Vom Nutzen einer Redaktion

NZ von heute.
NZ von heute.

#616 Es ist schon schwer. Da ist man die kleine Schwester der NN, wird allgemein nicht besonders gut behandelt, und wenn dann einmal ein größeres Thema ansteht, darf man nicht selbst schreiben. Iwo, da kauft man den Artikel billig von der dpa. Presseagenturen erfüllen heutzutage die Aufgabe, den Zeitungen (die oft kaum noch das haben, was man eine Redaktion nennen möchte) nicht nur die Meldungen an und für sich, sondern gleich fertige Gebrauchsartikel zu liefern, also eine Art Convenience-Journalismus. Und wenn da als Verfasserin eines zum Thema Israel angebotenen Artikels jemand mit dem Vornamen Sara glänzt, was soll da noch schiefgehen?

Alles.

Im Artikel steht einiges, was richtig ist. Aber es fehlt doch das Entscheidende: Nirgendwo steht, dass die Palästinensische Autonomiebehörde (übrigens so demokratisch und rechtsstaatlich wie Nordkorea) Israel nicht anerkennt, sondern abschaffen will. Es steht einfach nicht im Artikel drin, prüfen Sie’s nach.

Und damit ist der Artikel so aufklärend wie das hübsche Bild, das bestimmt den Stempel der Propaganda-Abteilung der PA bekommen hat, das Mahmoud Abbas vor einem stalin-großen Bild von Arafat zeigt. Sehr hübsch – da weiß man gleich, wes Geistes Kind er ist.

Und noch einen lächerlichen Fehler finden wir im Artikel. Dort steht – und damit endet er auch, gleichsam drohend -, dass Israel besonders deswegen angeblich eine Gefahr sei, weil Netanjahu einer rechten (gemeint wohl: bürgerlichen) Regierung vorstehe.

Ach. War er denn schon immer Ministerpräsident, regierten dort nicht auch mal die Liberalen (Kadima) unter Olmert (und früher auch die linke Arbeitspartei)? Natürlich. Das sollte auch dpa wissen. Ja, haben denn die Palästinenser damals Frieden gemacht? Nein, haben sie nicht.

Übrigens, weil das in dem Artikel auch ganz sanft angedeutet wird: Mir persönlich ist die Anerkennung der PA-Gebiete als Staat ziemlich egal. Wenn sie es wollen, sollen sie es machen. Das hätte den Vorteil, dass der künftige Staat Palästina sich an das Völkerrecht halten muss. Das sind sie nämlich bisher gar nicht gewohnt. Sie – gemeint ist der politisch wahrnehmbare Teil, nicht die unterdrückten Palästinenser – werden sich ganz schön umschauen, wenn sie auf einmal nicht mit dem Narrenbrief der Schuldunfähigkeit unterwegs sind, sondern sich an Regeln halten müssen. Ops.

Und da ist natürlich auch die neue hohe, höchste, allerhöchste EU-Außenbeauftragte Mogherini. Ganz unter uns gesprochen: Wenn man keine Ahnung vom Thema hat, dann darf man auch mal gepflegt die Klappe halten. Mogherini hat mit ihrem ersten Auftritt rund um den Nahost-Konflikt, den sie scheinbar für eine Lästigkeit auf dem Weg zur EU-Kantine hält, so dermaßen viel Porzellan zerbrochen, das sie davon einen Vorteil hat: sie hat damit nichts mehr zu tun. Wir werden vermutlich von ihr bis zum Ende ihrer Amtszeit nichts mehr zum Nahost-Konflikt hören, und das ist ja auch etwas schönes. Oder wie Reinhold Robbe, Präsident der DIG, so schön sagte: „Frau Mogherini ist nicht in der Lage, die Interessen der EU und insbesondere des wichtigen EU-Partners Deutschland im Nahen Osten angemessen zu vertreten“. Stimmt.

Übrigens: natürlich kann die NZ sowohl eine israelkritische wie eine israelpositive Meinung vertreten. Aber sie sollte, so oder so, das Relevante berichten. Vielleicht waren das doch nicht die schlechtesten aller Zeiten, als Zeitungen noch eine richtige Redaktion hatten?

Advertisements