein besseres sein und er sich aufgrund der Fürsorge des Arbeitgebers um so heftiger für seine Arbeit einsetzen, auf dass wir nächstes Jahr 14.000 Baustellen schaffen? Man weiß es nicht, aber darf gespannt sein.

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