Das Geschlecht als solches

Geschlechterkampf
Geschlechterkampf

#625 Wer einmal das Gefühl haben will, dass Frauen quasi nur eine Beitat zu einer männlich dominierten Welt seien, der besuche eine energiepolitische Veranstaltung. Da sind Frauen oft so selten, dass manche an ihre Existenz quasi nur vom Hörensagen glauben.

Ähnlich ist es übrigens bei der Redaktion von spiegel.de: Wer sich dort durch die abgebilderte Redaktion klickt (recht weit unten auf der Seite), findet drei Frauen unter 15 Männern. Das ist, wohlgemerkt, diese Redaktion, die uns ständig zu irgendeinem Gender-Unsinn oder gar zur Quote aufruft. Sie wissen schon: Frauenquote hier, Frauenquote da.

Was für ein Unsinn! Dem liegt zum einen der Gedanke zugrunde, Frauen würden bei uns nicht das werden, was sie werden möchten, weil der böse Mann das verhindert.

Ach. Tut er das? Das tut er natürlich nicht. Siehe die Redaktion von spiegel.de, wo die weit überwiegenden Männer ständig die Quote fordern und nicht merken, wie lächerlich sie sich in ihrer Larmoyanz machen.

Wie sieht es an den Unis aus? Etwa 21 % der MINT-Studienanfänger sind Frauen, wobei MINT für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik steht. Noch schlimmer ist es bei den Ingenieurwissenschaften: Nur 8 % der Studienanfänger sind weiblich.

Ist das nicht eine enorme Verschwendung, wenn wir das Potential so vieler Frauen für unsere Gesellschaft nicht nutzen?

Mag sein, dass es so ist; aber diese Erkenntnis hilft nicht weiter. Denn in einer freien Welt – und eine andere wollen wir nicht haben – studieren eben wenige Frauen die MINT-Fächer. Weil sie die freie Wahl haben.

Aber warum regen sich manche auf? Haben Sie schon einmal einen Artikel gelesen, dass wir zu viele weibliche Historiker hätten? Oder Soziologinnen? Nein, das haben Sie nicht. Weil es niemanden stört, wenn Frauen in der Überzahl sind. Aber wenn Frauen in der Unterzahl sind, wird mancher ganz nervös.

Dafür gibt es eigentlich keinen Grund. Es gibt Ausbildungen, bei denen Frauen überrepräsentiert sind – Kindergärtnerin, etwa, oder Medizin (63 % der Studienanfänger sind Frauen) – und solche, bei den Frauen unterrepräsentiert sind – Urologen oder Installateure, beispielsweise. Vielleicht ist es sinnvoll, gründlich darüber nachzudenken, warum das so ist. Vielleicht aber ist es auch ganz gut, sich klarzumachen, dass wir das haben, was bei freier Wahl der Ausbildung herauskommt. Und eben dies ist tatsächlich der Fall: In Ländern, in denen Menschen sich aussuchen können, welche Ausbildung sie haben, haben wir einen signifikanten Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Es gibt keinen Wert, der da sagt, dass die Welt nur dann gut wäre, wenn Männer und Frauen allüberall gleich vertreten wären. Es wäre übrigens auch dumm, derlei als Wert zu fordern, eben weil es Unterschiede zwischen Mann und Frau leugnet. Das wurde zwar mal in einem Unsinnsprojekt namens Gender studies gefordert, aber daran glauben nur noch solche, die auch an den Osterhasen glauben. Oder, besser gesagt, an die Osterhäsin. Welch ein Unsinn.

Freilich müssen wir darauf achten, dass jeder alles werden kann und es dabei nur auf Eignung und Leistung ankommt, und dass das Geschlecht mit beidem nichts zu tun hat. Aber das dürfte – nachdem es allzu lange nicht so war – inzwischen allgemeiner Stand sein.

So sehr wir darauf achten, dass es für Beförderungen etc. völlig egal ist und sein muss, ob man es mit einer Frau oder einem Mann zu tun hat, ist doch das Wichtigste erreicht. Aber wichtig ist auch, dass man nicht mit einer verquasten Sicht an die Sache geht. Die Quote ist ein Resultat einer verquasten Sicht, denn sie stellt eine wirre Vorstellung, wie die Welt sein sollte, über die Erkenntnis, wie die Welt ist. Sie fordert also nicht, die Welt so zu nehmen, wie sie ist, um sie zu verbessern, sondern sie ruft dazu auf, die Welt so zu „sehen“, wie sie zwar nicht ist, aber sein sollte (nach Ansicht mancher Zeitgenossen). Und das ist verquast. Wir sollten diese Debatte mit Blick darauf führen, wie der Mensch tatsächlich ist.

Oder, wie Henry Kissinger sagte: „Niemand wird jemals den Krieg der Geschlechter gewinnen. Es gibt auf diesem Gebiet einfach zu viel Fraternisierung mit dem Feind.“

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